22. November 2021, 20:18 Uhr

Am Flughafen fehlt Personal

22. November 2021, 20:18 Uhr
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Aus der Redaktion
Engpässe bei der Flugzeugabfertigung: Auf dem Vorfeld fehlen Mitarbeiterkapazitäten für Be- und Entladung sowie für das Schleppen von Flugzeugen in die erforderliche Position. FOTO: DPA

- Die Zahl der Passagiere am Frankfurter Flughafen steigt, wenn auch langsam. Die der Flugbewegungen ebenfalls. Das Terminal 2 ist wieder geöffnet, die Nordwest-Landebahn ist in Betrieb. Und hier und da bilden sich gar Schlangen vor den Check-in-Schaltern und den Sicherheitskontrollen. »Wir rechnen in den Wintermonaten mit gut 50 Prozent der Fluggäste und bis zu 70 Prozent der Flugbewegungen im Vergleich zum Niveau vor Beginn der Corona-Krise«, sagt Stefan Schulte, Chef des Flughafenbetreibers Fraport. »An den Wochenenden verzeichnen wir wieder mehr als 130 000 Passagiere pro Tag.« Das stellt das Unternehmen jedoch vor Probleme. Fraport fehlen schlicht und einfach Mitarbeiter auf dem Vorfeld - und zwar diejenigen, die die Flugzeuge be- und entladen und sich um die Koffer und Reisetaschen der Passagiere kümmern.

244 Reiseziele in 92 Ländern

»Wir dachten eigentlich, dass die Zahl der Passagiere und Flugbewegungen im Herbst wieder rückläufig ist, wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder steigt«, sagt Schulte als Begründung. Doch falsch gedacht. Zwar steigt die Sieben-Tage-Inzidenz in der Tat rasant an. »Die Menschen wollen aber fliegen«, so Schulte. Das macht auch der Winterflugplan des Flughafens deutlich. 83 Fluggesellschaften bieten Passagierflüge zu weltweit 244 Reisezielen in 92 Ländern an. Im Laufe des Novembers erwarte man bereits wieder zwischen 300 000 und 400 000 Passagiere auf den USA-Flügen, sagt der Fraport-Chef. Vor der Krise waren es 500 000 Fluggäste im Monat.

Jetzt wäre Stefan Schulte natürlich nicht ehrlich, wenn er behaupten würde, sich über diese Entwicklung nicht zu freuen. Doch er sagt auch: »Ich erwarte lange Schlangen in den Terminals, verpasste Flieger und Verspätungen.« Problematisch sei nämlich, dass sich die Starts und Landungen auf wenige, besonders gefragte Zeitpunkte im Tagesverlauf konzentrieren - und zwar am Morgen und am Abend. »Wir können für die einzelnen Spitzen aber nicht die komplette Mannschaft über den ganzen Tag vorhalten«, sagt der Flughafen-Chef. Deshalb fehle dann Personal, vor allem auf dem Vorfeld. Dort seien bereits wieder rund 75 Prozent der Mitarbeiter, sprich: 5600 Männer und Frauen, im Einsatz. Niemand ist mehr in Kurzarbeit.

Problem: Hoher Krankenstand

Doch das fehlende Personal muss natürlich kompensiert werden. Deshalb müssen die Mitarbeiter auf dem Vorfeld Sonderschichten schuften, die Dienstzeiten wurden verlängert. »Wir haben finanzielle Anreize für diejenigen ausgelobt, die Sonderschichten machen«, so Schulte. Auch helfen 70 Beschäftigte aus, die normalerweise am Schreibtisch sitzen und nicht auf dem Vorfeld ackern. Zudem hat Fraport nach eigenen Angaben bereits 400 zusätzliche Mitarbeiter für die Bodenverkehrsdienste eingestellt. Wegen ausstehender Sicherheitsüberprüfungen und Einweisungen seien davon derzeit aber erst 150 auf dem Vorfeld angekommen. »Ich rechne in den kommenden sechs Monaten mit 500 bis 1000 weiteren Einstellungen«, so Schulte.

Diese neuen Mitarbeiter werden auch dringend gebraucht, ist sich der Fraport-Betriebsratsvorsitzende Hakan Bölükmese sicher. »Die Mehrarbeit bleibt nämlich nicht ohne Folgen«, sagt er. Das Personal sei spürbar überlastet, der Krankenstand sei mit 30 Prozent der Beschäftigten hoch. Bölükmese weist aber auch auf eine weitere Folge der Personalmisere hin. Denn derzeit sind nur rund 70 Prozent der Starts und Landungen pünktlich.

Einsteiger erhalten 14,30 Euro

Die Mitarbeiter auf dem Vorfeld werden nach einem hauseigenen Tarif bezahlt. Berufseinsteiger bei der Flugzeugabfertigung erhalten 14,30 Euro pro Stunde. Hinzukommen Schichtzulagen für die Arbeit in der Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen. Bewerben kann man sich online unter www.fraground.de. Julia Lorenz



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