10. November 2020, 20:57 Uhr

»Gegenwärtig sind wir zuversichtlich«

10. November 2020, 20:57 Uhr
Eine Intensivpflegekraft versorgt einen beatmeten Corona-Patienten. FOTO: DPA

Wiesbaden - Die hessischen Krankenhäuser kommen mit der wachsenden Zahl an Covid-19-Patienten bislang besser zurecht als vielfach befürchtet. Von den landesweit derzeit 1456 stationär versorgten Menschen mit der vom Coronavirus ausgelösten Krankheit lagen Anfang der Woche nur 308 auf der Intensivstation. Sozialminister Kai Klose (Grüne) und der Ärztliche Direktor der Frankfurter Uniklinik, Jürgen Graf, erwarten den Höchststand der Patientenzahl aber erst zum Monatsende, weil sich die Infektionszahlen erst mit bis zu vier Wochen Verzögerung auf die Bettenbelegung in den Krankenhäusern auswirkt. Es sei nicht auszuschließen, dass eines Tages auf den Intensivstationen weniger Pflegekräfte und Ärzte pro Patient zur Verfügung stehen als bis jetzt.

Aktuell gibt es den Angaben zufolge insgesamt 2078 Betten auf Intensivstationen hessischer Klinken. Mit dem Einsatz zusätzlicher Pflegekräfte aus anderen Abteilungen kann die Zahl kurzfristig noch auf 2400 erhöht werden. »Gegenwärtig sind wir zuversichtlich, dass wir die Kapazitäten nicht voll ausreizen müssen«, sagte Graf, der den Planungsstab des Landes für die stationäre Versorgung in der Pandemie leitet.

Gestern meldete das Sozialministerium 1701 neue Infektionen mit dem Virus binnen 24 Stunden. Das waren weniger als vor dem Wochenende, allerdings stieg die Zahl der neuen Todesfälle auf einen Rekordstand von 28 in Hessen. Die Zahl der seit Beginn der Pandemie registrierten Corona-Fälle lag bei 55 744. Insgesamt 786 Todesfälle werden mittlerweile mit dem Erreger in Verbindung gebracht. Das waren 28 mehr als am Vortag. In Frankfurt wurden 158 neue Infektionen registriert, die extrem hohe Zahl von 587 Fällen in Hessens größter Stadt am vergangenen Samstag führte Klose auf einen »Meldeverzug« zurück. Bislang sehe er keinen Grund für ein hessenweites Verbot elektiver Eingriffe, also nicht sehr dringender Operationen in den Krankenhäusern. Klose zeigt sich aufgrund der Zahlen vorsichtig optimistisch, dass die vor acht Tagen in Kraft getretenen massiven Kontaktbeschränkungen den Anstieg der Kurve neuer Fälle abflachen werde.

Bewährt hat sich nach Einschätzung Grafs die im Frühjahr vorgenommene Aufteilung Hessens in sechs regionale Versorgungsgebiete mit jeweils einem koordinierenden Großkrankenhaus. Drei dieser Gebiete sind wegen des hohen Ansturms von Covid-19-Patienten allerdings schon in die zweite Eskalationsstufe aufgenommen worden, die es erlaubt, in andere Versorgungsregionen zu verweisen. Das gilt für Frankfurt/Offenbach, Darmstadt/Südhessen sowie Gießen/Marburg. Grund für eine weitere Verschärfung der in Hessen geltenden Corona-Verordnungen sieht Klose derzeit nicht. Ausdrücklich bedankte sich der Minister für die Zusammenarbeit der Krankenhäuser. Graf wies darauf hin, dass sich die Kliniken im Sommer sehr intensiv auf die erwartete zweite Welle an Corona-Patienten vorbereitet haben. So seien etwa Pflegekräfte aus anderen Abteilungen für einen Einsatz auf Intensivstationen nachgeschult worden. Andererseits habe es aber Erkrankungen beim Pflegepersonal selbst gegeben, und dessen Zahl sei endlich: »Eine solche Situation hatten wir noch nie.« Gerhard Kneier

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