10. Mai 2019, 22:12 Uhr

Zu laut und zu gefährlich?

10. Mai 2019, 22:12 Uhr
Der Feldberg ist als Ausflugsziel beliebt bei Motorradfahrern - vielleicht zu beliebt. Wegen Unfällen und Lärm werden jetzt versuchsweise einige Straßen für Krafträder gesperrt. Die Biker-Verbände reagieren unterschiedlich. (Foto: dpa)

Schmitten/Oberursel (dpa/lhe). Am gestrigen Freitag hatten Motorradfahrer noch Gelegenheit, über bei Bikern beliebte Straßen auf den Feldberg im Taunus zu kommen. Ab Samstag werden Abschnitte auf drei Landstraßen dann versuchsweise für neun Tage gesperrt, wie der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs (CDU), mitteilte. Durch Lärmmessungen und Verkehrszählungen soll ermittelt werden, welche langfristigen Regelungen für Motorradfahrer getroffen werden sollen. Das Feldberggebiet ist bei Motorradfahrern sehr beliebt. Probleme bereiten rasende und leichtsinnig fahrende Biker. Ein weiteres Problem sei der Lärm, sagte Krebs.

»Wir sind grundsätzlich gegen Streckensperrungen«, sagte der Vorsitzende der Biker Union, Rolf Frieling. Man wolle aber einen konstruktiven Beitrag zur Entschärfung der Situation am Feldberg leisten. So sollte die Polizei etwa gezielt »Mehrfachtäter« stärker verfolgen, schlug Frieling vor. »Wenn jemand das dritte Mal auf der gleichen Strecke mit dem gleichen Tatbestand über die Stränge schlägt, ist die Frage zu stellen, ob er charakterlich geeignet ist, ein Kraftrad zu führen«, sagte Frieling.

Auch innerhalb der Motorradszene müsse - etwa über die Fachpresse - an Biker appelliert und klargemacht werden, dass es sich bei gefährlichem und zu lautem Fahren nicht um Kavaliersdelikte handle. Laut einer Sprecherin des Kreises waren die Biker Union, der ADAC Hessen-Thüringen und der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) bei der Vorbereitung der Versuchssperrung eingebunden worden.

Der BVDM hat für 16. Juni eine Demonstration auf dem Feldberg angekündigt. »Gegen die vermutlich kommende Streckensperrung und gegen alle, die sich auf den Straßen nicht benehmen können«, sagte Michael Wilczynski vom BVDM. »Wir rechnen mit gut tausend Leuten«, sagte er. Er habe Verständnis für die Anwohner, allerdings gebe es andere Möglichkeiten als eine Sperrung. So könnte die Strecke etwa durch bauliche Maßnahmen entschärft und für Raser weniger attraktiv gemacht werden. Der Versuch sei ergebnisoffen, betonte eine Sprecherin des Kreises. Er bedeute nicht automatisch eine dauerhafte Sperrung.

Vier Wochen vor und nach sowie während der Versuchssperrung wird der Verkehr gezählt und punktuell Lärm gemessen. Diese Daten sowie die einer im September geplanten, weiteren neuntägigen Versuchssperrung sollen bis Frühjahr 2020 ausgewertet werden und Grundlage für ein langfristiges Konzept sein. Im Raum stehen auch dauernde oder teilweise Sperrungen bestimmter Abschnitte. Versuchsweise gesperrt werden insgesamt rund 20 Kilometer lange Abschnitte auf kurvigen Landstraßen, die zum Feldberg führen. Auch Motorradfahrer, die an diesen Strecken wohnen, haben laut Kreis keine Ausnahmegenehmigung, dort zu fahren. Es gebe allerdings eine Anliegerregelung für Bewohner und Gastwirte. Motorradfahrer kommen weiterhin auf den Feldberg, allerdings nur von einer Seite.

»Das Risiko, auf zwei Rädern zu Schaden zu kommen, ist viel größer als auf vier. Motorradraser gefährden aber nicht nur sich, sondern natürlich auch andere Verkehrsteilnehmer«, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU). Die Polizei wolle daher den Kontrolldruck erhöhen, etwa mit den hessenweit zehn »Videostreifen-Krads«, also mit Kameras ausgestatteten Polizeimotorrädern. Im Kreis Bergstraße hat eine Sperrung für Motorräder laut der Behörde bereits den gewünschten Erfolg gebracht.

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