15. August 2021, 17:21 Uhr

Der Wald in Hessen leidet

Hitze, Trockenheit, Stürme und der Borkenkäfer setzten den Wäldern zu und sorgen für große Schäden. HessenForst und Waldbesitzerverband warnen vor den Folgen des Klimawandels.
15. August 2021, 17:21 Uhr
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Winziges Bohrloch eines Borkenkäfers: Ein Weibchen kann bis zu 100 000 Nachkommen im Jahr erzeugen. Ab 200 Käfern pro Baum stirbt die Fichte. FOTO: EIFERT/HESSENFORST/DPA

Die Situation hat sich weiter verschlechtert«, sagt Michael Gerst, Leiter von HessenForst in Kassel. Rund ein Drittel der Bäume im hessischen Staatswald habe gelichtete Kronen. Sie haben Nadeln oder Blätter verloren und sind ein nach außen sichtbares Zeichen für Waldschäden. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen 1984. »Wir sehen landauf, landab große Schäden«, sagt auch Matthias Becker von Hessischen Waldbesitzerverband.

Ganze Waldflächen sterben ab. »Im Juli hatten wir eine Schadfläche von 30 000 Hektar«, erläutert Gerst, dessen Landesbetrieb die staatlichen Flächen pflegt. Das entspricht 42 000 Fußballfeldern und einem Anteil von fast zehn Prozent an Hessens Staatswald. Besonders betroffen seien die Buchen- und Fichtenbestände, die mit einem Anteil von 35 und 20 Prozent die Hauptbaumarten in den heimischen Wäldern ausmachten. Der Norden Hessens sei deutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen als der südliche Teil des Bundeslandes.

Für den nicht-staatlichen Wald mit einer Größe von rund 543 000 Hektar schätzt Becker den Anteil der Schadfläche mit sieben bis neun Prozent in etwa ebenso hoch ein.

Wasssermangel wirkt sich aus

Hauptproblem ist den Angaben nach die Wasserversorgung. Aufgrund des Wassermangels der vergangenen Jahre haben die Bäume kaum Abwehrkräfte gegen Schädlinge wie den Borkenkäfer. »Zwar haben die aktuellen Niederschläge ein bisschen Entlastung gebracht, aber die Nachwirkungen der Dürrejahre 2018 bis 2020 können sie nicht kompensieren. Das reicht nicht aus, um den Wasserspeicher zu füllen«, erläuterte Gerst.

Und die Lage dürfte sich weiter verschärfen: Wissenschaftler gehen laut Gerst aktuell von mindestens 100 Liter weniger Niederschlag pro Quadratmeter aus. Für 2040 bis 2070 erwarteten sie sogar bis zu 350 Liter pro Quadratmeter weniger. »Das ist eine gravierende Entwicklung«, warnte der Leiter des Landesbetriebs und betonte die ökologische und wirtschaftliche Bedeutung des Waldes: »Er ist CO2-Speicher und Rückzugsraum für seltene Tiere und Pflanzen sowie ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Er dient außerdem dem Wasserrückhalt und durchlüftet die Städte. Und die Trinkwasserqualität hängt erheblich von ihm ab«.

»Der Wald ist unersetzbar und muss erhalten werden«, betonte Gerst. Dazu brauche es eine klimaangepasste Baumartenwahl. »Wir müssen waldbaulich umdenken.« HessenForst setze auf Mischbestände, da sie stabiler und resilienter beim Ausgleich von Störungen seien. Lerchen, Roteichen und Kiefern sind dabei nur einige Beispiele, die Gerst nannte. Und Douglasien, die einerseits als Alternative im Klimawandel gelten, andererseits aber als sogenannte invasive Art, die von außen eingeführt wurde, im Fokus stehen.

Ein Patentrezept gibt es nicht

»Wir brauchen eine gesunde Mischung, auch um den Bedarf an Holz zu decken«, sagte auch Becker. Für ihn ist die Douglasie ebenfalls ein Mittel der Wahl. Ein Patentrezept aber gebe es nicht. »Wir werden auch Fehler machen. Aber wir werden versuchen, so wenige Fehler wie möglich zu machen«, sagte das Präsidiumsmitglied des Hessischen Waldbesitzerverbands.

Man habe nun die Chance, einen klimaresistenten Wald aufzubauen, sagte Gerst. »Wenn es gut geht, werden sich in 20 Jahren die Wunden geschlossen haben. Dazu muss jetzt gehandelt werden.« dpa



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