05. Mai 2021, 22:19 Uhr

Brauns Dissertation wird überprüft

Es gibt Zweifel an der Doktorarbeit von Kanzleramtsminister Helge Braun. Die Gießener Justus-Liebig-Universität überprüft deshalb derzeit die Promotionsschrift des Mediziners. Braun selbst hat auch um diese Überprüfung gebeten und am Mittwoch den Weg an die Öffentlichkeit gesucht.
05. Mai 2021, 22:19 Uhr
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Von Rüdiger Soßdorf
Kanzleramtsminister Helge Braun sieht sich mit Fragen zu seiner Dissertation konfrontiert. FOTO: DPA

Acht Jahre nach der Dissertation des heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier muss die Gießener Justus-Liebig-Universität (JLU) erneut eine Doktorarbeit eines prominenten Politikers untersuchen. Diesmal steht die Veröffentlichung von Kanzleramtschef Helge Braun aus dem Jahr 2007 auf dem Prüfstand. Laut Universität sind Ende Januar Vorwürfe einer Einzelperson an die JLU herangetragen worden, die »sich auf das Verhältnis der vorgelegten Dissertation »Einfluss intraoperativer Tachykardien auf die postoperative Prognose« zu einer zuvor erschienenen Publikation mit Braun als Co-Autor sowie auf mögliche Überschneidungen mit anderen Schriften beziehen.

Braun selbst ging am Mittwochnachmittag mit einer Erklärung zu den Vorwürfen in die Offensive. »Ich bin vom wissenschaftlichen Wert meiner Arbeit und von dem dadurch erzielten medizinischen Erkenntnisgewinn überzeugt«, erklärte der Christdemokrat - Chef des Bundeskanzleramts und Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Gießen. Er selbst hat um die Überprüfung der Vorwürfe durch die JLU gebeten, bestätigte auch Uni-Sprecherin Lisa Dittrich.

Braun wurde 2007 im Alter von 35 Jahren an der JLU zum Doktor der Medizin promoviert. Von 1994 bis 2001 hatte er das Studium absolviert und danach bis 2009 in der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum in Gießen gearbeitet. Noch heute ist Braun offiziell als Anästhesist am UKGM beschäftigt, aufgrund seiner politischen Tätigkeit ist er derzeit aber beurlaubt.

Der 48-jährige heimische Bundestagsabgeordnete aus Gießen war kürzlich von der JLU informiert worden, dass seine Doktorarbeit nach den Vorwürfen von der dortigen für solche Verfahren zuständigen Kommission in einem standardisierten mehrstufigen Verfahren überprüft wird. Mit Blick auf diese Überprüfung spricht Braun von einer »wichtigen Arbeit zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis.« Seine Stellungnahme liegt der Universität bereits vor.

Besonders gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern in seinem Wahlkreis Gießen/Vogelsberg, in dem er bei der Bundestagswahl im September wieder antreten wird, sei ihm die Transparenz in dieser Angelegenheit wichtig, erklärte Braun seinen Gang an die Öffentlichkeit.

Laut Uni-Sprecherin Dittrich hat die Ombudsperson der Universität den Sachverhalt bereits einer ersten Prüfung unterzogen und das Vorermittlungsverfahren nach Abschluss seiner Prüfung im Februar den Vorsitzenden der »Kommission zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis« übergeben. Der Vorsitzende habe in Folge ein Vorprüfungsverfahren durchgeführt. In diesem Rahmen sei Braun Gelegenheit gegeben worden, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Nach Abschluss der Vorprüfung im April sei jetzt die »Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis« mit der Weiterführung des Verfahrens betraut. Zwischenergebnisse der Überprüfung werde die Hochschule nicht kommunizieren, teilte Dittrich mit. Die JLU sei aber grundsätzlich bestrebt, solche Verfahren zügig durchzuführen.

Frank-Walter Steinmeier konnte 2013 nach akribischer Überprüfung »weder Täuschungsabsicht noch wissenschaftliches Fehlverhalten« nachgewiesen werden, wie JLU-Präsident Joybrato Mukherjee damals in einer eigens einberufenen Pressekonferenz erklärt hatte.



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