15. September 2021, 21:12 Uhr

Einnahmen durch Negativzinsen

15. September 2021, 21:12 Uhr
Anlegen bringt keine , sondern kostet Zinsen. FOTO: DPA

Wiesbaden - Negativzinsen haben die Finanzwelt auf den Kopf gestellt. Sparerinnen und Sparer mussten in den vergangenen Wochen die Erfahrung machen, dass sie für ihr angelegtes Geld keine Zinsen mehr erhalten, sondern im Gegenteil drauflegen. Das Land Hessen hat mit dem Thema schon seit Jahren zu tun. Bevor kleine Sparerinnen und Sparer betroffen waren, mussten institutionelle Anlegerinnen und Anleger bereits Zinsen bezahlen. Die Bilanz aus diesen Geschäften sieht für Hessen gut aus. Denn das Bundesland legt zwar Geld an, nimmt aber in viel größerem Ausmaß Kredite auf. Dadurch streicht Hessen schon seit Jahren Gewinne durch Negativzinsen ein.

Das hat der hessische Finanzstaatssekretär Martin Worms (parteilos) jetzt aufgeschlüsselt. Nach Auskunft des Staatssekretärs musste das Land in der Zeit von 2016 bis 2020 insgesamt sechs Millionen Euro an Negativzinsen berappen. Im gleichen Zeitraum kassierte es aber gut 39 Millionen Euro an Negativzinsen von Instituten, bei denen Hessen Kredite aufgenommen hatte. Reingewinn: Über 33 Millionen Euro. Dabei fiel 2020 aus dem Rahmen. Während in den Vorjahren teilweise Überschüsse von mehr als zehn Millionen Euro durch Negativzinsen erzielt wurden, gab es im ersten Corona-Jahr Verluste. Zusätzlichen Einnahmen von gut drei Millionen Euro standen für 2020 Ausgaben von 4,7 Millionen Euro gegenüber.

Grund dafür war nach den Worten von Staatssekretär Worms eine neue »strategische Ausrichtung« in der Pandemie-Zeit. Mitte März 2020 entschied sich das Land demnach, höhere liquide Mittel bereitzuhalten, um für unvorhersehbare Krisen gerüstet zu sein und »notwendige Ausgaben jederzeit leisten« zu können. Für diese rasch verfügbaren Mittel habe man »in Kauf genommen, dass für die Geldanlage negative Zinsen zu zahlen sind«, schreibt Worms. Damit solle Schluss sein, wenn »angesichts einer günstigen epidemiologischen Entwicklung für eine solche Liquiditätsvorsorge kein Bedürfnis mehr« bestehe. Ob das 2022 möglich sei, lasse sich noch nicht sagen. Für 2021 ist jedenfalls noch mit einem Minusgeschäft zu rechnen. Die Regierung geht davon aus, dass Hessen 2021 zwischen 4,5 und fünf Millionen Euro an Negativzinsen aufwenden muss, etwa so viel wie 2020. Unklar ist, wie stark die Negativzinsen sich auf öffentliche Einrichtungen und Unternehmen auswirken. Seit 2014, als die ersten Banken Negativzinsen weitergaben, muss sich die Politik damit beschäftigen. Seit 2014 verzichtet das Land auf den Abschluss von sogenannten Derivat-Geschäften - außer auf solche, die so konstruiert sind, dass mit ihrer Hilfe Negativzinsen vermieden werden. Pitt von Bebenburg

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