21. Oktober 2021, 22:06 Uhr

Erster Herbststurm fegt über Hessen

21. Oktober 2021, 22:06 Uhr
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Von DPA
Sturmböen wirbelten gestern nicht nur Frisuren, sondern auch Reisepläne durcheinander. FOTO: DPA

- Der erste Herbststurm dieses Jahres hat am Donnerstag auch in Hessen zahlreiche Einsätze von Feuerwehr und Polizei ausgelöst. Die Unwetterwarnung vor orkanartigen Böen hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) zwar um die Mittagszeit auf und danach wurde es in Hessen ruhiger. Doch auch am Nachmittag waren noch vereinzelt Gewitter mit schweren Sturmböen bis zu 100 Kilometern pro Stunde möglich. Es galten weiterhin Warnungen der Stufe zwei.

Vor allem umgestürzte Bäume führten am Donnerstag zu Unfällen. So fiel ein Baum an der Autobahn 5 Heidelberg - Darmstadt auf einen Strommast. Ein Lastwagen fuhr daraufhin in die nun tiefer hängende Stromleitung, wie die Polizei mitteilte. Der Fahrer blieb unverletzt, doch die A 5 musste bis etwa 10 Uhr in beide Richtungen gesperrt werden.

Auf der Landstraße 3098 stürzte ebenfalls ein Baum auf die Straße und fiel auf ein fahrendes Auto. Der 58 Jahre alte Fahrer wurde dabei schwer verletzt, seine 22-jährige Begleiterin erlitt einen Schock. Für die Aufräumarbeiten blieb auch hier die Fahrbahn für eine Stunde gesperrt. In Frankfurt am Main kam es zu einer Sperrung am Güterplatz wegen eines durch den Wind eingestürzten Baugerüstes. Ein Bauarbeiter wurde leicht verletzt.

In anderen Teilen Hessens kam es ebenfalls zu Einsätzen, überwiegend mit Sachschäden. In Frankfurt am Main hatte die Feuerwehr bis zum Mittag nach eigenen Angaben rund 100 Einsatzstellen abzuarbeiten und auch in Mittelhessen wurden im Laufe des Tages ebenso viele Einsätze verzeichnet. Dabei ging es nicht nur um umgestürzte Bäume - in Fulda etwa lösten herumfliegende Sonnenschirme und ein weggeflogenes Trampolin Polizeieinsätze aus und in Frankfurt mussten abgedeckte Dächer, lose Dachziegel und umgestürzte Bauzäune gesichert werden.

Von »über 100 Einsätzen« sprach auch die Polizei in Kassel. Unter anderem war ein Postbote mit seinem Dienstfahrrad von einem umstürzenden Baum getroffen worden. Der 40-Jährige sei leicht am Bein verletzt worden. Im Stadtteil Kirchditmold kam es zu Stromausfällen, nachdem ein Baum auf eine Stromleitung gefallen war.

Oberleitung auf Tram-Dach gefallen

Hessen Mobil teilte mit, dass bereits seit den frühen Morgenstunden Mitarbeiter zusammen mit Feuerwehren umgestürzte Bäume, Äste und heruntergewehtes Laub beseitigten. Es sei jedoch damit zu rechnen, dass die Aufräumarbeiten in den kommenden Tagen andauern werden.

Der Bahnverkehr wurde durch den Sturm sowie umgestürzte Bäume auf Gleisen und in Oberleitungen behindert. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund meldete die zeitweise Einstellung mehrerer Bahnverbindungen wie der S3, S4 oder S7. Am Mittag wurde der Zugverkehr dann wieder Stück für Stück aufgenommen. Mit Störungen sei jedoch bis Betriebsschluss zu rechnen, teilte eine Sprecherin mit.

Auch in Nordhessen waren zeitweise mehrere Linien und Strecken nicht befahrbar, wie die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH mitteilte. Im Bahnhof Rengershausen musste eine Tram abgeschleppt werden, weil eine Oberleitung auf das Dach gefallen war. Verletzt wurde niemand. In Marburg ordnete die Stadtverwaltung die Schließung aller Friedhöfe, Gärtnereien und Steinmetzbetriebe an. Der Wiesbadener Kurpark sollte voraussichtlich wegen Aufräumarbeiten bis Freitagmittag gesperrt bleiben.

Den Rest Deutschlands hat es teilweise noch heftiger getroffen. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wurde der Regionalbahnverkehr bis auf Weiteres eingestellt, wie die Deutsche Bahn (DB) mitteilte. In Nordrhein-Westfalen fuhren zeitweise keine Fernverkehrszüge. Besonders im Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern komme es zu Zugausfällen und Verspätungen.

In Schwentinental bei Kiel richtete ein Wirbelsturm schwere Schäden an. Feuerwehr-Einsatzleiter Kai Lässig zufolge habe der Wirbelsturm im Ort eine »Schneise der Verwüstung« auf etwa 100 Metern Breite hinterlassen. Mehrere Häuser seien schwer beschädigt worden, Bäume seien umgestürzt und hätten Autos unter sich begraben. Verletzte gab es demnach nicht.

Für den Donnerstagnachmittag und -abend warnte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie vor einer Sturmflut an der Nordsee sowie im Weser- und Elbegebiet. Weitere Sturmfluten am Freitag seien nicht ausgeschlossen. dpa



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