05. Januar 2018, 14:46 Uhr

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Asterix und Obelix lassen für sie alles stehen und liegen: Wildschwein – in gegrilltem Zustand. Was beim Lesen der gallischen Abenteuer-Comics zum Schmunzeln verleitet, ist in der Realität für viele Menschen ein ernstes Problem. Denn nicht nur Landwirte klagen über die zunehmende Zerstörungen durch die Grauröcke, die meist in großen Rotten auftreten.
05. Januar 2018, 14:46 Uhr

Fast schon ein alltägliches Bild, was kürzlich über Facebook veröffentlicht wurde. Neben einer Landstraße im Lahn-Dill-Kreis rast eine große Rotte Wildschweine über eine Wiese. Klein und Groß, Alt und Jung. Sie überqueren die Straße, galoppieren auf der anderen Seite einen Wiesengrund hinunter und verschwinden im nahen Wald. Rund 20 Exemplare dieser Waldbewohner – gefilmt aus dem fahrenden Auto.

Ein faszinierender Anblick, solange nichts passiert. Doch immer häufiger endet die Begegnung Auto/Wildschwein mit einem Zusammenstoß – und manchmal auch tödlich für Menschen. Laut Polizeipräsidium Mittelhessen rangieren Wildschweine bei Wildunfällen hinter Rehen auf dem zweiten Platz der Statistik. Besonders tragisch verlief ein solcher Unfall im Oktober 2011 in der Nähe von Alsfeld. Dort löste ein Wildschwein auf der Autobahn 5 eine Kettenreaktion aus. Zuerst kollidierte ein Kleintransporter mit dem Tier, das tot auf der Fahrbahn liegen blieb. Anschließend fuhr ein zweites Auto über das tote Tier. Die Fahrerin hielt danach auf dem Standstreifen an. Als die 28-Jährige und zwei Mitfahrerinnen aus dem Auto ausstiegen, raste ein dritter Wagen in die Unfallstelle und prallte auf den Wagen der Frauen, wobei die 28-Jährige sowie eine 16 Jahre alte Begleiterin getötet wurden. Der 46-jährige Fahrer des dritten Autos kam ebenfalls ums Leben. Eine 22-jährige Mitfahrerin der beiden Frauen wurde schwer verletzt.

Auf Wiesbadens Prachtstraße

Doch nicht nur im Straßenverkehr sind Keiler, Bachen und Frischlinge ein zunehmendes Problem. Die Population der Grauröcke ist hoch, denn milde Winter sorgen dafür, dass weniger Nachwuchs auf der Strecke bleibt.

Auf Nahrungssuche gehen die Wildschweine dann schon mal seltsame Wege. Von Natur aus eher scheu, tauchen sie doch vermehrt am Rande von Siedlungen auf und stöbern nicht nur an den Waldrändern, sondern auch in Gärten und Parks nach Fressbarem. So verirrten sich zwei Wildschweine im November vergangenen Jahres in die Therme von Bad Karlshafen – um einer Treibjagd im nahe gelegenen Wald zu entkommen.

Während ein Tier durch die Außenanlage irrte, kam das andere ins Bad, sprang zu den Besuchern ins Becken, durchschwamm das 33 Grad warme Wasser und rannte dann in die Gastronomie, wo Mitarbeiter es vertrieben. Beiden Tieren gelang schließlich die Flucht vom Gelände. Das war einem anderen Irrläufer nicht vergönnt: Im August dieses Jahres flanierte ein Wildschwein auf der noblem Wilhelmstraße in Wiesbaden. Zu früher Morgenstunde war hier allerdings noch wenig los. Ein Autofahrer hielt das promenierende Tier per Handy in einem kurzen Video fest. Schließlich stellte es die Polizei in einem Innenhof, wo es von Mitarbeitern der unteren Jagdbehörde erschossen wurde. Menschen kamen bei diesem Einsatz nicht zu Schaden.

Rückwärtsgang antreten

Was also tun, wenn man unverhofft im Wald, im eigenen Garten oder in der Innenstadt einem Wildschwein begegnet? Forstfachleute und Jäger raten: Ruhig bleiben, dem Tier keinesfalls näher kommen, keinen Versuch machen, es zu verscheuchen – das könnte es als Angriffsgeste deuten. Ohne Hektik den Rückwärtsgang antreten, keine schnellen Bewegungen machen, keine Ausweichmanöver, nur kein Wegrennen – aber zügig Distanz herstellen, um dem Tier den sicheren Rückzug möglich zu machen.

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