01. November 2021, 21:02 Uhr

Beim Dinner auf dem Tisch tanzen

DJ Julian Smith schafft unweit der Alten Oper einen Ort für Disko, Essen und Veranstaltungen. Schon jetzt habe er viel positives Feedback bekommen, sagt Smith.
01. November 2021, 21:02 Uhr
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Aus der Redaktion
Für Mick Jagger hat DJ Julian Smith schon mal eine Nacht lang aufgelegt. Jetzt freut sich der Frankfurter Gastronom auf sein neues »Dance & Dine«-Konzept. Los geht es am 3. November mit einer After-Work-Party. FOTOS: MICHAEL SCHICK

Aufgeregt und voller Freude schneidet Julian Smith unweit der sich drehenden Diskokugel die Verpackungen von den Bildern, die gerade angekommen sind, mit einem großen Küchenmesser auf. Auf einem steht »The Dancefloor loves spaghetti« (»Die Tanzfläche liebt Spaghetti«), auf einem anderen liest man »Disko-Mieze«. Am liebsten würde der 46-Jährige die knallbunten Bilder direkt an den lila gestrichenen Wänden aufhängen. »Corona war so grau. Wir brauchen bunt. Außerdem möchte ich hier auch eine Wohnzimmeratmosphäre haben«, sagt der Frankfurter DJ, der schon weltweit und für Weltstars wie Mick Jagger aufgelegt hat.

Der 1,95 Meter große Smith trägt eine coole Strickjacke, weiße Sneakers (Größe 49) und rosa Wollmütze. Er steht im fast fertigen »Room 4«, ein Raum für Disko, Dinner und Events. Der »Room 4« ist fünf Laufminuten von der Alten Oper entfernt an der Welle. Auf den 230 Quadratmetern gibt es eine Tanzfläche, gemütliche Sofaecken und Tische, an denen man bald essen kann.

Am 5. November geht es los mit der Reihe »Club Culinar«: Ein Dance & Dine-Konzept, wie Smith es nennt. »Es gibt hier Essen und Tanzen, ohne dass man die Location erst wechseln muss. Ich habe bereits jetzt viel positives Feedback bekommen. Denn es trifft genau das Bedürfnis von Menschen über 30, die gerne gut essen gehen, aber dann keine Lust mehr haben, noch weiter in einen Club zu ziehen, wo es erst weit nach Mitternacht losgeht und meist nur sehr junge Leute sind«, sagt Smith.

Der Club Culinar ist immer freitags. Vorab buchen die Gäste Tisch und Menü. Smith sorgt schon während der Speisen für ein »beschwingtes Essen«. 100 Menschen hätten Platz. Das Menü soll zwischen 39 und 49 Euro kosten - mit vorwiegend vegetarischen Speisen. Der erste Abend sei sogar rein vegetarisch. Auf der Karte steht: Getrüffelter Dumpling mit Belugalinsensalat, geschmorte Beten und Kartoffelschaum, gegrillter Brokkoli und Spinat-Tempura mit grünem Duftreis, Mangosalat und zum Nachtisch dann Hokkaido-Törtchen mit schwarzem Sesam.

Küchenchef ist Christian Heinenbruch. »Er hat in der Villa Merton seine Ausbildung absolviert«, sagt Smith, dessen Eltern in seiner Kindheit in Groß-Krotzenburg die gutbürgerliche Kneipe »Zum Schwarzen Willie« betrieben. Seit zwei Jahren lebt Smith vegetarisch, »weil alles andere sich nicht mehr richtig anfühlt«. Das Konzept Tanz und Dinner sei nicht neu - und in Metropolen wie London und New York schon lange sehr beliebt. »Die Leute können gerne beim Essen ihre Servietten schwenken oder auf dem Tisch tanzen.« Smith lacht. Ab 22 Uhr soll die Musik dann lauter werden und das Tanzen im Vordergrund stehen. Die weißen Hunde-Statuen links und rechts vom DJ-Pult sollen ihn vor schlechten Musikwünschen beschützen. Denn es gibt hier keinen Raum für Ballermann-Hits oder Deutsch-Rap. »Ich spiele mehr feminine Musik: Soul, Disko, coole 80er-Songs, und hintenraus auch mal elektronische Musik.« Zum Dinner könnte Smith sich auch vorstellen, dass zukünftig ein Musik-Quartett spielt oder Opernsänger auftreten. »Da bin ich offen.« Und was gibt es sonst im »Room 4«? Also »dem Raum für…«: Immer mittwochs gibt es »Afterwork«, also Party, ohne Essen, dafür mit Livemusik der Kingka Band. Ansonsten könnten Leute den Raum nicht nur für beispielsweise ihre Geburtstagsfeier mieten: »Von geilen Vorträgen zu beispielsweise Nachhaltigkeit bis hin zum Poetry Slam kann ich mir alles vorstellen.«

Smith, der weiter als DJ in ganz Europa auftreten will und vor Kurzem ein deutschsprachiges Album rausgebracht hat, zieht das »Room 4« zusammen mit Geschäftspartnern auf, die ihm alle kreativen Freiheiten ließen, wie er lachend sagt: »Meine Partner haben dem Paradiesvogel Julian einen neuen Käfig gegeben, wo er sich ausleben kann.«



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