08. Februar 2018, 21:00 Uhr

Mord

Wie ein hessisches Pärchen zu Serienmördern werden wollte

Ein Pärchen entdeckt die gemeinsame Vorliebe für Horrorstreifen. Fortan streben die beiden Hessen eine Karriere als Serienkiller an. Am Ende steht ein brutaler Mord und eine spektakuläre Flucht.
08. Februar 2018, 21:00 Uhr
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Von DPA
Vor Gericht: Der Angeklagte und seine zehn Jahre ältere Komplizin sollen eine 81-jährige Frau aus Habgier und Mordlust mit elf Messerstichen ermordet haben. (Foto: dpa)

Nach den tödlichen Stichen auf eine 81 Jahre alte Rentnerin aus dem südhessischen Dieburg fühlten sich die Angeklagten laut Gutachter zeitweilig wie das berühmte Verbrecherpaar Bonnie und Clyde. Ein knappes Jahr später würdigen sie sich vor dem Darmstädter Landgericht fast keines Blickes mehr. Die 38 Jahre alte Frau aus Reinheim und ihr zehn Jahre jüngerer Ex-Freund aus Ober-Ramstadt (Kreis Darmstadt-Dieburg) stehen seit gestern wegen gemeinschaftlichen Mordes vor dem Schwurgericht. Zur Anklage äußern sich beide am ersten Verhandlungstag nicht. Dafür haben der Verteidiger der Frau, der psychiatrische Gutachter des Mannes und zahlreiche Zeugen das Wort.

Angeregt von Horrorfilmen und einer Fernsehserie über echte »Killer-Paare« sowie aus Geldnot sollen sich die beiden im März 2017 entschieden haben, Serienmörder zu werden. Als erstes Opfer wählten sie laut Staatsanwaltschaft die dem Angeklagten als großzügig bekannte Rentnerin aus – eine Nachbarin seiner Mutter.

 

 

Ein Mord aus Geldgier

 

Das Paar soll bei der alten Frau im März 2017 geklingelt und in der Wohnung elfmal auf sie eingestochen haben: der Angeklagte von hinten, seine mutmaßliche Komplizin von vorne. Die Frau starb noch am Tatort, kurz zuvor wählte sie offenbar noch schwer atmend den Notruf, konnte aber nicht mehr sprechen.

Der 28-Jährige suchte laut Anklage nach den tödlichen Stichen im Schlafzimmer der Frau unter der Matratze nach Geld, fand aber keins. Die Täter flüchteten anschließend lediglich mit dem Ehering der alleinstehenden Witwe und dem ihres gestorbenen Mannes. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass beide gemeinschaftlich und heimtückisch handelten, vorrangig aus Tötungswillen, aber auch aus Habgier. »Ihr soziales Umfeld war nicht mehr bereit, ihnen Geld zu leihen oder schenken«, sagte Staatsanwalt Nico Kalb.

 

 

Flucht bis nach Spanien missglückt

 

Das arbeitslose Paar hatte sich Anfang 2017 in einer psychiatrischen Klinik in Groß-Umstadt gefunden. Der Angeklagte sei wegen einer schizophrenen Erkrankung behandelt worden, die Frau wegen Depressionen und Alkoholabhängigkeit. Aufgrund ihrer Beziehung hätten sie die Klinik verlassen müssen, seien aber zusammengeblieben. Dabei hätten sie sich regelmäßig Horrorfilme und online die Serie »Killer-Paare« angeschaut und »nach einer Aufwertung ihres erheblich reduzierten Selbstwertgefühls gesucht«, sagte der Staatsanwalt. »Spätestens am Nachmittag des Tattags beschlossen sie, Serienmörder zu werden.«

Am Tag nach der mutmalichen Tat besuchten sie die Mutter des Angeklagten in der Nachbarwohnung des Tatorts und sahen den Ermittlungen der Polizei zu. Schließlich flüchteten sie mit dem Auto der 38-Jährigen über Frankreich nach Spanien. In der südspanischen Hafenstadt Algeciras wurden sie eine Woche später festgenommen und bald darauf nach Deutschland ausgeliefert. Die 38-Jährige werde sich im Laufe des Verfahrens äußern, kündigte ihr Anwalt am Mittwoch an.

 

 

»Elementare Widersprüche« in den Aussagen der Angeklagten

 

Die Anklage stütze sich lediglich auf allgemeine Indizien und Aussagen des Angeklagten, der die Tatbeteiligung seiner Mandantin dabei immer mehr erhöht habe. Die Angeklagte habe ihm zwar bei der Flucht geholfen und sich insofern nicht rechtens verhalten; das Paar sei aber auch nach ihrem Anruf festgenommen worden. Der Angeklagte, der wegen seiner psychischen Erkrankung in der Forensischen Psychiatrie in Haina in Nordhessen untergebracht ist, hatte mehrfach mit dem Gutachter Ernst-Ulrich Vorbach über die Tat gesprochen und diese auch gestanden. Der psychiatrische Sachverständige sprach vor der Strafkammer von »elementaren Widersprüchen«.

So habe der Beschuldigte erst gesagt, seine frühere Freundin sei bei der Tat nicht anwesend gewesen. Später habe er behauptet, sie habe auch zugestochen und er wisse nicht, wer von ihnen beiden die Rentnerin letztlich umgebracht habe. Um einer Auslieferung zu entgehen, hätten sie nach der Tat nach Afrika fliehen wollen. Auf dem Weg dorthin hätten sie sich wie Bonnie und Clyde gefühlt.



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