16. Oktober 2017, 20:26 Uhr

Wider den Verpackungsmüll

Müsli aus dem Spender, Fleisch in die Tupperdose: Vor einem Jahr eröffnete der erste Unverpackt-Laden in Hessen, mittlerweile nimmt das Konzept landesweit zu. Gerade hat auch ein Bioladen in Wetzlar eine Unverpackt-Abteilung eröffnet.
16. Oktober 2017, 20:26 Uhr
Eigenes Gefäß mitbringen, mit dem gewünschten Produkt befüllen, kaufen: So funktioniert das Konzept von Unverpackt-Läden wie der »Butterblume« in Kassel oder im »Bioladen +« in Wetzlar. (Foto: dpa)

Einkaufen ohne Plastikmüll – für diesen Traum hängte Helen Neuwirth ihr Architekturstudium an den Nagel, sammelte 33 000 Euro über das Internet und trägt nun mit 22 Jahren die Verantwortung für ein Geschäft mit zwei Mitarbeitern. »Butterblume« heißt es. Der Laden in Kassel bietet lose Lebensmittel an. Wer einkaufen will, muss sich sein Gefäß selber mitbringen oder ein Mehrwegglas kaufen.

Vor einem Jahr kam der Trend nach Hessen. In Wiesbaden ging das wohl erste Unverpackt-Geschäft an den Start. Den Laden gibt es heute noch und es laufe gut, sagen die Inhaber. Mindestens vier weitere Geschäfte gibt es mittlerweile in Hessen, gerade hat ein Bioladen in Wetzlar eine Unverpackt-Abteilung eingeführt. Eine verlässliche Statistik fehlt aber, Internetportale und der Naturschutzbund NABU versuchen die Informationslücke noch zu schließen. Wie dogmatisch das Unverpackt-Konzept umgesetzt wird, ist Sache der Inhaber. Regionalität, Bio und keine Verpackung – das sind für Neuwirth die wichtigsten Kriterien. »Eingehalten wird das aber nur beim Brot – da stimmt alles«, sagt die 22-Jährige. Sonst sind Kompromisse nötig: Spül- und Putzmittel gibt es zwar im Spender zum Abfüllen. Aber angeliefert werden sie in der 20-Liter-Großpackung. Immerhin sei das Verhältnis von Verpackung zu Inhalt besser als bei handelsüblichen Verpackungen, erklärt die ehemalige Studentin.

Standards für Unverpackt-Läden gibt es nicht, bestätigt Katharina Istel, Referentin für nachhaltigen Konsum beim Naturschutzbund NABU. »Die Kunden müssen selbst entscheiden, was sie seriös genug finden«, erklärt sie. Unverpackt-Läden hätten zwar keine so hohe Bedeutung für den Massenmarkt wie die Bio-Welle. Dennoch hoffe man, dass der Trend Impulse für konventionelle Anbieter gebe. Einige Supermärkte würden beispielsweise beim Käse den Verkauf in mitgebrachte Behälter akzeptieren.

Nischenangebot

Dass Supermärkte mit ihren Obst- und Gemüseabteilungen quasi die ersten Unverpackt-Läden waren, betont Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels. Man könne aber voneinander lernen. »Dort, wo sich die Angebotskonzepte in die Warenpräsentationsstrukturen und die Arbeitsabläufe des klassischen stationären Lebensmitteleinzelhandels überführen lassen, kann es durchaus auch zu Ideentransfers bei anderen Warengruppen kommen«, sagt er. Beispielhaft sei der Verkauf von Trockenprodukten wie Nudeln und Müsli aus Spendern.

Sowohl NABU als auch Lebensmittelhandel rechnen damit, dass der Trend zu verpackungslosen Einkäufen anhält. Trotz des Wachstums handele es sich laut Böttcher um ein Nischenangebot: »Bei circa 38 000 Lebensmittelgeschäften in Deutschland, machen die Unverpackt-Läden nur einen Bruchteil aus«, sagt er.

Gerade mal 13 000 Einwohner hat Lorsch im Landkreis Bergstraße – aber seit Anfang Oktober einen Unverpackt-Laden. »Ich habe selbst versucht, ohne Plastik einzukaufen«, sagt Inhaberin Sabrina Machleid. Doch die nächsten Läden seien in Mainz und Darmstadt gewesen. Und da hinzufahren, habe ökologisch keinen Sinn. Kurzerhand eröffnete Machleid einen eigenen Laden.

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