Hessen

Fraport erwartet weitere Verluste

- Stefan Schulte konnte es gestern nicht oft genug betonen: »Wir sehen Licht am Ende des Tunnels«, betonte der Fraport-Vorstandschef bei der Bilanzvorlage des Frankfurter MDAX-Konzerns immer wieder. »Mit dem Fortschreiten der Impfprogramme und den nun vorhandenen Testmöglichkeiten kann der Luftverkehr ab dem Sommer wieder anlaufen«, führte Schulte aus, »die digitale Einreise-Anmeldung und der EU-Impfpass ermöglichen gezielte Schutzmaßnahmen.« Dass sich der 60-Jährige dabei eher in Zweckoptimismus übte, lassen nicht nur die gefährlichen Virusmutationen, die Probleme mit dem Astrazeneca-Impfstoff und der Umstand, dass die EU noch sehr weit von der Einführung eines Impfpasses entfernt ist, vermuten. Auch die gestrige Prognose des Vorstands für das Passagieraufkommen am Heimatstandort in diesem Jahr lässt darauf schließen: Hatte die Konzernführung für 2021 bislang mit bis zu 32 Millionen Fluggästen am Frankfurter Flughafen gerechnet, erwartet sie derzeit nur noch zwischen 20 und 25 Millionen Passagiere. Die ungewöhnlich große Spanne begründete Schulte selbst mit der »spannenden Frage, wann im Sommer die Luftverkehre wieder deutlich ansteigen werden«.
16. März 2021, 21:07 Uhr
Redaktion
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Fraport rechnet für 2021 nur noch mit 20 bis 25 Millionen Passagieren , je nachdem wann im Sommer der Luftverkehr wieder ansteigen wird. Damit senkt das Unternehmen seine bisherige Erwartung von 32 Millionen Fluggästen. ARCHIVFOTO: DPA

- Stefan Schulte konnte es gestern nicht oft genug betonen: »Wir sehen Licht am Ende des Tunnels«, betonte der Fraport-Vorstandschef bei der Bilanzvorlage des Frankfurter MDAX-Konzerns immer wieder. »Mit dem Fortschreiten der Impfprogramme und den nun vorhandenen Testmöglichkeiten kann der Luftverkehr ab dem Sommer wieder anlaufen«, führte Schulte aus, »die digitale Einreise-Anmeldung und der EU-Impfpass ermöglichen gezielte Schutzmaßnahmen.« Dass sich der 60-Jährige dabei eher in Zweckoptimismus übte, lassen nicht nur die gefährlichen Virusmutationen, die Probleme mit dem Astrazeneca-Impfstoff und der Umstand, dass die EU noch sehr weit von der Einführung eines Impfpasses entfernt ist, vermuten. Auch die gestrige Prognose des Vorstands für das Passagieraufkommen am Heimatstandort in diesem Jahr lässt darauf schließen: Hatte die Konzernführung für 2021 bislang mit bis zu 32 Millionen Fluggästen am Frankfurter Flughafen gerechnet, erwartet sie derzeit nur noch zwischen 20 und 25 Millionen Passagiere. Die ungewöhnlich große Spanne begründete Schulte selbst mit der »spannenden Frage, wann im Sommer die Luftverkehre wieder deutlich ansteigen werden«.

Keine Dividende für 2021

In welchem Sommermonat auch immer die Erholung einsetzen wird - mit einem Gewinn vor und nach Steuern rechnet der Fraport-Vorstand nach eigenen Angaben für dieses Jahr nicht. Wie Finanzvorstand Matthias Zieschang gestern ausführte, erwartet er für 2021 einen Vorsteuerverlust von bis zu 150 Millionen Euro. Der Nettoverlust werde zwischen 160 und 310 Millionen Euro betragen. Für die Aktionäre bedeutet dies: Auch für das Geschäftsjahr 2021 werden sie keine Dividende erhalten.

Immerhin wären die Verluste gemäß der gestrigen Prognose deutlich niedriger als die des vergangenen Jahres, in dem die Passagierzahl in Frankfurt coronabedingt von 73,4 auf 18,8 Millionen abstürzte. Weil dadurch der Konzern-umsatz um 55,4 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro absackte, erlitt der Flughafenbetreiber 2020 einen Vorsteuerverlust von 708,1 Millionen Euro - 2019 hatte da noch ein Gewinn von 705 Millionen Euro gestanden. Und unterm Strich wurde aus dem Rekordgewinn von 454,3 Millionen Euro ein Rekordverlust von 690,4 Millionen Euro.

Was die Aktionäre zumindest für die Zeit nach der Pandemie optimistisch stimmen kann: Der Fraport-Vorstand hat die Corona-Krise genutzt, um seine Ertragskraft zu erhöhen. Nach Angaben von Zieschang hat der Konzern sowohl bei seinen Auslandsbeteiligungen wie auch am Hauptstandort Frankfurt seine operative Gewinnschwelle deutlich gesenkt. Demnach kann das Unternehmen am Frankfurter Flughafen beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schon eine schwarze Null schreiben, wenn die Passagierzahl lediglich 25 Prozent des Vorkrisen-niveaus erreicht. Heißt: bei 18,35 Millionen Fluggästen. »Vor der Krise konnte man sich nicht vorstellen, so weit herunterzukommen«, sagte Zieschang.

Was den Finanzvorstand erfreut, betrübt allerdings viele Beschäftigte. Denn die Ertragskraft des Konzerns wird vor allem durch eine Senkung der Personalkosten erhöht. Nach dem Ausbruch der Corona-Krise hat das Management die Gesamtkosten in Frankfurt allein im vergangenen Jahr um 31 Prozent bzw. 380 Millionen Euro nach unten gedrückt. Davon entfielen 231 Millionen Euro auf einen geringeren Personalaufwand - erreicht durch die Kurzarbeitregelung. Den Angaben nach sind nach wie vor rund 76 Prozent der Belegschaft in Kurzarbeit, bei circa der Hälfte ihrer üblichen Arbeitszeit.

Deutlicher Stellenabbau

Weitere Einsparungen erzielt der Vorstand durch den Abbau von 4000 der insgesamt 22 000 Stellen in Frankfurt. Ende 2021 soll dieser Job-Abbau abgeschlossen sein und ab 2022 die Personalkosten jährlich um rund 250 Millionen Euro senken. Wie Schulte gestern berichtete, ist der Konzern bei den Stellenstreichungen fast schon am Ziel. Demnach ist bereits der Abbau von 3800 der 4000 Stellen vereinbart worden.

Darüber hinaus haben sich Fraport und die Gewerkschaft Verdi auf einen Notlagen-Tarifvertrag für die Jahre 2022 und 2023 geeinigt. Dieser sieht neben dem Verzicht auf Leistungsboni eine Arbeitszeitverkürzung um sechs Prozent ohne Lohnausgleich vor sowie die Verschiebung von Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst auf das Jahr 2024.

Zudem will der Konzern weitere Personalkosten bei den Bodenverkehrsdiensten einsparen, die in den vergangenen Jahren zumeist Verluste erwirtschafteten. Dazu sollen die 8900 Beschäftigten dieses Bereichs in einer neuen Tochtergesellschaft zusammengeführt werden, in der für alle Mitarbeiter neue Arbeitszeitregeln gelten sollen, sowie geringere Löhne für neue Mitarbeiter. Panagiotis Koutoumanos, FNP

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/fraport-erwartet-weitere-verluste;art189,728223

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