01. Dezember 2020, 20:57 Uhr

Arbeitsmarkt trotzt Corona-Welle

01. Dezember 2020, 20:57 Uhr

Nürnberg/Gießen - Die verschärften Corona-Regeln machen sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar, führen zurzeit aber nicht zu mehr Entlassungen. Im November waren mit 2,699 Millionen Menschen sogar 61 000 weniger arbeitslos als noch im Oktober. Die Arbeitslosenquote sank nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit im Vergleich zum Oktober um 0,1 Prozentpunkte auf 5,9 Prozent. Dass die Arbeitslosigkeit dank der Herbstbelebung im November sinkt, ist üblich. In den Vorjahren lag der Rückgang jedoch immer bei rund 20 000 Arbeitslosen - deutlich niedriger als jetzt in der Krise. »Den Arbeitsmarkt hat es nicht tangiert, wie man es hätte erwarten können«, sagte der Vorstandschef der Bundesagentur, Detlef Scheele, gestern in Nürnberg. Die Gründe: Anders als im Frühjahr seien die Beschränkungen zeitlich begrenzt. Es seien weniger Branchen betroffen und die Grenzen blieben geöffnet. Wichtig sei auch, dass die Kinder weiterhin in die Kita und zur Schule gingen, sodass ihre Eltern arbeiten könnten.

Im November waren laut Bundesagentur 519 000 Menschen mehr arbeitslos als noch vor einem Jahr, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag um 143 000 niedriger bei 33,8 Millionen.

Mehr Betriebe melden Kurzarbeit

Im September wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für 2,22 Millionen Menschen konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Die Arbeitsmarktexperten gehen aber davon aus, dass die Zahl im Oktober unter die Marke von zwei Millionen rutschen wird. Nun könnte sich eine Trendwende abzeichnen, denn im November zeigten deutlich mehr Betriebe wieder Kurzarbeit an. Vom 1. bis 25. November gingen Anzeigen für 537 000 Beschäftigte ein, ein gutes Drittel davon aus dem Gastgewerbe. Im Oktober waren es noch 148 000 Anzeigen. Die tatsächliche Zahl der Kurzarbeiter liegt jedoch erfahrungsgemäß niedriger, weil die Unternehmen Kurzarbeit oft vorsorglich anmelden.

Auf dem hessischen Arbeitsmarkt hat es trotz verschärfter Corona-Regeln im November keine größere Entlassungswelle gegeben, stellte die Regionaldirektion Frankfurt fest. Danach ist die Zahl der Arbeitslosen in Hessen im November den dritten Monat in Folge auf nun 188 050 Männer und Frauen gesunken. Die Quote ging um 0,1 Punkte auf 5,5 Prozent zurück. Die negative Wirkung der Pandemie wird erst im Jahresvergleich deutlich: Im November 2019 waren 44 170 Menschen weniger arbeitslos gemeldet und die Quote betrug lediglich 4,2 Prozent.

Nach Einschätzung der Regionaldirektion der Arbeitsagentur haben die Soforthilfen des Bundes und das Kurzarbeitergeld aber gegriffen. »Weder im Hotel- und Gaststättenbereich noch im Handel wurden auffällige Entlassungszahlen registriert«, berichtete Direktionschef Frank Martin. Die Anzeigen für Kurzarbeit sind im November wieder angestiegen. Die Unternehmen meldeten in 3500 Anzeigen rund 27 500 Beschäftigte neu an. Seit März wurden mehr als 960 000 Beschäftigte angemeldet.

Positives Bild für die Region

Bei der Betrachtung der Arbeitslosigkeit in dem zum Bezirk der Arbeitsagentur Gießen gehörenden Landkreis Gießen, dem Wetteraukreis und dem Vogelsbergkreis zeichnete sich im November ein positives Bild ab. Unter dem Strich waren insgesamt 18 420 Menschen arbeitslos gemeldet, 631 weniger als im Oktober. Das waren 2787 mehr als im November 2019. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 auf 4,9 Prozent. Die Quote betrug ein Jahr zuvor 4,2 Prozent. »Der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist erfreulich, sollte jedoch nicht überinterpretiert werden«, kommentierte Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen, die Novemberzahlen. Die Lage sei unverändert angespannt. »Daher ist es eine gute Entscheidung, dass Arbeitgeber die Kurzarbeit nutzen, um ihre Mitarbeiter zu halten«, lobte Schäfer. Die Neuanzeigen auf Kurzarbeit seien durch den Teil-Lockdown wieder gestiegen. 319 Betriebe haben im November im Bezirk der Gießener Arbeitsagentur eine Anzeige auf Kurzarbeit gestellt. Die Anzahl der in den Anzeigen betroffenen Personen lag im abgelaufenen Monat bei genau 2000. Seit Jahresbeginn haben insgesamt 7418 Betriebe eine entsprechende Anzeige gestellt. Bis zu 83 196 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Menschen sind oder waren davon betroffen. In den drei Kreisen gibt es 17 114 Betriebe mit 220 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Im Kreis Gießen waren im November insgesamt 8459 Menschen erwerbslos gemeldet, 308 Arbeitslose weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 auf nun 5,7 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 5,1 Prozent. Damals waren 983 Menschen weniger registriert. 98 Betriebe haben im November eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, von der insgesamt bis zu 620 Beschäftigte betroffen waren.

Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im November um 301 Personen auf jetzt 7732 gesunken. Die Quote ging um 0,1 zurück und liegt nun bei 4,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren jetzt 1534 Erwerbslose weniger gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 3,7 Prozent. 157 Betriebe haben eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, von der bis zu insgesamt 912 Beschäftigte betroffen waren.

Im Vogelsbergkreis ist die Anzahl der Erwerbslosen im November gesunken. 2229 Personen waren arbeitslos gemeldet, 22 Personen weniger als noch im Oktober. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 und lag danach bei 3,8 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 270 Erwerbslose weniger gemeldet. Die Quote lag damals bei 3,4 Prozent. 64 Betriebe haben eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht, von der bis zu insgesamt 468 Beschäftigte betroffen waren. dpa/eb

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeitgeber
  • Arbeitnehmer
  • Arbeitsagenturen
  • Arbeitslosenquote
  • Arbeitslosigkeit
  • Arbeitsmarkt
  • Arbeitsmarktexperten
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Detlef Scheele
  • Erwerbslosigkeit
  • Kurzarbeit
  • Kurzarbeitergeld
  • Gießen
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos