09. Dezember 2018, 18:30 Uhr

»Ich bin dann mal weg«

Witzigkeit kennt ihre Grenzen

Erst das Buch, dann der Film und nun als Theaterstück: Hape Kerkelings Bestseller »Ich bin dann mal weg« hat seinen Weg auf die Bühne des Landestheaters Marburg gefunden.
09. Dezember 2018, 18:30 Uhr
Die Wut muss raus: Sven Brormann erlebt als Hape Kerkeling auf seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela gute und schlechte Tage. (Foto: Jan Bosch)

Nach einem Hörsturz und der Entfernung der Gallenblase beschließt der Entertainer Hape Kerkeling, 2001 eine Auszeit zu nehmen. Er setzt sich das ehrgeizige Ziel, den Jakobsweg zu gehen – ohne sich recht bewusst zu sein, was er sich da eigentlich vorgenommen hat.

800 Kilometer in 35 Tagen, das bedeutet 20 bis 25 Kilometer am Tag für einen ungeübten Wandersmann. Die Knie schmerzen, die Socken qualmen, die Sonne brennt – doch Kerkeling hält irgendwie durch.

Wanderung mit Grenzerfahrungen

Seine Aufzeichnungen über diese Grenzerfahrung werden 2006 zum Verkaufshit und stehen monatelang an der Spitze der Bestsellerlisten.

Das Marburger Theater macht sich nun ebenfalls auf den Weg und schickt Sven Brormann auf den Camino Francés – mit Wanderstab, elf Kilogramm schwerem Rucksack, einer großen Portion Galgenhumor und jeder Menge philosophischer Betrachtungen.

Tapfer schlägt sich Brormann durch die Textfülle (Dramaturgie: Moritz von Schurer), kann die ein oder andere Pointe zum Schmunzeln setzen, verliert sich aber auch im Nachdenklichen.

Kein schreiend komisches Stück

Wer bei der Inszenierung von Matthias Huber einen schreiend komischen Abend erwartet, ist völlig fehl am Platz. Kerkelings Witzigkeit kennt hier ihre Grenzen – schließlich ist der erfolgreiche Promi auf der Suche nach sich selbst. Und nach Gott.

Huber gibt seinem kernigen Protagonisten zwei Weggefährtinnen an die Hand: Victoria Schmidt und Lisa Grosche, die in allerlei unterschiedliche Rollen schlüpfen müssen.

Einzelgänger auf Selbstfindung

Vor allem aber sind sie Sheelagh (Grosche) aus Neuseeland und Anne (Schmidt) aus England, denen der Einzelgänger auf seinem Selbstfindungstrip immer wieder begegnet und mit denen er dann sogar zusammen die zweite Hälfte bis Santiago de Compostela läuft.

Und: Sie machen Musik! Während Lisa Grosche ihrer Ukulele noch ganz saubere Töne entlockt, stößt Victoria Schmidt mit ihrer Blockflöte an die akustische Schmerzgrenze.

Doch zusammen singen können alle drei ganz prima, besonders als sie beschließen, alle möglichen Grand-Prix-Siegertitel zu intonieren (Musik: Christian Keul).

Schräge Begegnungen unterwegs

Ausstatterin Cleo Niemeyer zaubert auf einen Vorhang immer wieder eine historische Landkarte, projiziert aber mithilfe einer Videokamera auch leicht verzerrte Szenen auf den beweglichen Stoff.

Schräge Begegnungen, die Kerkeling unterwegs hat und deren Sinn wie beim Schamanen Ruco Urco sich nicht auf Anhieb erschließt.

Auf die ein oder andere Einstellung hätte man da durchaus verzichten können – das hätte der unspektakulären Inszenierung von Matthias Huber sicher gut getan.

Wirklich ein schräges Potpourri, das nach der Pause für willkommene Abwechselung sorgt, zieht sich der letzte Teil des Weges doch ziemlich in die Länge.

Info

Kerkelings Erfahrungsbericht

(man). Als Hape Kerkelings ganz persönlicher Erfahrungsbericht »Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg« 2006 erscheint, steht er 103 Wochen lang an der Spitze der »Spiegel«-Bestsellerliste. 2015 folgt dann die Verfilmung mit Devid Striesow in der Hauptrolle. Das Landestheater Marburg hat nun seine eigene Bühnenfassung erstellt, die von Kerkeling autorisiert und am Samstag im Theater am Schwanhof uraufgeführt wurde.

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