25. Juli 2021, 18:45 Uhr

Flora und Fauna unter Druck

Coronabedingt machen viele Menschen Urlaub vor der eigenen Haustür und entdecken die heimischen Wälder als Freizeitorte. Die hessischen Forstbehörden bitten um mehr Rücksichtnahme. Denn der zunehmende Freizeitdruck hat teilweise gravierende Folgen für Flora und Fauna.
25. Juli 2021, 18:45 Uhr
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Von DPA
Freizeitdruck im Wald: Wanderer und ein Radfahrer sind auf dem Großen Feldberg im Taunus unterwegs. FOTO: RUMPENHORST/DPA

Wild-romantischer Märchenwald, Holzlieferant oder Sportarena: Laut Regierungspräsidium Kassel sind die Erwartungen an die nordosthessischen Wälder so vielfältig wie ihre Nutzer und Besucher. »Die Aktivitäten im Wald reichen vom klassischen Waldspaziergang übers Joggen und Nordic Walking bis zum satellitengestützten Geocaching oder zur Schussfahrt mit dem Mountainbike«, so die Behörde. Auch das Waldbaden erfreue sich zunehmender Beliebtheit.

All das finde zu jeder Tages- und Nachtzeit statt. Entsprechend nehme auch im Wald der Freizeitdruck zu. Das RP appelliert deshalb an die Waldbesucher, Rücksicht auf andere und ganz besonders auf die Tiere des Waldes zu nehmen und die Regeln nach dem Bundes- und dem Hessischen Jagdgesetz einzuhalten, nach denen etwa das Radfahren und Mountainbiking nur auf Straßen und Wegen erlaubt ist.

Ähnlich sieht die Situation in den Wäldern und Naturschutzgebieten im Regierungsbezirk Gießen aus: »Wir beobachten aktuell: Die Menschen sind überall unterwegs, hauptsächlich zu Fuß - mit und ohne Hunde - oder per Fahrrad. Immer wieder auch querfeldein über Wiesen mit Picknick an allen möglichen Stellen und in Wäldern abseits der Wege«, sagt Oliver Keßler, Pressesprecher des RP Gießen.

Der Landesbetrieb HessenForst beobachtet eine Zunahme der Waldbesuche im gesamten Bundesland. »Auslöser war sicher die Corona-Pandemie, aber wir können uns vorstellen, dass die Besucherzahlen zukünftig nicht wieder wesentlich zurückgehen«, sagt Pressesprecherin Michelle Sundermann. Gerade die Naherholungsgebiete im ländlichen Raum erfreuten sich zunehmender Beliebtheit.

»Wir stellen dabei fest, dass Aktivitäten abseits der Wege wie Mountainbiking, aber auch Wanderungen zunehmen - das Verständnis für Forstarbeiten aber eher abnimmt«, sagt Sundermann. HessenForst erarbeite daher gerade lokale Erholungswaldkonzepte für die einzelnen Regionen, um die Besucherlenkung zu optimieren. Damit solle allen Belangen - unter anderem auch denen des Naturschutzes, der Holznutzung und der Jagd - mehr Raum gegeben werden.

Verständnis und Rücksichtnahme

Auch in den Privatwäldern spitzt sich die Lage zu. »Die Leute drängen in den Wald, bevorzugt um die Ballungsgebiete herum. Das sei ihnen auch gegönnt. Aber dadurch wird auch die Unruhe für das Wild größer«, sagt Christian Raupach, Geschäftsführer des Hessischen Waldbesitzerverbandes. Es sei zwar nur eine Minderheit der Waldbesucher, die sich nicht an die Regeln halte, »aber die richtet großen Schaden an«. In der Folge geraten die Tiere in Stress. »Ein Kreislauf, der nur gemeinsam mit der Bevölkerung und durch Verständnis und Rücksichtnahme unterbrochen werden kann«, erläutert Markus Stifter, Pressesprecher des Landesjagdverbands Hessen.



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