01. November 2021, 21:06 Uhr

Angst vor Feinstaubbelastung

01. November 2021, 21:06 Uhr
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Aus der Redaktion
Die Salzbachtalbrücke soll bald Geschichte sein. FOTO: DPA

Wiesbaden - Die bevorstehende Sprengung der Salzbachtalbrücke macht Uli Brandner Kopfzerbrechen. Als ob die Sorgen um die starken Erschütterungen, die die Sprengung auslösen wird, nicht genug wären, befürchtet der Hauseigentümer auch Gesundheitsschäden durch mit Feinstaub angereicherte Atemluft. Die zerbröselnden Brückenteile könnten im Moment des großen Knalls, mit dem die Brücke am 6. November fallen soll, Feinstaub freigeben, der mit verbautem Asbest und Zementquarzit versetzt sein könnte, so Brandners Furcht. Wenn der Staub sich auf Dächern und Gärten niederlasse, seien die Anwohner lange gefährdet.

Erschütterungen werden erfasst

Brandner gehört die Hammermühle im Wiesbadener Süden, ein 1690 wiederaufgebautes Gebäudeensemble unter Denkmalschutz, in deren 20 Mieteinheiten viele Familien wohnen, darunter etliche mit Kindern. Die Hammermühle ist mit einer Entfernung von 88 Metern das am nächsten zur Salzbachtalbrücke gelegene Haus in der Stadt.

Die Erschütterungen werden jedoch gemessen. In der Nähe ist eine der 16 Messstellen ins-talliert. Mehr als fünf Millimeter in der Sekunde sollten Wohngebäude nicht wackeln, hatte Alexander Pilz von der Autobahngesellschaft des Bundes Anfang Oktober gesagt. Für die Hammermühle wurden jedoch sieben Millimeter pro Sekunde prognostiziert, wie im Sprengkonzept der Autobahngesellschaft nachzulesen ist. Brandner beruhigt, dass Gutachter Michael Zarse von der Firma Löschmann und Schneider im Auftrag der Autobahngesellschaft die Gebäude inspiziert. Er dokumentiert, wie an 15 anderen, unmittelbar an die Brücke angrenzenden Immobilien auch, Setzungen und vermisst Risse, um die Werte nach der Sprengung mit denen hinzugekommener Schäden zu vergleichen.

Solche Untersuchungen gibt es für die Luftwerte nicht. Aber Brandner fordert sie. »Bis 2005 wurde Asbest beim Bau verwendet«, begründet er sein Anliegen, »auch Zementquarz in der Luft ist toxisch«. Daher würde er gerne ein Gutachten zu den verwendeten Materialien einsehen.

Thema war bisher nicht präsent

Brandner sind die Bilder von den Terroranschlägen am elften September 2001 im Kopf, als giftiger Qualm die Menschen einhüllte. Berichten zufolge sind bis heute genauso viele Personen an den Folgen der Gifte in der Luft gestorben wie beim Anschlag. Die Forderungen Brandners und anderer Anwohner haben Erfolg. Das Feinstaub-Thema sei der Autobahngesellschaft bislang nicht präsent gewesen, gibt ein Sprecher auf Anfrage zu, auch, weil es keine Vorgaben zur Staubminimierung gebe. Die Gesellschaft recherchiere jetzt, wie sich die Staubentwicklung verringern lasse, etwa durch Benebelung. Zudem werde untersucht, wie Feinstaubmessungen während und nach der Sprengung aussehen könnten. Vollständig verhindern lasse sich der Staubflug nicht. Die Sorge, dass Asbest oder andere Gifte verbaut sein könnten, teilt die Gesellschaft nicht. Untersuchungen hätten dies ausgeschlossen. Die Anwohner werden gebeten, Fenster und Rollläden zu schließen und Klimaanlagen abzustellen. Madeleine Reckmann



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