26. Juli 2021, 20:41 Uhr

Freie Fahrt für Schiffe

38 Schleusen betreibt der Bund in Hessen. Ohne sie wären die Wasserstraßen im Bundesland nicht rund um die Uhr befahrbar. In Nordhessen soll bis 2023 sogar ein Schleusen-Neubau entstehen - dahinter steht aber nicht der Bund.
26. Juli 2021, 20:41 Uhr
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Von DPA
Blick auf die Kasseler Stadtschleuse in der Fulda. Für die wassertouristische Nutzung ist sie bedeutsam - und wird neu gebaut. FOTO: DPA

Gute Nachrichten für Wassersportler und die Fahrgastschifffahrt in Kassel: Die marode Stadtschleuse, die schon seit 2016 nicht mehr in Betrieb ist, wird derzeit erneuert. Weil der Bund das dringend sanierungsbedürftige Bauwerk nicht mehr betreiben wollte, hat es die nordhessische Stadt für einen symbolischen Euro gekauft und baut nun eine neue als Ersatz.

In Kassel werden Kosten geteilt

»Wir sind zuversichtlich, dass die Schleuse bis zum Mai 2023 fertiggestellt sein wird und der Wasserweg der Stadt damit wieder offen ist«, sagte Oberbürgermeister Christian Geselle. Zuvor hatten sich der Bund, die Stadt und das Land Hessen auf eine gemeinsame Finanzierung geeinigt. Danach übernimmt die Bundesrepublik Deutschland 50 Prozent der Kosten. Die Stadt Kassel und das Land Hessen teilen sich die andere Hälfte. 7,5 Millionen Euro Baukosten waren ursprünglich kalkuliert. Die Stadt geht aber nach eigenen Angaben davon aus, dass sie sich wegen der gestiegenen Bau- und Materialkosten voraussichtlich um 25 Prozent erhöhen. Die alte Schleuse dient laut Stadt als Baugrube, wird also zum Teil bei der Sanierung genutzt.

Das benachbarte Wehr befindet sich weiter im Eigentum des Bundes - so wie nach Angaben von Ines Petri von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) weitere 38 Boots- und Schiffsschleusen in Hessen auch. Für ihre Finanzierung, Wartung und Instandsetzung sind die Wasser- und Schifffahrtsämter (WSA) Weser, Mosel-Saar-Lahn, Main und Neckar zuständig. Ihre Passage ist kostenfrei. Am Main beispielsweise ermöglichen jeweils sechs Boots- und Schiffsschleusen der Schifffahrt, die Wasserstraße rund um die Uhr zu befahren. Mit 524 Kilometern Länge, davon 388 Kilometer Wasserstraße, ist er der bedeutendste Nebenfluss des Rheins. Von den 524 Kilometern sind nur 77 Kilometer hessisch, doch auch auf dieser recht kurzen Strecke gibt es regen Schiffsverkehr.

»In Kostheim, unmittelbar an der Mündung des Mains in den Rhein, passieren jährlich etwa 15 Millionen Tonnen Güter die Staustufe«, sagt Stephan Momper, Fachbereichsleiter Wasserstraßen beim WSA Main. Auch die Freizeitschifffahrt mache inzwischen einen großen Anteil des Verkehrs auf dem Main aus. »Vor allem nachts sind zunehmend Hotelschiffe unterwegs«, berichtet Momper.

Augenmerk liegt auf den Wehren

Gesteuert werden die Schleusen aus der Ferne. »Drei Leitzentralen in Kostheim, Offenbach und Aschaffenburg sind daran beteiligt.« Der Zustand der Bauwerke sei relativ gut. Allerdings seien die meisten schon in den 1930er Jahren entstanden und hätten bautechnische Mängel. Alle sechs Jahre werden sie deshalb laut Momper trockengelegt, um etwaige Schäden festzustellen und zu beheben.

»Unser Augenmerk liegt eher auf den Wehren, die teilweise saniert werden müssen«, sagt Momper. Die Stauwerke schließen den Zu- oder Abfluss eines Gewässers ab. Die Einflussmöglichkeiten der Wehre bei Hochwassern sind aber begrenzt. Ein Hochwasser wie jüngst in Teilen Deutschlands können sie laut Momper nicht mildern. »Wir können damit kein Wasser aufhalten.«

Auch der Neckar, der auf rund 18 von insgesamt 362 Kilometern zu einem kleinen Teil zu Hessen gehört, ist viel befahren. »Fünf Millionen Tonnen an Gütern pro Jahr passieren die Schleusen«, berichtet Johanna Reek vom WSA Neckar. Die zwei Wasserbauwerke am hessischen Teil in Neckarsteinach und Hirschhorn werden demnach durch Schichtleiter vor Ort gesteuert. Die Bauwerke seien aus den 1920er Jahren und müssten daher immer wieder inspiziert und instand gesetzt werden.

An der Lahn, die auf ihrem Weg von Nordrhein-Westfalen nach Rheinland-Pfalz mit 165 von insgesamt 242 Kilometern hauptsächlich durch Hessen fließt, gibt es zwölf Schiffsschleusen im Bundesland. Sie werden ausschließlich für wassertouristische Zwecke genutzt. Laut Tobias Schmidt, Fachbereichsleiter Schifffahrt beim WSA Mosel-Saar-Lahn, sind auch sie zum Teil mehr als 100 Jahre alt. Die massiven Bauten seien aber verhältnismäßig wartungsarm. »Schäden entstehen da nur selten«, sagt Schmidt. Wer sie passieren will, muss selbst Hand anlegen. »Es handelt sich um Selbstbedienungsschleusen. Das heißt, die Fahrer müssen sie selbst mechanisch bewegen.«



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