24. November 2021, 19:57 Uhr

Auf der Suche nach Erdwärme fürs Rebstockbad

24. November 2021, 19:57 Uhr
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Aus der Redaktion
Auf der Suche nach Erdwärme am Rebstockbad. FOTO: P. JÜLICH

- Die Bohrmaschine im Frankfurter Rebstockpark erinnert ein wenig an den ungebetenen Gast aus »Alien« Teil 1 bis 6. Aber dieser spezielle Apparat führe nur Gutes im Schilde, versichern alle Beteiligten. Na, dann los. Die Fachleute schrauben einen Bohrkopf, etwa so groß wie eine Paprikaschote, ans Gestänge und versenken ihn im Bohrloch. Hintendran schrauben sie das nächste Gestänge und dann wird gebohrt, dass es knirscht. Das Ganze wiederholt sich, bis die Paprika, Pardon, der Bohrkopf, 100 Meter tief in der Erde angekommen sein wird. Das alles, damit das neue Rebstockbad eine möglichst klimafreundliche Energieversorgung erhält.

»Ich war hier schon als Kind im Jahr der Eröffnung«, sagt der hessische Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne), damals elf, heute 50 Jahre alt, bei der Probebohrung im Rebstockpark. Er setzt große Hoffnungen in Erdwärme als Energieträger. »Das A und O ist, Energie einzusparen.« Und neue Quellen anzuzapfen. Die Geothermie eigne sich dafür, weil Wärme aus dem Erdinneren »praktisch unerschöpflich« sei, versichern die Leute von der Landesenergieagentur (LEA) Hessen. 5000 Grad in der Mitte des Globus, und dann je drei Grad kühler pro 100 Meter. Dort, wo der Bohrer dann aus der anderen Richtung ankommt, sei der Boden in der Regel zehn bis 15 Grad warm, sagt Sven Rumohr vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. »Das klingt nach wenig«, gibt er zu, »aber in fünf Grad Unterschied steckt viel Energie drin.« In Frankfurt habe die Erde in Oberflächennähe auch schon mal 24 Grad. Die Wärme wird dann mit »endlosen Rohren« voll Wasser und Frostschutzmittel geerntet - zum Beispiel, um Energie für das Rebstockbad zu gewinnen, das 2026 fertig sein soll.

Dann sei die Erdwärme ein willkommener Faktor im Verbund mit einem Blockheizkraftwerk und großflächigen Sonnenkollektoren, sagt der Frankfurter Planungsdezernent und Aufsichtsratsvorsitzende der Bäderbetriebe, Mike Josef (SPD). Der Neubau des Rebstockbads sei ein Meilenstein für die Stadt, es solle künftig ressourcen- und energieschonend arbeiten.

Aber nicht nur dort, überall soll Geothermie weiterhelfen. An 280 Orten in Frankfurt arbeite bereits Wärme aus der Tiefe, sagt Al-Wazir und nennt die Stadt einen »Hotspot« dieses Verfahrens. Der Preis des Produkts sei stabil, und bei den Investitionen am Anfang helfe das Land, sagt LEA-Geschäftsführer Karsten McGovern. Es gebe Zuschüsse für die Anlagen bis zu 45 Prozent. Die Kunst bestehe darin, eine Anlage so zu bauen, dass sie 50 Jahre Wärme entnehmen könne. Aber besser nicht zu tief bohren. Wen man bei so einer Reise zum Mittelpunkt der Erde alles treffen kann, hat Jules Verne ja eingehend beschrieben. Thomas Stillbauer



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