05. Dezember 2018, 21:02 Uhr

Weihnachten

Weihnachtsbeleuchtung in Hessens Innenstädten: Ohne Solidarität wird es dunkel

Tausende Lampen verwandeln Hessens Innenstädte in stimmungsvolle Lichtermeere. Finanziert wird die Pracht oft von den ansässigen Händlern. Doch die Solidarität in einigen Einkaufsstraßen bröckelt.
05. Dezember 2018, 21:02 Uhr
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Von DPA
Die Weihnachtsbeleuchtung in der Kasseler Innenstadt soll am Samstagabend ab 19 Uhr für eine Stunde abgeschaltet wird. (Foto: Uwe Zucchi (dpa))

Für Kassels wichtigste Einkaufsmeile sieht die Zukunft düster aus – zumindest am Samstag ab 19 Uhr. Dann soll auf der Königsstraße die Weihnachtsbeleuchtung für eine Stunde ausgehen. Den Strom stellen die ab, die ihn bezahlen: Die City Kaufleute Kassel wollen mit der Aktion ein Zeichen setzen. »Wir wollen zeigen, wie wichtig die Weihnachtsmarktbeleuchtung ist und wie die Innenstadt ohne sie aussieht«, sagt Vorsitzender Alexander Wild.

Der Verein sorgt Jahr für Jahr dafür, dass Kassels Innenstadt weihnachtlich leuchtet. 70 000 Euro kosten Strom, Instandhaltung und Lagerung. Finanziert wird es von den Einzelhändlern mit Unterstützung der Stadt und der Städtischen Werke – freiwillig, ohne vertragliche Verpflichtung. Doch die Solidarität im Handel bröckelt. Die Geldgeber werden weniger, die Hälfte der Kosten muss der Verein aus eigenen Mitteln beisteuern.

Auf Hessens größter Einkaufsstraße – der Frankfurter Zeil – fällt die Weihnachtsbeleuchtung schon das zweite Jahr in Folge komplett aus. Grund dafür sei die Finanzierung der neuen Dekorationsmotive, die in diesem Jahr nicht zustande gekommen sei, sagte Jan Dustmann vom Verein »Neue Zeil«: »Die Dekoration der Zeil geschieht auf freiwilliger Basis. Anlieger, die eine Weihnachtsbeleuchtung möchten, müssen sie auch selbst finanzieren können. Sonst gibt es keine.«

Von 2013 bis 2016 funkelten noch Sterne und Lichterketten an Stahlseilen, die über die Zeil gespannt waren – dann ging die Beleuchtung kaputt. Schon im vergangenen Jahr habe sich der Verein, der sich aus Kaufleuten und Unterstützern zusammensetzt, dazu entschieden, die alte Dekoration nicht mehr aufzuhängen. Stattdessen sollten neue Motive her. Wer wie viel von den Kosten für die neue Beleuchtung übernimmt, darauf konnten sich Anlieger nicht einigen.

In Darmstadt ist eine Zusammenarbeit der Händler mit Unterstützung der Stadt gelungen: Darmstadts Wilhelminenstraße hat in diesem Jahr erstmalig wieder eine neue Weihnachtsbeleuchtung erhalten. An Seilen über der Einkaufsstraße in der Innenstadt leuchten lange LED-Lichterketten. Rund 20 000 Euro habe die Neugestaltung allein in diesem Jahr gekostet. Zehn neue Mitglieder und weitere Unterstützer wurden auf Initiative des Citymarketings, der Anrainergeschäfte und der Stadt dazu gewonnen.

In Gießen zahlen die Hauseigentümer die Weihnachtsbeleuchtung in der Fußgängerzone. Die Eigentümer haben sich zu sogenannten BID-Quartieren (Business-Improvement-District) zusammengeschlossen, um die City attraktiver zu machen. Der Lichterglanz sei Teil eines ganzheitlichen Konzeptes der BIDs, sagt Markus Pfeffer, der Geschäftsführer des Quartiers Seltersweg. Die jährlichen Investitionen – von Weihnachtslichtern über Alltagsbeleuchtung bis hin zur Begrünung – belaufen sich demnach auf etwa 350 000 Euro.
In Wiesbaden ist die Weihnachtsdekoration in der Fußgängerzone und in der Wilhelmstraße vor zehn Jahren eine einmalige Gemeinschaftsinvestition gewesen. Die Kosten für die Anschaffung haben sich die Gemeinschaft der Kaufleute und die Stadt geteilt. Die Kosten für Auf- und Abbau, Strom sowie die Lagerung trage Wiesbaden Marketing.



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