12. Januar 2021, 20:51 Uhr

Ein Zustand übler Verschmutzung

12. Januar 2021, 20:51 Uhr
Zu viel Müll: Getränkedosen, Coffee-to-go-Becher, Plastikflaschen, Fast-Food-Verpackungsmüll und Prospekte fallen aus einem überquellenden Abfalleimer auf den Fußweg an der Ludwig-Erhard-Anlage. FOTO: OESER

- Kennen Sie »Plogging«, »Gum Wall« oder »PooPick«: So heißen drei von vielen Ideen, mit denen der Magistrat der »Vermüllung« in Frankfurt beikommen will. Auf Verlangen der Stadtverordneten hat die Stadtregierung einen Sachstandsbericht vorgelegt. Darin spielt Corona erwartungsgemäß eine große Rolle, denn besonders im Sommer letzten Jahres zog es die Menschen ins Freie, um einander zu treffen - und um Abfall zu hinterlassen.

»Dadurch ist insbesondere an Wochenend- und Feiertagen an vielen beliebten Aufenthaltsorten im Stadtgebiet eine desolate Verschmutzungssituation entstanden«, heißt es amtssprachlich im Bericht. »Dieser Entwicklung wurde durch gezielte Sonderreinigungen, -projekte und -aktionen begegnet.«

Wohnzimmer der Stadt vermüllt

Die Zeiten ändern sich, die Menschen offenbar nicht. »Müll ist eines der zentralen Probleme, mit denen wir umgehen müssen«, sagte Claudia Gabriel, die Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, schon bei ihrem Amtsantritt vor sechseinhalb Jahren. Seither gab es Appelle, Kampagnen - alles ohne den durchschlagenden Erfolg. 2016 machten Stabsstelle und Grünflächenamt die Probe aufs Exempel, stellten am Mainufer Schilder auf ein Testgelände: Es sei genug mit der Schweinerei - und die Leute warfen ihren Müll direkt daneben.

Dabei seien das Mainufer und die Parks, eigentlich die ganze Stadt doch quasi das Wohnzimmer der Frankfurter, darauf weisen alle immer wieder hin, ob Umwelt- oder Ordnungsdezernat, Ämter oder die Sauberkeitsbotschafterinnen und -botschafter, die draußen unterwegs sind.

400 Tonnen für den Opernplatz

Bereits seit dem vorletzten Jahr kümmert sich zusätzliches Personal - elf Personen - im Zuge der Sauberkeitskampagne »cleanffm« um Gebiete, in denen besonders viel Müll anfällt: Hauptwache, Zeil, Konstablerwache, Allerheiligen- und Bahnhofsviertel, Alt-Sachsenhausen, Höchster Altstadt. Außerdem gibt es Sondereinsätze gegen wilde Müllablagerungen und seit Corona regelmäßigen Austausch zwischen Ämtern, Stabsstelle und den Müllentsorgern FES und FFR. Zu den aufsehenerregenden Müllmomenten zählte jener Abend im Juli 2020 am Opernplatz, als die Stadt 400 Mülltonnen herankarrte - was nicht überall auf Beifall stieß. »Guerillaaktion« nennt es der Magistrat, konzipiert für »Feierhotspots«, zu denen er auch den Friedberger Platz und den Matthias-Beltz-Platz zählt. »Wildpinklern« begegnete man mit mobilen Toiletten dort und am Luisenplatz.

Zu den modernen Ideen: »Gum Walls« (deutsch: Gummiwände) sollen davon abhalten, Kaugummis auf den Boden zu spucken, was immensen Reinigungsaufwand erfordert. Der Kippensauger »Citybee« (Stadtbiene) saugt Kleinzeug auf. »PooPick«-Spender halten gratis plastikfreie Behältnisse zum Aufsammeln von Hundekot bereit. Da kann man den englischen Namen halbwegs verstehen, denn »KotGreif«-Spender würde nicht besonders fein klingen. Aber was ist gegen Gummiwand und Stadtbiene einzuwenden?

7500 Mülleimer in der Stadt

Bei den Pfandringen an Müllbehältern (für Pfandflaschen) und beim Mainbecher, dem ebenfalls auf Pfandbasis konzipierten Gefäß für Getränke unterwegs, hat sich gleich die deutsche Bezeichnung durchgesetzt. Und was ist »Plogging«? Eine schwedisch-englische Kombination aus plocka (schwedisch für aufheben) und Jogging - eine saubere Trendsportart also, international.

7500 Mülleimer stehen laut Magistrat inzwischen in der Stadt, viele mit Fakten rund um das Thema Sauberkeit bedruckt. Die »cleanffm«-Kampagne habe 42 Unterstützer, vom Grandhotel bis zum Radiosender, 13 Projektpartner, darunter die Eintracht und den Palmengarten, und 14 Frankfurter Promi-Paten.

Die Aktionen sollen auf jeden Fall weitergehen, immer mit dem Ziel, am wichtigsten Ort Überzeugungsarbeit zu leisten: In den Köpfen der Leute.

Thomas Stillbauer

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