Hessen

Wenn die Bahn stehen bleibt

Kassel (dpa/lhe). Schlechte Arbeitsbedingungen und zu wenig Personal sind nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi bundesweit zu einem Problem für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geworden. Man beobachte Ausfälle in erheblichen Größenordnungen, sagte Mira Ball, Bundesfachgruppenleiterin bei Verdi, im Vorfeld der ÖPNV Betriebs- und Personalrätekonferenz in Kassel. »Die Entwicklung hat mit der dünnen Personaldecke zu tun, die Folge des Sparzwangs der vergangenen 20 Jahre ist.«
13. Juni 2019, 22:33 Uhr
DPA

Kassel (dpa/lhe). Schlechte Arbeitsbedingungen und zu wenig Personal sind nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi bundesweit zu einem Problem für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geworden. Man beobachte Ausfälle in erheblichen Größenordnungen, sagte Mira Ball, Bundesfachgruppenleiterin bei Verdi, im Vorfeld der ÖPNV Betriebs- und Personalrätekonferenz in Kassel. »Die Entwicklung hat mit der dünnen Personaldecke zu tun, die Folge des Sparzwangs der vergangenen 20 Jahre ist.«

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen bestätigt die Personalsituation, die Schuld sei aber nicht bei den Unternehmen zu suchen. Laut Verdi arbeiten bundesweit 130 000 Beschäftigte bei ÖPNV-Unternehmen, 50 000 weitere bei Subunternehmen. Das seien weniger als früher. »Wir haben 18 Prozent weniger Personal als vor 20 Jahren, aber 24 Prozent mehr Fahrgäste«, sagte Ball. Zudem hätten die häufigen Ausfälle mit den Arbeitsbedingungen zu tun: »Da gibt es unglaublich eng getaktete Dienste, zugleich nimmt der Verkehr immer mehr zu.« Das Fahrzeug müsse in erster Linie fahren »und dann schaut man, wie man da innerhalb der gesetzlichen und vertraglichen Regelung das Personal draufsetzt«. Beispielsweise könne nach viereinhalb Stunden ein Fahrer erst auf die Toilette gehen. Ist die Planung aber zu eng, könne es sein, »dass durch Verspätungen diese Pause verkürzt wird oder ganz entfallen muss«. Laut Verdi sind die Belegschaften überaltert. 40 Prozent seien über 50 Jahre. Doch bereits jetzt gebe es auf dem freien Markt keine Busfahrer. »Wenn in den nächsten 15 Jahren die Hälfte der Belegschaft erneuert werden muss, müssen die Arbeitsbedingungen attraktiver werden.« Auch der Umstieg auf E-Busse habe Folgen: Es fehlten Elektroniker. Und weil Subunternehmer keine Elektrowerkstätten hätten, fließe mehr Arbeit zurück in die ÖPNV-Unternehmen.

»Die Schuld bei den Unternehmen zu suchen, ist aber nicht ganz fair«, erklärte Lars Wagner, Sprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen. Die Personaldecke sei dünn geworden, weil Städte und Gemeinden in der Vergangenheit auf die Kosten geachtet hätten.

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