22. Juli 2021, 21:57 Uhr

Gegenwind für rechte »Hochschule«

22. Juli 2021, 21:57 Uhr

- Das rechtsextreme Propagandaprojekt »Gegenuni« verliert seinen Standort in Frankfurt-Sachsenhausen. Wie der Bürodienstleister Regus der »Frankfurter Rundschau« auf Anfrage mitteilte, habe man den Mietvertrag mit dem Projekt »nach Bekanntwerden der Hintergründe dieser Organisation« umgehend gekündigt. Zudem werde man in Zukunft keine Mietverträge mehr »mit Parteien, parteiähnlichen Organisationen oder Parteien nahestehenden Unternehmen« abschließen, teilte das Unternehmen mit, das Firmen Büros und Konferenzräume anbietet. Ende Juni hatte die FR als erste Zeitung darüber berichtet, dass Akteure aus der sogenannten Neuen Rechten ein Internet-Portal mit dem Namen »Gegenuni« gestartet haben. Auf der Plattform, die sich als selbst ernannte rechte Hochschule versteht, können Rechtsextreme Vorträge und Lesekreise für junge Neurechte anbieten, die dafür als »Studierende« Beiträge zahlen müssen. Als Neue Rechte wird eine Strömung der extremen Rechten bezeichnet, die sich intellektuell gibt und sich an antiliberalen Autoren aus der Weimarer Republik orientiert. Zum Umfeld der Neuen Rechten werden der Verleger Götz Kubitschek und die rechtsextreme »Identitäre Bewegung« gezählt, es bestehen auch Verbindungen zur PEGIDA-Bewegung und zur AfD. Rechtlich ist die »Gegenuni« als haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft organisiert. Geschäftsführer ist Erik Ahrens aus Frankfurt, außerdem spielt Martin Sellner, der Kopf der »Identitären« in Österreich, eine wichtige Rolle in dem Projekt.

Ihren Sitz hatte die »GegenUni UG« bisher in einem Bürogebäude von Regus in der Darmstädter Landstraße. Nach einem FR-Bericht hatte Regus sich von jeglichem Rechtsextremismus distanziert. Auf eine Anfrage der FR reagierte die »Gegenuni« nicht.

Unterdessen warnt auch die Frankfurter Stadtregierung mit deutlichen Worten vor dem neurechten Netzportal. In der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung hatte die Stadtverordnete Pearl Hahn (Die Linke) Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) gefragt, was der Magistrat gegen die »Gegenuni« zu tun gedenke. Der Magistrat werde »alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, um gegen die Etablierung von Netzwerken in Frankfurt am Main vorzugehen, die sich gegen die demokratische Stadtgesellschaft richten«, teilte der CDU-Politiker mit.

Auch der Verfassungsschutz nimmt die »Gegenuni« derweil verstärkt in den Blick. Man beobachte die Entwicklung des Internetprojekts sehr sorgsam, teilte das Hessische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) auf FR-Anfrage mit. Das LfV sehe die Gefahr, dass die »Gegenuni« zur Professionalisierung der Neuen Rechten beitragen könnte. Hanning Voigts

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