01. Juli 2020, 21:58 Uhr

Zu später Regen

01. Juli 2020, 21:58 Uhr
In Hessen hat die Getreideernte begonnen. Bei den Erträgen zeigt die Trockenheit in den Frühjahrsmonaten nach Angaben des Hessischen Bauernverbands bereits Folgen. FOTO: DPA

- Zu Beginn der Getreideernte in Hessen zeigt sich der Hessische Bauernverband angesichts des trockenen Frühjahrs skeptisch in seinen Ertragserwartungen. Auch wenn die Niederschläge der vergangenen Wochen einiges wettgemacht hätten, kämen sie für die nun gedroschene Wintergerste zu spät, sagte Verbandspräsident Karsten Schmal am Mittwoch während des Erntegesprächs auf einem Betrieb bei Frankfurt.

»Wir rechnen in Hessen in diesem Jahr beim Getreide mit einer eher unterdurchschnittlichen Gesamterntemenge, voraussichtlich knapp über der zwei Millionen Tonnen-Marke.« Die Erträge hätten schon »deutlich darüber« gelegen, erklärte Schmal.

Die lang anhaltende Frühjahrstrockenheit in Verbindung mit Spätfrösten Anfang Mai sei wesentliche Ursache dieses ernüchternden Ergebnisses, sagte der Bauernpräsident. Allerdings gebe es deutliche regionale Unterschiede, abhängig von der jeweiligen Niederschlagsmenge und der Bodenqualität an den einzelnen Standorten.

Schwierige Bedingungen herrschten für die Sommergerste, die besonders unter der Trockenheit nach der Aussaat im März gelitten habe. Bei der meist als Braugerste verwendeten Sommergerste würden die Erträge voraussichtlich bis zu 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Denn während im langjährigen Mittel von März bis Mai durchschnittlich 191 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fielen, seien es in diesem Frühjahr nur 110 Liter gewesen, damit fehlten 42 Prozent.

Eher Durchschnitt

Eher durchschnittlich dürfte nach Angaben der Bauern die Ernte beim Winterweizen ausfallen, der die wichtigste Getreideart in Hessen sei. Er nimmt etwa die Hälfte der hessischen Getreideanbaufläche ein - in diesem Jahr knapp 150 000 Hektar. Zum Vergleich: Wintergerste wird auf gut 66 000 Hektar angebaut, Sommergerste auf 17 800 Hektar.

Witterungsextreme hätten im Zuge des Klimawandels deutlich zugenommen, betonte Schmal. Spätfröste, Starkregen und vor allem längere Trockenperiode hätten große Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum und damit auch auf die Ernteerträge. »Wir schauen nicht untätig zu, wir versuchen zu reagieren«, sagte Schmal mit Blick auf Diversifizierung beim Anbau und den Anbau von trocken- und hitzetoleranten Pflanzen.

»Wir drehen kleine Schräubchen«, sagte Matthias Mehl, der Leiter des am Mittwoch besuchten Betriebs zu den Bemühungen, mit den Folgen des Klimawandels zu leben. Das könne etwa heißen, etwas früher als bisher Gerste anzubauen und auf längere Aussaatzeit zu setzen. Auch erprobe er etwa französische Getreidelinien, »die das Klima schon so haben« und - so die Hoffnung - sich auch hierzulande als widerstandsfähiger erwiesen. dpa

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