14. Juni 2011, 09:05 Uhr

Zeppelin über der Wetterau in Flammen: Pilot kommt ums Leben

Reichelsheim (lk/dpa). Tragischer Unfall auf dem Flugplatz: Am Sonntagabend ist beim Brand eines Zeppelins der Pilot ums Leben gekommen. Drei mitfahrende Journalisten konnten sich in letzter Sekunde retten, sie sprangen in zwei Metern Höhe aus dem brennenden Luftschiff.
14. Juni 2011, 09:05 Uhr
Nach dem Absturz steigt eine meterhohe Rauchsäule auf. (Foto: Bommersheim)

Der Zeppelin war gegen 18 Uhr auf dem Flugplatz gestartet, Ziel war Oberursel, wo Luftaufnahmen vom dortigen Hessentag gemacht wurden. Gegen 20.20 Uhr war der Zeppelin zurück in Reichelsheim. Während des Landeanflugs fing er Feuer, die drei Journalisten, einer davon Mitarbeiter der Wetterauer Zeitung, sprangen ab. Durch den Gewichtsverlust stieg das qualmende Luftschiff erneut in die Höhe, entzündete sich dann vollends und stürzte zu Boden. Für den Piloten, einen 52-jährigen Australier, kam jede Hilfe zu spät. Die drei Journalisten blieben unverletzt. Die Untersuchungen zur Unglücksursache laufen, die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung mit Sitz in Braunschweig wurde eingeschaltet.

Wie ein rauchender Feuerball habe das Luftschiff kurz vor seinem Absturz über dem Flugplatz ausgesehen, sagt Augenzeugin Janina Bommersheim. Sie hat den tragischen Unfall von ihrem Balkon in Wölfersheim beobachtet: »Nachdem der Zeppelin kurz gebrannt hat, ist er wie ein Stein zu Boden gefallen«, beschreibt sie den Unfall. Mit dem Luftschiff verbrannte der Pilot, ein 52-jähriger Australier.

Der Zeppelin war vom Reifenhersteller Goodyear für Werbeflüge während des Hessentags in Oberursel angemietet worden, am gesamten Wochenende stieg er mehrfach in die Luft. Start- und Landeort war der Reichelsheimer Flugplatz. Bei der letzten Fahrt am Sonntag ereignete sich das Unglück: Während der Landung kam es zu Schwierigkeiten, der Zeppelin setzte nicht wie vorgesehen auf einer gemähten Wiese auf, wo eine Crew wartete, sondern landete einige hundert Meter von dieser entfernt. Das Luftschiff fing während der Landung Feuer. Zuvor soll es laut Zeugenaussagen nach Benzin gerochen haben. Die mitfahrende RTL-Journalistin sprang zuerst ab, ihr Kollege folgte. Der dritte Journalist, Joachim Storch, der unter anderem für die Wetterauer Zeitung arbeitet, verließ den Zeppelin durch das Fenster, als der etwa zwei Meter über dem Boden schwebte. Durch den Gewichtsverlust gewann das Luftschiff an Höhe. Kurz darauf entzündete es sich vollends, Zeugen hörten die Schreie des Piloten. Dann stürzte der Zeppelin zu Boden.

Noch Kilometer von der Unglücksstelle entfernt war der aufsteigende Rauch zu sehen. Die Wehren aus Reichelsheim, Leidhecken und Bad Nauheim rückten an. Kreisbrandinspektor Otfried Hartmann traf etwa 20 Minuten nach dem Unglück ein. Zu diesem Zeitpunkt waren die Löscharbeiten bereits abgeschlossen. »Wir haben noch Menschen gesucht, weil wir nicht genau wussten, wie viele mitgefahren sind«, sagt Hartmann. Im Anschluss sei das Areal weiträumig abgesperrt worden. Noch am Abend sei die Leiche des Piloten geborgen worden, die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig hat die Ermittlungen aufgenommen. »Die Untersuchungen dauern an«, sagt Polizeipressesprecher Jörg Reinemer. Noch sei nicht klar, ob der Unfall eine technische Ursache habe oder ob ein Fehler vom Piloten vorliege. Ein Team sei vor Ort, um Fakten und Zeugenaussagen zu sammeln, sagt ein Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung auf WZ-Nachfrage. Es werde umfassend ermittelt, zum jetzigen Zeitpunkt könne keine Aussage zur Unfallursache gemacht werden.

Eine »wahre Heldentat«, nennt der Technik-Experte der Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen, Hans-Paul Ströhle, die Aktion des 52-Jährigen. Er habe den erfahrenen Piloten persönlich gekannt. Weil die drei Passagiere ausgestiegen sind, musste das Schiff automatisch in die Höhe steigen. Der Australier habe so zwar die Passagiere gerettet, aber seinen eigenen Tod in Kauf genommen. »Er hat sich geopfert.«

Goodyear hat seine Reklameflüge bis auf Weiteres eingestellt, auch seine Veranstaltungen auf dem Hessentag hat der Reifenhersteller abgesagt.

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