02. September 2021, 20:24 Uhr

Elisabethkirche wird heller

Der Innenraum der Elisabethkirche in Marburg wird restauriert. Zwei Expertenkommissionen und alle am Planungsgeschehen Beteiligten haben sich nach intensiven Diskussionen dafür entschieden, die ursprünglichen Farben des Kirchenraumes aus dem 13. Jahrhundert wiederherzustellen. Das wird die Kirche wesentlich heller erscheinen lassen als bislang.
02. September 2021, 20:24 Uhr
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Die Musterfläche im Hohen Chor zeigt die angestrebte »neue« Farbe (rechts), daneben sind die stark verschmutzten Wand- und Gewölbeflächen des jetzigen Zustands in der Elisabethkirche zu sehen. FOTO: BILDARCHIV FOTO MARBURG/HORST FENCHEL/THOMAS SCHEIDT/CHRISTIAN STEIN

Die Raumwirkung der Elisabethkirche wird nach der Restaurierung des Kircheninnenraumes eine andere sein«, sagt Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. »Wir haben uns für die Rekonstruktion der bauzeitlichen Raumfassung entschieden, deren rosa Grundton mit weißem Fugennetz an den Wand- und Gewölbeflächen sowie an den Pfeilern die Kirche sehr viel heller erscheinen lassen wird.« Wie in der ursprünglichen Fassung aus der Erbauungszeit der Kirche ab 1235 bis 1283 würden die den Raum gliedernden Elemente in Weiß und Ocker abgesetzt werden, sodass man sich einen Eindruck davon machen könne, wie die Menschen des 13. Jahrhunderts die gerade fertiggestellte Elisabethkirche wahrgenommen hätten.

Im Moment stark verschmutzt

Das einheitliche Votum für die bauzeitliche Raumfassung sei durch die noch erhaltenen gotischen Ausstattungsstücke erleichtert worden. »Auf diese Weise wird auch das Zusammenwirken von Raum und Ausstattung wieder möglich sein - dies ist ein ganz besonderer Glücksfall«, freut sich Harzenetter.

Die Musterfläche im Hohen Chor zeigt die angestrebte »neue« und gleichzeitig bauzeitliche Fassung, daneben sind die stark verschmutzten Wand- und Gewölbeflächen des jetzigen Zustands in der Elisabethkirche zu sehen. »Bei der aktuellen Raumfassung handelt es sich um sehr dünnschichtige Lasuren der 1930er Jahre. Damals hat man frühere Fassungen abgenommen, um einen steinsichtigen Zustand herzustellen. Mit den ergänzenden Lasuren wurde der Versuch unternommen, Unregelmäßigkeiten in der Steinsichtigkeit zugunsten eines harmonischeren Erscheinungsbildes zu egalisieren«, erklärt Dr. Bernhard Buchstab, Bezirkskonservator der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Ein weiteres Kriterium für die Wiederherstellung der ersten Raumfassung sei auch die Tatsache gewesen, dass man sich an noch erhaltenen, großflächigen Befunden im gesamten Kirchenraum orientieren könne. Eine zweite leicht grau-blau abgetönten weiße Raumfassung aus dem 16. Jahrhundert sei leider nur noch in wenigen Resten nachweisbar. Die dritte, ab 1855 in gebrochenem Weiß ausgeführte Fassung sei durch Schwarz-Weiß-Aufnahmen zwar gut dokumentiert, doch ließen sich die Farbwerte leider nicht mehr in ausreichendem Umfang ermitteln.

Nach den Planungen des Landesbetriebes Bau- und Immobilien Hessen wird die Sanierung etwa drei Jahre dauern und in drei Bauabschnitten erfolgen. »In dieser Zeit kann die Gemeinde den Kirchenraum weiter nutzen«, sagen Inka Klee und Karl-Heinz Waschkowitz, Projektleiter beim Landesbetrieb Bau- und Immobilie Hessen (LBIH). Zuerst würden die Chöre, anschließend das Langhaus gereinigt und nach historischem Befund neu gefasst. Vor Gerüststellung würden die wertvolle Ausstattung der Kirche sowie die mittelalterlichen Glasfenster geschützt und für die Dauer der Arbeiten klimatisch überwacht. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Beate Hofmann, sieht der Sanierung erwartungsvoll entgegen: »Ich freue mich, dass die Elisabethkirche nun nach langer Vorbereitung saniert werden kann und bin sehr neugierig auf das ›ursprüngliche‹ Erscheinungsbild dieser Kirche, die für unsere Landeskirche eine so herausgehobene Bedeutung hat.«

Land trägt die Hauptkosten

Pfarrer Ralf Hartmann leitet den Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden in Marburg, dem das Land Hessen die Kirche im Jahr 1969 übereignet hat. »Dankbar und mit großem Respekt warten wir auf den Beginn der Sanierung. Allein aus kirchlichen Mitteln könnten wir diese Aufgabe nicht bewältigen. Unser Dank gilt dem Land Hessen für die Finanzierungszusage.« Zu der Frage, weshalb das Land Hessen in die Planung der Sanierung eingebunden ist und auch die Kosten trägt, äußert sich Dr. Georg Manten vom Hessischen Kultusministerium: »Die Elisabethkirche ist eine von zwei Kirchen, zu deren baulichen Unterhaltung das Land Hessen nach dem evangelischen Staatskirchenvertrag weiterhin verpflichtet ist, obwohl sie nicht im Eigentum des Landes steht. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass es sich um ein Baudenkmal allerhöchsten Ranges handelt.«



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