01. Juni 2021, 21:01 Uhr

Arbeitsmarkt kommt aus dem Corona-Tal

01. Juni 2021, 21:01 Uhr

Nürnberg/Frankfurt/Gießen - Auf dem deutschen Arbeitsmarkt geht es aufwärts, wenngleich es bis zu dem Niveau, das vor der Corona-Krise erreicht worden war, noch weit ist. Erst 2024 oder 2025, so schätzt der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, könnte es so weit sein. »Die Folgen der Corona-Krise sind zwar immer noch sehr deutlich sichtbar, werden aber etwas kleiner«, betonte er.

Dank einer Fortsetzung der Frühjahrsbelebung ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Mai auf 2,687 Millionen gesunken. Das sind 84 000 weniger als im Vormonat April und 126 000 weniger als im Mai 2020. Der Vergleichsmonat Mai 2020 gilt als einer der am stärksten von der Corona-Problematik betroffenen Monate. Die Arbeitslosenquote sank im Mai 2021 im Vergleich zum April um 0,1 Punkte auf 5,9 Prozent, im Vergleich zum Mai 2020 um 0,2 Punkte. Ohne den Corona-Effekt läge sie nach Scheeles Worten bei 4,9 Prozent - exakt das Niveau vom Mai 2019. Auch bei der Zahl der offenen Stellen gibt es Lichtblicke. Im Mai waren der Bundesagentur 654 000 offene Stellen gemeldet worden, 70 000 mehr als vor einem Jahr. Die coronabedingte Kurzarbeit geht den Angaben der Bundesagentur zufolge deutlich zurück. Zwischen dem 1. und 26. Mai hätten Betriebe nur noch für 96 000 Menschen Kurzarbeit angemeldet. Wirklich in Anspruch genommen wird Kurzarbeit erfahrungsgemäß weniger als angemeldet.

Vorkrisenniveau noch weit weg

Arbeitsmarkt schrittweise auf Erholungskurs, aber weiter viele Langzeitarbeitslose: So liest sich auch die hessische Arbeitslosenstatistik für Mai. Die Zahl der Arbeitslosen sank im vierten Monat in Folge. Doch die Talsohle sei noch nicht durchschritten, erklärte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit gestern. Das zeige sich an der konstant hohen Zahl von Langzeitarbeitslosen: Etwa 69 000 Menschen in Hessen waren im Mai demnach länger als zwölf Monate ohne Job - und damit 38 Prozent aller Arbeitslosen in dem Bundesland. »Das Vorkrisenniveau der Arbeitslosigkeit werden wir in den nächsten Monaten noch nicht komplett erreichen«, bilanzierte der Leiter der Regionaldirektion Hessen, Frank Martin.

Insgesamt waren zum Stichtag am 12. Mai den Angaben zufolge 181 982 Frauen und Männer im Land arbeitslos gemeldet. Das waren 6126 weniger als im April des laufenden Jahres und 10 167 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank binnen Monatsfrist um 0,2 Punkte auf 5,3 Prozent. Im Mai 2020 hatte die Quote noch 5,6 Prozent betragen. Viele Branchen, etwa Gastronomie und Hotelgewerbe, sind von den Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie stark getroffen.

Trend in der Region durchweg erfreulich

In der Region ist das Bild grundsätzlich ebenfalls positiv: Die zum Bezirk der Arbeitsagentur Gießen gehörenden Landkreise Gießen, Vogelsberg und Wetterau haben im Mai alle vom Rückgang der Arbeitslosigkeit profitiert. Der stärkste Rückgang wurde dabei im Wetteraukreis verzeichnet. Unter dem Strich waren im Bezirk der Arbeitsagentur insgesamt 18 066 Menschen im Mai arbeitslos gemeldet, 796 weniger als noch im April. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 und lag danach bei 4,8 Prozent. Im Mai des Vorjahres waren 1653 Menschen mehr registriert. Die Quote betrug seinerzeit 5,3 Prozent.

»Dass die Zahl der Arbeitslosen im Mai stark abgenommen hat, deutet auf eine verspätete Frühjahrsbelebung hin«, kommentiert Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen, die neusten Zahlen. »Davon haben alle Personengruppen profitiert.« Allerdings dürfe man bei aller Freude die derzeitige Situation nicht aus den Augen verlieren. Die Betroffenheit durch die Pandemie sei in einigen Betrieben nach wie vor sehr hoch. Weitere Insolvenzen und Freistellungen seien derzeit nicht auszuschließen. Die Anzahl der gemeldeten Arbeitsstellen liege deutlich über dem Wert des Vorjahres, aber das Niveau von 2019 sei noch nicht erreicht. Im Mai haben 2762 kurzarbeitende Betriebe im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen einen Antrag auf Auszahlung von Kurzarbeitergeld gestellt und bewilligt bekommen. Das waren 466 betroffene Betriebe mehr als im April.

Im Kreis Gießen waren im Mai insgesamt 8423 Menschen erwerbslos gemeldet, immerhin 347 Arbeitslose weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 auf nun 5,7 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 6,2 Prozent. Damals waren 783 Menschen mehr registriert.

Im Wetteraukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im Mai um 365 Personen auf jetzt 7501 gesunken. Die Quote liegt bei 4,4 Prozent, 0,2 Prozent niedriger als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren jetzt 602 Erwerbslose weniger gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 4,8 Prozent.

Im Vogelsbergkreis ist die Anzahl der Erwerbslosen weiter gesunken. 2142 Personen waren arbeitslos gemeldet, 84 weniger als im April. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 und liegt bei 3,7 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 268 Erwerbslose mehr gemeldet. Damals wurde eine Quote von 4,1 Prozent verzeichnet. dpa/pi/pm

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