30. November 2022, 19:33 Uhr

Arbeitslosenquote in Hessen sinkt

30. November 2022, 19:33 Uhr
Der Arbeitsmarkt zeige sich in Hessen weiterhin stabil, sagt die Regionaldirektion der Arbeitsagentur. FOTO: DPA

Nürnberg/Frankfurt/Gießen (dpa/pm). Weitgehende Stagnation am deutschen Arbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitslosen ging im November dank einer ganz leichten Herbstbelebung zurück - allerdings weniger stark als in früheren Jahren um diese Jahreszeit. Die Bundesagentur für Arbeit gab am Mittwoch die Zahl der Arbeitslosen im November mit 2,434 Millionen an, das sind 8000 weniger als im Oktober, aber 117000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt damit unverändert bei 5,3 Prozent und damit um 0,2 Punkte höher als im November 2021. Die Bundesagentur verwendete Datenmaterial für die November-Statistik, das bis zum 14. November vorlag.

»Insgesamt ist der Arbeitsmarkt stabil. Zwar sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung saisonbereinigt erneut gestiegen und Kurzarbeit nimmt wieder zu, die Beschäftigung wächst aber deutlich«, sagte Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) wies auf die weiterhin schwierige Situation der Langzeitarbeitslosen hin. Ihre Zahl ist mit 877000 noch immer höher als vor der Corona-Pandemie. Heil verspricht sich auch für diese Personengruppe eine Verbesserung durch das neue Bürgergeld ab 1. Januar. Mit Instrumenten des sozialen Arbeitsmarktes, die bisher nur befristet einsetzbar waren, erhofft sich Heil Verbesserungen auch für Langzeitarbeitlose.

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im November den dritten Monat in Folge gesunken. Allerdings fiel die im Herbst übliche Belebung schwächer aus als in den Jahren zuvor. Zum Stichtag waren 167 001 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Mittwoch berichtete. Das waren gut 1800 weniger als im Oktober, aber fast 8900 Menschen mehr als vor einem Jahr. Die Quote blieb zum Vormonat unverändert bei 4,9 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie 4,6 Prozent.

Erste Erfolge bei Ukrainern

Der Arbeitsmarkt zeige sich weiter stabil, bewertete Direktionschef Frank Martin die Lage. Die Belebung sei im November saisonüblich, weil junge Menschen noch eine Ausbildung begonnen hätten und es in der Vorweihnachtszeit zahlreiche zusätzliche Jobmöglichkeiten gebe.

Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr liege vor allem an der Zuwanderung ukrainischer Frauen und Jugendlicher seit Kriegsausbruch. Auch hier seien erste Erfolge zu verzeichnen, denn rund 220 Betroffene seien im vergangenen Monat in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt worden.

Die Arbeitsagenturen kennen trotz eines leichten Rückgangs mehr als 52 000 unbesetzte Stellen. Etwa jede fünfte ist eine Helferstelle.

Trotz Energiekrise, des russischen Krieges in der Ukraine und den Corona-Nachwirkungen entwickelten sich die Beschäftigtenzahlen positiv, stellte Martin fest. Die Arbeitgeber sprechen sogar von mehr als 115 000 benötigten Arbeitskräften.

Mit der Einführung des Bürgergelds zum Jahreswechsel ändern sich die Vorschriften für die Jobcenter im Umgang mit den Arbeitslosen.

Nur ein Teil willig undf fähig?

Der DGB Hessen-Thüringen begrüßte die stärkere Ausrichtung auf Weiterbildung und den Qualifizierungsbonus von monatlich 150 Euro für die Betroffenen. Es sei richtig, den Vermittlungsvorrang in prekäre Arbeit aufzuheben und so Langzeitarbeitslosen nachhaltige Perspektiven zu eröffnen, erklärte Bezirkschef Michael Rudolph. Gleichzeitig sei es falsch, den Jobcentern 200 Millionen Euro für Weiterbildung und Vermittlung zu streichen.

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände hält hingegen nur einen Teil der Langzeitarbeitslosen für willig und fähig zu Qualifikation. »Die anspruchsvolle Aufgabe der Jobcenter in Hessen ist es, diejenigen noch besser zu identifizieren, die sich qualifizieren können und wollen. Alle anderen müssen weiter so rasch wie möglich in Arbeit vermittelt werden«, erklärte Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. Die Abschaffung des Vermittlungsvorrangs sollte daher rückgängig gemacht werden.



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