12. Oktober 2021, 20:25 Uhr

Aus dem Taunus nach Israel

Vor etwas mehr als vier Jahren flogen zwei tierische Auswanderer vom Taunus nach Israel. Mesopotamische Damhirsche aus dem Opel-Zoo sollten ein Artenschutzprojekt des Zoos in Jerusalem unterstützen. Was ist seitdem geschehen?
12. Oktober 2021, 20:25 Uhr
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Von DPA
Spannender Umzug: Vor gut vier Jahren sind die Damhirsche nach Israel gereist. Nili Avni-Magen (l.), leitende Tierärztin des Jerusalemer Zoos, öffnet mit einem Mitarbeiter die Transportboxen, mit denen die Tiere in ein Naturschutzgebiet in den Bergen um Jerusalem gebracht wurden. FOTO: JERUSALEM ZOO/DPA

Der Umzug in ein neues Gehege hatte es in sich für die beiden jungen Mesopotamischen Damhirsche, die im Frühjahr 2017 den Kronberger Opel-Zoo verließen. Denn von den grünen Hügeln des Taunus ging es in das wärmere und trockenere Klima von Jerusalem. Die beiden jungen Hirsche sollten frisches Blut bringen in ein Artenschutzprojekt des dortigen Zoos und der israelischen Naturschutzbehörde. Die bereits in der Bibel beschriebenen und in der Natur stark gefährdete Art soll wieder heimisch werden in der Region.

»Wir sind sehr froh über diese Zusammenarbeit«, betont Nili Avni-Magen, Tierärztin des Zoos in Jerusalem und dort verantwortlich für das Auswilderungsprojekt, das seit mehr als 20 Jahren existiert, aber am Anfang mit Problemen zu kämpfen hatte. Doch mittlerweile sind nicht nur mehr als 100 im Zoo gezüchtete Hirsche in den Bergen rund um Jerusalem in einem Naturschutzgebiet in die Freiheit entlassen worden, die Überlebensrate der Tiere hat sich deutlich verbessert. »Die Tiere, die jetzt freigesetzt werden, sind ein bis zwei Jahre alt - zuvor waren sie vier bis fünf Jahre alt«, erläutert Avni-Magen. »Die jüngeren Hirsche scheinen sich besser und schneller an die neuen Bedingungen anpassen zu können.« Ein großes Problem sei gewesen, dass die älteren Hirsche sich schon zu sehr an Menschen gewöhnt hatten und an die Versorgung durch sie.

Zudem sei in ein anderes Projektgebiet gewechselt worden, da eine Bahnstrecke und eine Straße im ersten Gebiet sich als Gefahr für die Tiere erwiesen hatten.

Die beiden Kronberger Hirsche bleiben allerdings zu Zuchtzwecken im Zoo in Jerusalem. »Sie sind noch jung - wir versprechen uns, dass sie uns über Jahre Nachwuchs für das Projekt bescheren«, sagt Avni-Magen über die »Mesos«, wie sie im Kronberger Zoo liebevoll bezeichnet werden.

Denn die Hirsche, für den Laien nicht unbedingt von heimischem Damwild unterscheidbar, sind eng mit der Geschichte des Opel-Zoos verbunden: Zoogründer Georg von Opel finanzierte in den 50er und 60er Jahren Expeditionen in den heutigen Iran. Dabei wurden drei Mesopotamische Damhirsche in den Opel-Zoo gebracht. Alle heute in Europa in Zoos lebenden Hirsche dieser Art stammen nach Angaben einer Sprecherin von diesen Tieren ab. Der begrenzte Genpool könne irgendwann zu Problemen führen, räumt Avni-Magen ein. Die in Israel lebenden und ausgewilderten Tiere wiesen zu 98 Prozent genetische Ähnlichkeiten auf. »Bis jetzt gibt es allerdings keine Probleme.«

Auch andere Probleme bei der Auswilderung haben Zoo-Experten und Ranger der Naturschutzbehörde in den Griff bekommen. Zwar machen die Hirsche beim Verlassen ihrer Transportboxen auf Fotos einen etwas verunsicherten Eindruck, doch in einem großen Freigehege haben sie mehrere Wochen Zeit, sich an das Prinzip »Selbstversorgung« und die Abwesenheit menschlicher Betreuer zu gewöhnen. »Nach einigen Wochen lassen wir das Gatter offen und sie können gehen.«

Die Tiere sind mit GPS-Halsbändern ausgestattet, sodass die Wissenschaftler ihnen aus der Ferne folgen können. Auch Kamerafallen sind in dem Schutzgebiet aufgestellt, um einen Eindruck vom Gesundheitszustand der Tiere zu bekommen. Besonders freut sich Avni-Magen, wenn sie dabei Hirschkühe mit ihrem in der Wildnis geborenen Nachwuchs zu Gesicht bekommt.

Sorge bereitet allerdings der Klimawandel und die Häufung von Waldbränden. Erst vor wenigen Wochen brannten die Wälder im Bergland um Jerusalem mehrere Tage lang - auch das Schutzgebiet war betroffen. »Zum Glück haben die Tiere überlebt, aber das Gebiet, in dem sie sich besonders gerne aufgehalten haben, ist total zerstört«, sagt Avni-Magen. Sie vermute, dass sich die Hirsche ein neues Revier suchen werden. »Wenn die ersten Regenfälle kommen und neue Vegetation sprießt, werden wir mehr wissen.«

Langfristig müssten allerdings die Veränderungen von Temperaturen und Niederschlagsmustern in die Projektplanung einbezogen werden. »Wir müssen darauf vorbereitet sein. Aber wir haben noch genug Flächen, in die ausgewildert werden kann, etwa im Norden, wo es nicht so heiß ist und mehr Regen fällt.«



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