30. Juni 2021, 20:23 Uhr

Experimente mit flexiblen Angeboten

30. Juni 2021, 20:23 Uhr

- Für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und auch speziell den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) lief es bis zur Pandemie richtig rund. Die Fahrgastzahlen stiegen, spezielle Angebote wie Jobticket sowie 365-Euro-Karte für Schüler und Senioren waren Renner. Doch dann kam Corona und sorgte für einen Einbruch. Die Nachfrage ging laut Thomas Wissgott, Hessen-Chef des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen (VdV), um 40 Prozent zurück. Für 2020 und 2021 wird mit Einnahmeverlusten von insgesamt 550 Millionen Euro gerechnet. Bund und Land stehen dafür je hälftig gerade. Dafür zeigten sich die Vertreter der hessischen Verkehrsunternehmen gestern bei einem Pressegespräch dankbar. RMV-Chef Knut Ringat betonte, dass dank dieser Hilfen das Angebot komplett beibehalten werden konnte. Man kann hinzufügen, dass sich die Fahrgäste wohl auch dank der relativ geringen Auslastung selbst in Hoch-Zeiten der Pandemie in der Regel sicher fühlten.

Jörg Sandvoß, Vorstandschef DB Regio, ergänzte, dass die Maskenpflicht dafür sorgte, dass die Infektionszahlen der Bahner mit Kundenkontakt geringer gewesen seien als im Bevölkerungschnitt. Er hat übrigens festgestellt: »Seit Mai zieht die Nachfrage an.«

Zusatzhilfen für Verkehrswende

Dennoch geht RMV-Chef Ringat davon aus, dass es wegen der Auswirkungen der Pandemie auch 2022 und 2023 stattlicher staatlicher Gelder bedürfe. Und auch danach braucht der ÖPNV Zusatzhilfen - wegen der aus Klimagründen angestrebten Mobilitäts- und Verkehrswende. Schließlich soll nicht nur der Corona-Einbruch wettgemacht, sondern die Nachfrage gegenüber dem Vorkrisenniveau um 30 Prozent gesteigert werden. Dies geht nicht ohne massiven Ausbau des Angebots. Denn die aktuelle Zufriedenheit der Kunden hat paradoxerweise auch mit Corona zu tun: Züge und Busse sind oft angenehm leer. Wenn aber 30 Prozent Fahrgäste mehr als 2019 in einen ÖPNV auf altem Stand drängten, wäre das rein gesundheitlich nicht unproblematisch - wegen möglicher Corona-Mutationen, aber auch wegen der üblichen Grippe.

Natürlich wird der auch nach Corona anhaltende Trend zum Homeoffice auf die Nachfrage drücken. Sandvoß findet das nicht so schlimm. »Es ist ja erst mal gut fürs Klima, wenn mehr Leute zu Hause bleiben.« Und was ist mit Stammkunden, die abspringen könnten, weil sich die Zeitkarte wegen weniger Fahrten nicht mehr lohnt? Ringat versprach, solche Leute perspektivisch mit Zusatzangeboten bei der Stange zu halten. Gedacht sei etwa an großzügigere Mitnahmeregelungen oder Freifahrten in anderen ÖPVN-Verbänden. Denn es ist klar, das derjenige, der keine Zeitkarte mehr hat und nur zweimal die Woche fährt, zum Auto tendieren könnte, statt ein teures Einzelticket zu kaufen. Dieter Sattler

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