05. Juli 2017, 22:00 Uhr

»Wildbienenhotel« eröffnet

05. Juli 2017, 22:00 Uhr
Auf Initiative des Umweltamts sollen hier Bienen künftig Nistplätze finden. (Foto: dpa)

Frankfurt (dpa/lhe). Mit Platz für rund 15 000 Gäste ist es jetzt Frankfurts größte Unterkunft: Gestern hat das erste »Wildbienenhotel« der Stadt eröffnet – entlang von Obstbäumen am Alten Flugplatz im Stadtteil Bonames. Dort sollen die Tiere, die von Monokulturen und Giftstoffen in der Landwirtschaft bedroht sind, künftig Nistplätze finden. Dafür wurden auf Kosten des Umweltamts in fast drei Meter lange Eichenbretter, die in der Form eines Regalsystems angeordnet sind, Tausende von Löchern gebohrt. In den bis zu zehn Zentimeter tiefen Hohlräumen können die Bienen ihre Eier legen oder einfach »übernachten«.

Comeback der Natur

Wildbienen sind mit anderen Insekten für die Bestäubung der Pflanzenwelt extrem wichtig. Rund 70 Prozent ist deren Verdienst, wie der Initiator des Projekts, Andreas Wolf, weiß. Den Rest übernehmen die von Imkern kultivierten Honigbienen. Derzeit sind allein 561 Arten von Wildbienen in Deutschland bekannt: Darunter sind die Gehörnte Mauerbiene und die Glänzende Natternkopf-Mauerbiene, oder die Hahnenfuß- und Glockenblumen-Scherenbienen.

Der Name sagt es: Viele Wildbienen sind Pflanzen zugeordnet. »Existiert die Blume nicht mehr, existiert auch die Biene nicht mehr«, stellt Wolf fest. Was natürlich auch umgekehrt gilt. Inzwischen wird bundesweit vor allem in den Ballungsräumen gegengesteuert. Bedrohte Pflanzenarten und Bienen sollen wieder neue Lebensräume erhalten. Wiesen und Brachen wie am ausrangierten Flugplatz in Bonames an der Nidda werden wieder der Natur überlassen. Auch viele Discounter bieten inzwischen Nisthilfen für Wildbienen an, die jeder auf dem Balkon oder Schrebergarten anbringen kann. Das Comeback der Natur hat der Imkerei in den Großstädten in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom beschert. Die Honigbienen scheinen sich – etwa auf dem Dach des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK) in der Nähe des Römer – weit wohler zu fühlen als auf dem flachen Land. »Das ist eine traurige Entwicklung«, sagt Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) gestern.

Den Wildbienen fehlt es in der industrialisierten Landwirtschaft oft am toten Holz oder Hecken und Sträuchern für ihre Brutplätze. Um möglichst viele Arten von Wildbienen ins »Hotel« zu lotsen, wurden zum Nisten Löcher mit unterschiedlichen Tiefen gebohrt. Die ersten Gäste werden in der Unterkunft im Herbst erwartet, wie Wolf sagt. Richtig »brummen« soll es dann im kommenden Frühjahr.

Für den 19. August verspricht Wolf in Frankfurt eine Weltpremiere. Dann organisiert er einen internationalen Bienen-Wettflug von einem Hochhausturm in der Innenstadt zum MMK, wo seit zehn Jahren zehn Bienenvölker gehalten werden. »Wir steigen in den Rennsport ein.«

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