14. Juni 2021, 20:30 Uhr

Autonom auf öffentlicher Straße

Ein kleines, weißes Shuttle ohne Lenkrad und regulären Fahrer kreuzt derzeit durch Bad Soden-Salmünster. Der Testbetrieb soll zeigen, ob das Angebot auch dauerhaft den Nahverkehr ergänzen kann.
14. Juni 2021, 20:30 Uhr
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Von DPA
Alles »Easy«: Der autonom fahrende gleichnamige Minibus rollt durch die Straßen von Bad Soden-Salmünster. FOTO: DPA

Der Fahrer ist nur noch zur Sicherheit dabei: Ein autonomer Minibus ist seit einigen Wochen in Bad Soden-Salmünster (Main-Kinzig-Kreis) unterwegs. Es handelt sich um ein Pilotprojekt unter anderem des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). Seinen Probebetrieb ohne Fahrgäste habe der Minibus schon bestanden, berichtete der RMV gestern. Ab dem morgigen Mittwoch sollen auch Fahrgäste in dem Shuttle mitfahren dürfen.

Die Teststrecke ist 1,3 Kilometer lang und liegt in einem Bereich, in dem es bisher keine Möglichkeit gab, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen - weil kein Angebot vorhanden war. Sie verbindet unter anderem eine Klinik, einen Parkplatz und die Spessart-Therme. Der Minibus trägt den Namen »Easy« (»Electric Autonomous Shuttle for You«) und ist mit maximal elf Kilometern pro Stunde unterwegs. Bis November läuft der Test zunächst, betankt wird das Elektrofahrzeug mit Ökostrom.

Das Shuttle hat Platz für acht Fahrgäste, die sich setzen und anschnallen müssen - denn es ist so programmiert, dass es sofort bremst, wenn es ein Hindernis wahrnimmt. Beim Probebetrieb ohne Fahrgäste habe sich gezeigt, dass falsch parkende Autos und andere Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an Verkehrsregeln wie rechts vor links hielten, zu solchen Bremsungen führen, erklärte der RMV. Der »Operator« genannte Fahrer muss dann mit einer Art Joystick um das Hindernis herum lenken, bevor die Fahrt weitergehen kann. Der RMV hatte autonome Shuttles mit Operator testweise auch schon andernorts im Einsatz, allerdings nicht im öffentlichen Straßenverkehr. Damit soll deren mögliche Verwendung im öffentlichen Nahverkehr getestet werden.

So etwa am zwischenzeitlich für den Autoverkehr gesperrten Mainufer in Frankfurt und auf dem Gelände der Wiesbadener Helios-Kliniken sowie aktuell am Kloster Eberbach im Rheingau. Insgesamt verfügt der Verkehrsverbund über vier autonome Minibusse. Fahrten ohne Operator sollen demnächst zunächst ohne Fahrgäste auf einer Teststrecke auf einem Betriebsgelände in Frankfurt ausprobiert werden. Bisher habe es keine Probleme oder Auffälligkeiten gegeben, sagte RMV-Geschäftsführer André Kavai. Denkbar sei der Einsatz autonomer Fahrzeuge langfristig in den Randzeiten am Morgen oder Abend sowie in ländlichen Gebieten, wo sie auf Verlangen (on demand) gebucht werden könnten.

Level vier ohne Fahrerüberwachung

Auch in anderen Bundesländern laufen Tests. Unter anderem befährt in der Hamburger Hafencity unter dem Projektnamen »HEAT« ein autonomes Shuttle eine Teststrecke. In einem Stadtteil von Karlsruhe kann unter dem Namen »EVA« ein solches Shuttle per App bestellt werden, um von der Haustür zur Haltestelle zu gelangen. Auch hier ist ein Sicherheitsfahrer mit an Bord. Deutschland will Vorreiter beim autonomen Fahren werden.



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