05. Januar 2021, 22:03 Uhr

Erleichterung nach Ausnahmejahr

05. Januar 2021, 22:03 Uhr

Nürnberg/Wiesbaden/Gießen - Die Verantwortlichen auf dem deutschen Arbeitsmarkt wischen sich kollektiv den Schweiß von der Stirn: Es ist noch einmal gut gegangen. Das Corona-Jahr 2020 verlief dank enormer staatlicher Interventionen glimpflicher als befürchtet. Im Dezember stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum November nur um 8000 auf 2,707 Millionen - das ist ein deutlich geringerer Anstieg als 2019, als die Arbeitslosigkeit von November auf Dezember noch um 46 000 geklettert war. Die Arbeitslosenquote blieb im Dezember unverändert bei 5,9 Prozent.

»Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist eigentlich ganz gut, wenn man bedenkt, was für ein Jahr wir hinter uns haben«, sagte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, gestern. Gegenüber dem Vorjahresmonat liege die Arbeitslosigkeit zwar um 480 000 höher. Dieser Unterschied war aber im Sommer sogar noch größer. Im Jahresdurchschnitt 2020 lag die Arbeitslosigkeit bei 2,695 Millionen Menschen, 429 000 mehr als 2019. Wie Scheele sagte, sei in etwa der Stand von 2016 erreicht worden.

Mehr Anzeigen für Kurzarbeit

Im Dezember nahm die Zahl der Anmeldungen für Kurzarbeit wieder zu. Bis zum 28. Dezember zählten die Nürnberger Statistiker 666 000 Anzeigen - rund 40 000 mehr als noch im November. Die tatsächliche Zahl der Kurzarbeiter liegt jedoch erfahrungsgemäß niedriger, weil die Unternehmen Kurzarbeit oft vorsorglich anmelden. Zum Vergleich: Im März waren es über zehn Millionen solcher Anzeigen. Im Oktober - dem jüngsten belastbar messbaren Monat - waren es noch etwas 1,99 Millionen Menschen. »Die stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit hat Beschäftigung gesichert«, sagte Scheele.

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im Dezember den vierten Monat in Folge gesunken. Zum Stichtag waren im Land 187 189 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur in Frankfurt berichtete. Das waren 861 weniger als im November, aber 40 490 mehr als im Dezember des Vorjahres. Die Quote sank binnen Monatsfrist um 0,1 Punkte auf 5,4 Prozent.

Für 2020 nannte die Direktion einen Durchschnittswert von rund 185 000 Arbeitslosen. Das war im Vergleich zu den 150 000 im Vorjahr eine Steigerung um 23 Prozent. Direktionschef Frank Martin warnte: »Jeder Tag des Lockdowns verringert die Chancen auf eine baldige Erholung des Arbeitsmarktes. Wir müssen uns noch länger auf hohe Arbeitslosenzahlen und ab Frühjahr ansteigende Insolvenzen einstellen. Eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau erscheint für 2021 in den meisten Branchen unrealistisch.« Mit Problemen rechne er auch auf dem Ausbildungsmarkt, weil Betriebe und Bewerber schwerer zusammenkommen könnten.

Die Anzeigen für Kurzarbeit sind in Hessen im Dezember weiter angestiegen. Im Berichtsmonat erreichten die Agenturen rund 4770 neue Anzeigen für 39 244 Personen. Seit März gingen somit insgesamt rund 77 450 Anzeigen für knapp 1 008 700 Personen ein.

Uneinheitliches Bild in der Region

Der zweite Lockdown bildet sich auch in den Zahlen im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen ab. In der Region hat sich die Erholung auf dem Arbeitsmarkt verlangsamt. So waren im Dezember im Landkreis Gießen, im Wetteraukreis und im Vogelsbergkreis insgesamt 18 399 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren lediglich 21 weniger als im November. Das Bild ist jedoch uneinheitlich: Während die Anzahl der Erwerbslosen in den Kreisen Gießen und Vogelsberg gestiegen ist, wurde in der Wetterau ein Rückgang registriert.

Die Arbeitslosenquote im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen verharrte bei 4,9 Prozent. Im Dezember des Vorjahres waren 2363 Menschen weniger arbeitslos gemeldet. Die Quote betrug seinerzeit 4,3 Prozent. Eckart Schäfer, Chef der Gießener Arbeitsagentur, sagt mit Blick auf die Daten: »Der Rückgang der Arbeitslosigkeit, wie er sich die Monate zuvor gezeigt hatte, wurde ausgebremst.« Grund zum Optimismus gebe jedoch die Anzahl der neu gemeldeten Arbeitsstellen, die das Vorjahresniveau erreicht habe. Der erneute Anstieg bei der Nutzung des Kurzarbeitergeldes lasse allerdings die Belastungen vieler Firmen erkennen. Im Dezember haben im Bezirk der Agentur 2506 kurzarbeitende Betriebe einen Antrag auf Auszahlung von Kurzarbeitergeld gestellt und auch bewilligt bekommen. Das waren 34 betroffene Betriebe mehr als im November und 311 weniger als noch im Oktober.

Im Kreis Gießen waren im Dezember insgesamt 8474 Menschen erwerbslos gemeldet, 15 Arbeitslose mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 5,7 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 5,3 Prozent. Damals waren 828 Menschen weniger registriert.

Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im Dezember um 51 Personen auf jetzt 7681 gesunken. Die Quote ging um 0,1 zurück und liegt nun bei 4,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren jetzt 1291 Erwerbslose mehr gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 3,8 Prozent.

Im Vogelsbergkreis ist die Anzahl der Erwerbslosen im Dezember leicht gestiegen. 2244 Personen waren arbeitslos gemeldet, 15 Personen mehr als noch im November. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 und lag danach bei 3,9 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 244 Erwerbslose weniger gemeldet. Damals wurde eine Quote von 3,4 Prozent verzeichnet. dpa/pm/pi

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