25. März 2021, 20:28 Uhr

»Drastisch hohe Leerstände«

25. März 2021, 20:28 Uhr
Die Frankfurter Innenstadt ist wie leer gefegt. Viele Einzelhändler dort haben inzwischen aufgegeben. FOTO: DPA

- Ödnis in der Innenstadt: Schon mehr als 100 Läden stehen leer. »Es sind 107«, sagt Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Frankfurt. Und das nur in der Innenstadt, also innerhalb des Anlagenringes. Die Situation ist dramatisch: »Es werden fast täglich mehr Leerstände«, so Schwebel. Die Situation habe sich gedreht: War es vor Corona ein Mangel an Ladenflächen, ist es heute ein Mangel an Mietern, ein Überangebot an Fläche. »In der Großen Eschenheimer sieht man es deutlich. Da gibt es viele leere Läden. Im ehemaligen ›Rundschau‹-Gebäude gibt es Flächen, die erst gar nicht vermietet werden konnten«, so Schwebel. Weil Existenzgründer momentan mal abwarten, bis das mit Corona vorbei ist. Niemand mietet, um dann nicht öffnen zu können.

Vorzeitig in Rente

Wie viele der Geschäfte insolvent sind, kann Schwebel nicht sagen: »Jeder der Inhaber ist ein Einzelfall. Wir sprechen mit allen - den Mietern, den Vermietern - und bieten Hilfe an.« Mehr als 1000 Gespräche haben Schwebels Mitarbeiter schon geführt, im Schnitt 30 Minuten lang. »Manchmal können wir helfen.«

Joachim Stoll, Sprecher der Frankfurter Einzelhändler und Vertreter der Stadt im Einzelhandelsverband, sieht die Schuld bei der Politik. Seiner Beobachtung nach warten nicht alle Einzelhändler so lange, bis die Bank den Geldhahn abdreht: »Viele gehen mit 62 in Rente statt mit 65. Das ist auch vernünftig«, so Stoll. Viele Einzelhändler hätten inzwischen eine Liquiditätslücke: »Sie haben kein Geld mehr, neue Ware einzukaufen. Und die Lager sind noch voll mit den Wintersachen«, erläutert Stoll. »Das kann noch dramatisch werden.« Denn wer kauft jetzt, im März, noch Wintersachen?

Anders als Textilläden, profitieren auch manche Einzelhändler in der Innenstadt. Insgesamt hat der Einzelhandel sogar ein Umsatzplus erzielt - vor allem im Lebensmittelhandel. Denn Supermärkte und Discounter mussten nie in den Lockdown - und machten ein besseres Geschäft als je zuvor. Umso drastischer sind die Rückgänge in den kleinen Fachgeschäften.

Ein Problem sind auch die hohen Mieten - aber nicht nur. »In den Stadtteilen«, versichert Ernst Schwarz, Vorsitzender der Frankfurter Gewerbevereine, »kann man oft noch mit dem Vermieter sprechen. Enttäuschend finde ich, dass gerade die Stadt am wenigsten mit der Miete heruntergeht. Viele Gastronomen sind ja überhaupt erst dort hingekommen, weil der Einzelhandel aufgegeben hat«, so Schwarz. »Jetzt mit Corona spitzt sich die Lage zu, die Probleme jedoch gab es schon vorher.«

Alles hänge mit allem zusammen. So kauft mancher eine neue Krawatte, weil er abends in die Oper will, oder weil das Paar festlich ausgehen wird. Es braucht also eine offene Gastronomie, offene Theater, damit der Umsatz im Einzelhandel läuft.

Pleitewelle kommt erst noch

Madjid Djamegari vom Gibson Club kennt noch keine Geschäftsaufgaben bei Gastronomen. »Viele können sich über Wasser halten mit Takeaway-Speisen«, sagt er. »Ich glaube, die Pleitewelle wird kommen, wenn das Geschäft wieder anläuft und die Schulden zurückgezahlt werden müssen.« Aber sie werde kommen, da ist Djamegari sicher.

Oliver Schwebel von der Wirtschaftsförderung sagt: »Wir haben drastisch hohe Leerstände in Frankfurt und eine hohe Unsicherheit. Und es wird nicht alles vorbei sein, wenn die Geschäfte öffnen können.« Denn solange der Messebetrieb nicht wieder losgehe, der Flughafen nicht wieder die Passagierzahl von vor Corona erreiche, das Homeoffice nicht ende, so lange fehlen in der City schlicht die Kunden. Thomas J. Schmidt

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