29. Dezember 2017, 19:31 Uhr

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Ein Rumpeln auf dem Speicher, galoppierende Schritte auf dem Dach: Abergläubische werden bei den unheimlichen Geräuschen vielleicht an Übersinnliches denken. Doch meist ist der Verursacher ein niedlich erscheinender Vierbeiner: der Marder.
29. Dezember 2017, 19:31 Uhr

Zerfetzte Dämmung, Kot und Urin verursachen einen erbärmlichen Gestank: Die Ernst-Ludwig-Schule in Bad Nauheim gehörte im Sommer in erheblichem Ausmaß zu denen, die Opfer der putzigen, aber letztlich unangenehmen Nager wurden. Marder hatten über Jahre ganze Arbeit geleistet und das Dach in erheblichem Maße zerstört. Die Reparatur kostete den Wetteraukreis rund eine Million Euro.

Eine hohe Summe in einem Einzelfall und doch nur ein kleiner Teil dessen, was deutsche Versicherungen jährlich für Schäden alleine im Kfz-Bereich aufwenden müssen. »2014 gab es insgesamt 216 000 Fälle von Marderbissen an Autos mit einem Gesamtschaden von 66 Millionen Euro«, teilte Simon Frost, Pressesprecher des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), mit. Zwar sank die Zahl der Fälle 2016 auf 205 000, die Schadenssumme jedoch stieg auf 66 Millionen Euro.

Zündkabel, Kühlwasser- und Scheibenwaschwasserschläuche, andere Kunststoffschläuche, Faltenbälge an Antriebswellen und an der Lenkung, Stromleitungen und deren Isolierung sowie Isoliermatten für die Geräusch- und Wärmedämmung sind laut ADAC die bevorzugten Opfer dieser kleinen Nager. Die ADAC-Straßenwacht wurde im Jahr 2016 nach Angaben des Automobilclubs zu 11 192 von Mardern verursachten Pannen gerufen, im Jahr 2015 waren es insgesamt 12 590.

Wer sein Auto teil- oder vollkaskoversichert hat, ist gegen den finanziellen Schaden durch Marderbisse geschützt. Bei Gebäuden bleibt der Eigentümer oft auf den Kosten der Beseitigung von Schäden sitzen. »Die Hausratversicherung deckt keine Marderschäden ab. Durch Marder am Haus und Dach verursachte Schäden müssen an die Wohngebäudeversicherung gemeldet werden. Nur wenn diese auch Schäden durch Tierbisse in der Versicherungspolice absichert, werden auch die Kosten für die Reparaturen und Reinigung von Haus und Dach übernommen«, erläutert das Internetportal Marder-vertreiben.com. Genauere Zahlen liegen laut GDV für Gebäudeschäden nicht vor, aber auch hier dürfte der jährliche Schaden in die zig Millionen gehen.

Autos, Speicher und Dachböden sind nicht die alleinigen Angriffsziele von Mardern. In Fronhausen (Kreis Marburg-Biedenkopf) legte ein solches Tier 1999 sogar ein Umspannwerk der Bahn lahm. Der Vierbeiner überbrückte mit seinem Körper ein Spannungsfeld von 30 000 Ampere und bezahlte seinen sprunggewaltigen Einsatz auf die fünf Meter hohe Spitze des Trafos mit dem Leben. Schadenssumme durch den Kurzschluss: 100 000 Mark

Doch nicht nur Sachbeschädigungen gehen auf das Konto der kleinen Raubtiere. Spektakulär war ein Fall im Oktober 2013 in Rheinland-Pfalz: Eine 62-jährige Frau wurde in dem Ort Maikammer auf offener Straße von einem Marder angegriffen, zu Fall gebracht und dreimal in die Rippen gebissen, berichteten damals der »Pfalz-Express« und die »Bild«.

Anschließend ging das Tier auf eine weitere Frau und zwei Postzustellerinnen los und verbiss sich in deren Postkarren. Letztes Angriffsziel des Nagers war ein zu Hilfe eilender Ladenbesitzer, der den Marder schließlich mit einem Besen erschlug. Untersuchungen ergaben, dass der Marder nicht tollwütig war. Warum er die Menschen angriff, blieb unklar. Möglicherweise reagierte er aufgrund einer Verletzung mit den Wutattacken.

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