04. Juli 2021, 18:49 Uhr

Darmstadt hofft auf Welterbetitel

04. Juli 2021, 18:49 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA
Am 16. Juli berät das Welterbe-Komitee über den Antrag der Künstlerkolonie Mathildenhöhe. FOTO: DPA

Darmstadt - Seit zehn Jahren arbeitet Darmstadt am Traum vom Unesco-Welterbetitel. Bald schlägt die Stunde der Entscheidung. Gibt das Welterbekomitee mit Sitz in Paris grünes Licht, dann kann sich die Mathildenhöhe in der südhessischen Stadt künftig in einem Atemzug mit den Pyramiden von Giseh in Ägypten und der Inka-Stadt Machu Picchu in Peru nennen.

Am 16. Juli beginnt die Tagung des Komitees - pandemiebedingt online. Fünf Anträge mit deutscher Beteiligung stehen auf der Tagesordnung: Neben der Mathildenhöhe sind dies Orte des jüdischen Mittelalters, bedeutende europäische Bäder des 19. Jahrhunderts, der römische Grenzwall Donaulimes und der Niedergermanische Limes.

Das Ensemble der Künstlerkolonie Mathildenhöhe stand eigentlich schon vor einem Jahr zur Entscheidung an, die Sitzung im chinesischen Fuzhou wurde wegen der Corona-Pandemie aber abgesagt. »Nachdem die Stadt jüngst auf die letzten Fragen aus Paris nochmals umfänglich geantwortet und auf Bitte der Unesco bereits ein Videoporträt der Mathildenhöhe eingereicht hat, was als positives Signal gedeutet wird, gibt es allen Grund, weiterhin optimistisch zu sein«, sagt ein Sprecher der Stadt.

Die Unesco gibt mit ihrer Welterbekonvention von 1972 zehn Kriterien vor, von denen mindestens eines erfüllt werden muss. »Maßgebend ist der außergewöhnliche universelle Wert einer Kultur- oder Naturstätte«, heißt es auf der Homepage der Deutschen Unesco-Kommission. Die Macher in Darmstadt sehen gleich mehrere Kriterien für das vom Jugendstil geprägte Ensemble erfüllt. Unter anderem sei das Areal mit 15 Gebäuden wie dem Hochzeitsturm, einer russischen Kapelle, einem großen Ausstellungshaus, Parkanlage und Skulpturen ein entscheidender Schnittpunkt hin zur Moderne der Architektur.

Als weiteres Kriterium sehen die Macher ein Ensemble von universeller Bedeutung. Die Mathildenhöhe repräsentiere die künstlerische und kulturelle Entwicklung um 1900 und ihre Wirkung auf die Moderne.

Dabei war die Intention im ausgehenden 19. Jahrhundert keineswegs nur feingeistiger, sondern handfester ökonomischer Natur. Der hessische Großherzog Ernst Ludwig sah mangels Bodenschätzen einen wirtschaftlichen Aufschwung nur durch mehr Qualität in den Manufakturen gewährleistet und holte Künstler aller Couleur nach Darmstadt. Als diese ersten 1899 in die Stadt kamen, befanden sich auf der Mathildenhöhe nur ein Wasserreservoir und eine vom russischen Zaren Nikolaus II. - dem Schwager des Großherzogs - errichtete Kapelle. dpa



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos