10. Juni 2021, 21:13 Uhr

Benachteiligte in Wohnungsnot

10. Juni 2021, 21:13 Uhr
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Aus der Redaktion

Wiesbaden - Die hessischen Wohlfahrtsverbände appellieren dringend an die Landesregierung, mehr sozial geförderten Wohnraum zu schaffen. »Wohnen ist ein Menschenrecht«, betont die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in einem Positionspapier, das sie in dieser Woche in einer Online-Pressekonferenz vorstellte. Hintergrund ihrer Forderungen ist die Situation von benachteiligten Bevölkerungsgruppen, die sich zu einem erheblichen Teil keine Wohnungen leisten könnten. Gemeint sind damit Menschen mit Beeinträchtigungen oder psychischen Erkrankungen, Suchtkranke, Haftentlassene, Schutz suchende Frauen oder geflüchtete Menschen.

Die Wohlfahrtsverbände beschreiben einen Dominoeffekt: Weil Menschen aus diesen Gruppen oft keine bezahlbare Wohnung fänden, blieben sie in stationären Einrichtungen, Notunterkünften oder Frauenhäusern. Dort würden aber dringend freie Plätze für neue Klienten benötigt. Das stelle die sozialen Einrichtungen »vor große Probleme, um vor allem in Notfällen auch unbürokratisch helfen zu können«, sagte Stefan Baudach von der Caritas. Wie dramatisch sich das Defizit auswirkt, schilderte Andrea Schilling vom Frauenhaus Bergstraße. »Wir müssen vielen Frauen absagen«, bedauerte sie. Das könne zur Folge haben, dass Frauen erneut der Gewalt ausgeliefert seien und im schlimmsten Fall umgebracht würden.

Vorurteile und Geldmangel

Um die Situation der betroffenen Gruppen zu erforschen, hatten die Verbände eine Studie beim Institut Regiokontext in Auftrag gegeben. Daran beteiligten sich nach dessen Angaben 360 soziale Einrichtungen in Hessen, die fast 20 000 Klienten unterstützen. Diese Menschen benötigten oft länger als ein Jahr, um eine Wohnung zu finden - so berichteten es 41 Prozent der Einrichtungen. Der wichtigste Grund: Ihr Einkommen ist mit weniger als 1000 Euro im Monat zu gering. Auch Vorurteile spielten eine Rolle. P. v. Bebenburg



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