10. Januar 2020, 21:27 Uhr

Wunschpersonal vom Headhunter

10. Januar 2020, 21:27 Uhr
Die Unterschrift vor allem auf Arbeitsverträgen für Leitungspositionen ist in Städten und Gemeinden oft heiß begehrt. FOTO: DPA

Frankfurt/Wiesbaden/Gießen (dpa). Angesichts des Fachkräftemangels greifen Städte und Gemeinden in Hessen auf die Dienste von professionellen Personalvermittlern zurück. Man schalte die Headhunter aber nur in Einzelfällen ein, erklärten Kommunen bei einer Umfrage. Der Hessische Städte- und Gemeindebund (HSGB) hält so einen Schritt durchaus für sinnvoll. »Das ist aber immer die Frage, wie viel man ausgeben muss«, sagte HSGB-Direktor Karl-Christian Schelzke.

Kosten von 50 000 Euro

Personalvermittler sind externe Berater, die vom Arbeitgeber bezahlt werden. Wirtschaftsunternehmen setzen sie ein, um Mitarbeiter für besondere oder Führungspositionen zu finden. Günstig ist der Einsatz von Headhuntern nicht: »Die Kosten für die Beauftragung betragen je nach Einzelfall circa 40 000 bis 50 000 Euro und können je nach Vereinbarung auch etwas höher liegen, wenn etwa die Schaltung von Stellenanzeigen durch die Personalvermittlung erfolgt und uns die Kosten dann in Rechnung gestellt werden«, sagte eine Sprecherin der Stadt Frankfurt. Sie ist die einzige Stadt, die zu Kosten konkrete Angaben macht.

Frankfurt spürt den Fachkräftemangel insbesondere dort, wo die Stadt in direkter Konkurrenz zur freien Wirtschaft steht, wie bei Ingenieuren und Technikern. Dennoch gelinge es in der Regel, fast alle Stellen im Wege einer Ausschreibung zu besetzen. Auf Dienste von Personalvermittlungen sei nur in Einzelfällen zurückgegriffen worden. Dabei handelte es sich um Stellen von Amts- oder Betriebsleitungen, in Ausnahmefällen auch um Stellen von stellvertretenden Leitungen. »Wir sprechen dabei von ein bis zwei Stellenbesetzungen pro Jahr, die von einer Personalvermittlung begleitet werden«, sagte die Sprecherin.

In Kassel sei der Einsatz von Headhuntern in der Vergangenheit nur in besonders gelagerten Einzelfällen erfolgt, erklärte ein Sprecher der nordhessischen Stadt. Dazu gehöre, wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering sei, auf konventionellen Wegen eine ausreichende Anzahl Bewerber anzusprechen. Durch Ausbildung und Qualifizierung könnten freie Stellen in der Verwaltung in der Regel problemlos besetzt werden. Schwieriger werde es im technischen und medizinischen Bereich. Inwiefern man dort auf professionelle Personalvermittler zurückgreifen müsse, werde sich noch zeigen.

Die Konkurrenzsituation zwischen Kommunen sowie Länder- und Bundesbehörden auf der einen Seite und der Wirtschaft andererseits verschärft sich deutlich«, sagte ein Sprecher der Stadt Wiesbaden. Trotzdem greife man auf Personalvermittler »nur sehr selten und in absoluten Ausnahmenfällen« zurück, wenn alle anderen Schritte erfolglos seien. »Die Erfahrungen mit Headhuntern in Bereichen mit schwieriger Personalgewinnung waren in der Vergangenheit zudem wenig zufriedenstellend«, erklärte der Sprecher.

Noch nicht auf die Dienste von Personalvermittlern zurückgegriffen hat Darmstadt. Die Kommune spürt ebenfalls den Fachkräftemangel. »In der Rhein-Main-Region herrscht ein großes Potenzial für geeignete Bewerbungen und eine hohe Konkurrenzsituation aufgrund zahlreicher Arbeitgeber«, erklärte die Stadt.

Nur im Ausnahmefall sind auch in Gießen Headhunter eingesetzt worden: Sie seien bei der Kandidatensuche für Amtsleitungsstellen beauftragt worden, um weitere potenzielle Kandidaten anzusprechen. »Diese mussten dann aber ganz normal das Bewerbungsverfahren durchlaufen«, erklärte eine Sprecherin der Stadt.

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