02. Juni 2020, 21:41 Uhr

Wenn das Internet nicht läuft

02. Juni 2020, 21:41 Uhr
Schnelle Breitbandverbindungen sind in der ländlichen Idylle teils noch nicht angekommen. FOTO: DPA

Wiesbaden - Grüne Wiesen, weite Felder, große Wälder - und schlechtes Internet. Schnelle Breitbandverbindungen sind in der ländlichen Idylle teils noch nicht angekommen. »Der aktuelle Bedarf in Hessen ist weitgehend gedeckt«, sagt Georg Matzner vom Digitalministerium. Über 90 Prozent hätten Zugang zu schnellem Internet. Bei rund zehn Prozent ist das allerdings demnach noch nicht möglich. Besonders zeigt sich das in den Zeiten von Corona, denn das alltägliche streamen, Online-Unterricht oder Videokonferenzen sind dann kaum möglich. Der Vogelsbergkreis ist besonders betroffen. Wie gehen Kommunen im Landkreis damit um?

»Wenn wir die Glasfaser nicht in jedes Haus bekommen, dann haben wir auf dem Land verloren«, erklärt der Bürgermeister von Grebenhain, Sebastian Stang (parteilos). Rathaus und auch Schule »pfeifen aus dem letzten Loch«, was das Internet angeht. In manchen Ortsteilen sei die Verbindung teilweise noch schlechter. »Bei der derzeitigen Homeoffice-Situation ist das eigentlich untragbar«, berichtet er. Dabei gebe es auf dem Land in einer Pandemie gute Voraussetzungen. »Unsere Bevölkerung hat die Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen.«

Das Digitalministerium in Hessen kennt die Probleme. »Der Vogelsbergkreis ist der Landkreis in Hessen mit der geringsten Einwohnerdichte«, sagt Georg Matzner, zuständiger Referatsleiter im Ministerium. »Und zweitens ist er wegen dem Untergrund äußerst schwierig auszubauen«, erklärt er weiter. »Im Vogelsberg haben sie Vulkangestein - der Ausbau ist schon ziemlich aufwendig, da die Leitungen durch das Gestein verlegt werden müssen.«

Staatliche Förderprogramme laufen, seien jedoch auch bürokratisch - das kostet Stang zu viel Zeit. »Diese ganze Digitalförderung ist einfach viel zu kompliziert, viel zu langwierig, um diesen Ausbau voranzutreiben«, sagt der Bürgermeister. »Die Politik muss sich endlich drum kümmern, dass der Druck auf die freie Wirtschaft - auf die Telekommunikationsunternehmen - da ist.«

Auch andere Kommunen im Vogelsbergkreis müssen mit schlechter Internetverbindung umgehen. »Also in Ohmes ist es so, dass da noch kein Breitbandanschluss ist und auch kein Handyempfang«, sagt Bürgermeister Dietmar Krist (CDU). Ohmes ist ein Ortsteil der kleinen Vogelsberg-Kommune Antrifttal. Hier werde bereits Breitband verlegt. Doch auch der Bürgermeister kennt die Probleme: »Wir sind ein Fünf-Personen-Haushalt, wenn da die drei Kinder im Netz sind und man will dann noch arbeiten, dann bricht das Netz zusammen.«

Unternehmen sehen keine Probleme

Eine Datenübertragung von zwei bis drei Megabit pro Sekunde gebe es teilweise in Lautertal. »Das kann bestenfalls eine Übergangslösung sein«, meint Dieter Schäfer (parteilos), der Bürgermeister der Gemeinde . Ein Ortsteil sei schon ans Breitband angeschlossen, die anderen sechs würden im Laufe des Jahres nachziehen. Dann seien bis zu 50 Megabit möglich. Das reicht, um Serien zu streamen und Videokonferenzen zu halten.

Die Kommunen scheinen sich insgesamt an die schlechte Internet-Situation gewöhnt zu haben. Es gebe kaum Beschwerden der Einwohner in der Corona-Krise. »Wenn das ganze Ding zusammenbricht, dann nimmt man sich ein ›Uno‹ oder ›Memory‹ oder ›Mensch ärgere Dich nicht‹ und lässt es halt mal sein«, berichtet Steffen Schneider von der Verwaltung in Grebenhain.

Auch die Unternehmen haben nach Angaben des Hessischen Industrie- und Handelskammertags (HIHK) keine Probleme. »Es scheint kein Thema zu sein unter den Unternehmern«, erklärt ein Sprecher. »Das heißt natürlich nicht, dass nicht irgendwo irgendein Unternehmer in Hessen Schwierigkeiten hat«. In der Gesamtübersicht sei es allerdings derzeit kein Thema.

Vielmehr scheint die Problematik darin zu liegen, junge Unternehmer in die dünn besiedelte Gegend zu ziehen - auch außerhalb der Corona-Krise. Grund sei die schlechte Internet-Anbindung. Diese Entwicklungen würden gebremst, »tot gemacht«, dadurch dass die Telekommunikationsunternehmen und der Staat es nicht schaffen, das Internet ins flache Land zu bringen, beschwert sich Bürgermeister Stang aus Grebenhain. Die Gemeinde böte viele Freiheiten, günstige Bauplätze und Lebensraum, doch Jungunternehmer entschieden sich wegen der schlechten Internetverbindung trotzdem dagegen. Doch die Kommunen geben die Hoffnung nicht auf. Bei vielen werde bis spätestens Ende des Jahres das Breitband ausgebaut.

»Noch ist die Internet-Verbindung nicht optimal, um nicht zu sagen schlecht«, sagt der Bürgermeister in Ulrichstein, Edwin Schneider (parteilos). »Ich rechne damit, dass wir bis Ende des Jahres erschlossen sein werden.« dpa

Schlagworte in diesem Artikel

  • CDU
  • Dietmar Krist
  • Internetzugriff und Internetverbindung
  • UNO
  • Unternehmen im Bereich Telekommunikation
  • Videokonferenzen
  • Wald und Waldgebiete
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen