28. März 2021, 17:13 Uhr

Die Stadt und ihr Grün

Der Spaziergang in einem der vielen Frankfurter Parks gehört in der Corona-Pandemie zu den kleinen Fluchten des Alltags. Er ist keine Selbstverständlichkeit. Öffentliche Grünflächen gibt es in der Stadt erst so richtig seit Beginn des 19. Jahrhunderts.
28. März 2021, 17:13 Uhr
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Aus der Redaktion
Früher blieben die Frankfurter Parks den Reichen vorbehalten. Wie sich die Grünanlagen im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben, zeigt eine neue Ausstellung im Historischen Museum. FOTO: HISTORISCHES MUSEUM FRANKFURT/UWE DETTMAR

Welche Bedeutung das Grün in der Stadt damals hatte und heute hat, das beleuchtet die Ausstellung »Frankfurter Gartenlust«, die jetzt im Historischen Museum Frankfurt zu sehen ist. »Unser Museum ist bis Sonntag geöffnet«, sagte Museumsdirektor Jan Gerchow bei der offiziellen Eröffnung.

Die Schau erkundet die Entwicklung der städtischen Parkanlagen seit dem 18. Jahrhundert aus unterschiedlichen Perspektiven und erörtert die Bedeutung des städtischen Grüns für die Lebensqualität der Bürger dieser Stadt. Ein Doppeljubiläum ist der Grund, warum das Historische Museum das Grün in der Stadt gleich in drei aufeinander bezogenen Ausstellungen zum Thema macht, wie Gerchow erläuterte. Der Palmengarten feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen, und der Frankfurter Grüngürtel wurde vor 30 Jahren als einer der ersten städtischen Grüngürtel der Welt mit einer Verfassung begründet.

Die »Frankfurter Gartenlust«, die jetzt eröffnet wurde, ist mit rund 300 Exponaten die größte der drei Ausstellungen. Daneben wird bis 24. Oktober im Jungen Museum des Historischen Museums die Ausstellung »Umwelt, Klima & Du« zu sehen sein, die Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 15 Jahren dazu einlädt, Themen wie Klima und Biodiversität zu erforschen. Am 28. April öffnet im Stadtlabor die Ausstellung »Gärtnern Jetzt!«. Sie entstand in Zusammenarbeit mit mehr als 50 Gärtnern.

Mit der Ausstellungs-Triade will das Historische Museum ein breites Publikum für ein Thema begeistern, das gerade jetzt in der Pandemie, in der die Menschen die meiste Zeit des Tages in Räumen eingesperrt sind, an Wertschätzung gewinnt: die Möglichkeit, Parks als Sportanlagen und soziale Treffpunkte nutzen zu können. Wobei die Nutzung des städtischen Grüns sich über die Jahrhunderte änderte, wie die »Frankfurter Gartenlust« zeigt. Die kulturgeschichtliche Schau ist in sieben Abschnitte gegliedert. Sie beginnt im 18. Jahrhundert als das aufkommende Bürgertum die Lust an erlesener Gartenkunst entdeckte. Sie blieb den Reicheren vorbehalten, Ärmere mussten schon vor die Tore der Stadt wandern, wenn sie der Enge ihrer Quartiere entfliehen wollten. Als die Wallanlagen 1812 angelegt waren, nutzten die Frankfurter sie zum Lustwandeln. »Spazieren gehen mussten sie erst lernen«, erzählt Kuratorin Nina Gorgus, die die Idee zu dieser Ausstellung hatte. Vor dem Flanieren galt es grundsätzliche Dinge abzuklären. Darf ein unverheirateter Mann mit einer ledigen Frau flanieren. Wer grüßt wen?

Erstmals die Wiesen betreten

Ende des 19. Jahrhunderts flanierten die Menschen nicht mehr um kunstvoll angelegte Blumenbeete. In neuen Anlagen wie dem Lohrberg oder dem Huthpark durften sie erstmals die Wiesen betreten und dort Picknicks machen, in Licht- und Luftbädern konnten sie Sonne tanken. Wenn auch die Nutzung sich änderte, so gibt es Konstanten in der Geschichte des städtischen Grüns. Beispielsweise die Konflikte mit Kleingärtnern, die ihre Gärten nicht für den Bau von Häusern oder Straßen hergeben wollen.



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