08. Juli 2021, 21:08 Uhr

Al-Wazir: Rasche Brückensprengung

08. Juli 2021, 21:08 Uhr
Die Sperrung der Salzbachtalbrücke sowie der darunter liegenden Bundesstraße und der Bahnstrecke sind für den Verkehr in Wiesbaden ein großes Problem, das nach dem Willen der Landesregierung möglichst schnell behoben werden soll. FOTO: DPA

Wiesbaden - Nach dem Willen der hessischen Landesregierung sollte die marode und gesperrte Salzbachtalbrücke bei Wiesbaden so zügig wie möglich gesprengt werden. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sagte am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden, er sei zuversichtlich, dass der Sommer für die geplante Sprengung genutzt werde. Dann könne sich die angespannte Verkehrssituation in und um Wiesbaden wieder bessern - und der Neubau beginnen.

»Bisher haben alle Beteiligten unter der Federführung der Autobahn GmbH sehr gut zusammengearbeitet«, betonte der Minister. Die Sicherheit habe absolute Priorität. Daneben müsse es oberstes Ziel sein, die Bundesstraße und die Bahnstrecke unterhalb der Brücke wieder ohne Einschränkungen nutzen zu können. »Wiesbaden muss verkehrlich wieder angeschlossen werden«, forderte der Minister.

Die Salzbachtalbrücke musste Mitte Juni kurzfristig gesperrt werden, nachdem sich der Überbau an einem Pfeiler abgesenkt hatte und Betonbrocken herabgefallen waren. Auch die Straßen und Bahngleise unter der Brücke dürfen derzeit nicht befahren werden. Das Bauwerk soll nun nach den Plänen der Autobahn GmbH binnen zwei Monaten gesprengt werden, damit rasch mit dem Neubau begonnen werden kann.

Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Stefan Naas, machte Al-Wazir für das »Desaster der Salzbachtalbrücke« verantwortlich. Es stehe exemplarisch für die Vernachlässigung von Bau und Sanierung von Straßen und Brücken in Hessen, erklärte er. Schließlich sei der Minister seit mehr als sieben Jahren im Amt.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Tobias Eckert, erklärte: »Seit 2009 ist bekannt, dass die Brücke marode ist und dringend erneuert werden muss.« Inzwischen stehe über dem Salzbachtal eine einsturzgefährdete Ruine, die das Rhein-Main-Gebiet an den Rand des Verkehrskollapses führe. »Was eigentlich hat Al-Wazir in den vergangenen sieben Jahren in seiner Amtszeit und damit in seiner Verantwortung getan, um die Katastrophe zu verhindern?«, fragte Eckert.

Al-Wazir wies dagegen erneut darauf hin, dass das Land seit 2014 im Straßenbau nicht nur die Investitionen, sondern auch das Personal schwerpunktmäßig für die Sanierung eingesetzt habe. »Eine Vollsperrung ist genau das, was nicht passieren sollte und was wir in den vergangenen Jahren verhindern wollten«, erklärte er. Es sei bitter, dass nur wenige Monate vor dem geplanten Abbruch des südlichen Brückenteils ein solcher Unfall passiert sei.

Kein Schreiben nach Gehör mehr

Wie lernen Schulkinder am besten Deutsch? Über diese Frage herrscht unter den Abgeordneten im Landtag Uneinigkeit. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) musste Kritik einstecken für seine Pläne zur Stärkung der Bildungssprache Deutsch.

Zu den von ihm geplanten Maßnahmen gehören Pflichtkurse vom kommenden Schuljahr an für alle Kinder im Vorschulalter mit Deutschproblemen. Fehler sollen in der ersten Klasse - ab dem zweiten Schulhalbjahr - korrigiert werden. Lernmethoden wie »Schreiben nach Gehör« sind nicht mehr zulässig. In den vierten Klassen wird es eine zusätzliche Deutschstunde geben.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elisabeth Kula, sagte, statt für kleinere Lerngruppen und ausreichend Lehrkräfte zu sorgen, verbiete der Minister pädagogische Methoden, die seinen eigenen Aussagen nach ohnehin kaum an hessischen Schulen angewandt würden.

Der FDP-Bildungsexperte Moritz Promny sagte: »Für gute individuelle Förderung braucht es Methodenvielfalt statt Dogmatismus.« Hier müsse man den Lehrkräften vertrauen, dass sie die beste Methode für ihre Schülerinnen und Schüler anwenden.

Zu den weiteren Plänen der Landesregierung für die Deutsch-Förderung zählt, dass zum Schuljahr 2022/23 verbindlich eine verbundene Handschrift angewendet werden soll. Dann gilt auch ein Grundwortschatz, den alle Kinder bis zum Verlassen der Grundschule kennen müssen. In den Jahrgangsstufen 9 und 10 soll ein Fehlerindex eingeführt werden, der die Benotung beeinflusst.

Ein weiteres Thema im Landtag war der kostenlose Eintritt ins Freibad für Kinder und Jugendliche. Das hatte die Linksfraktion gefordert. Gerade junge Menschen hätten seit Beginn der Corona-Pandemie auf vieles verzichten müssen, auch auf Schwimmunterricht und Kurse, sagte die bildungspolitische Sprecherin Kula. Einige hessische Kommunen seien schon Vorreiter und erließen jungen Menschen den Eintritt - nun müsse das Land Hessen nachziehen. dpa

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