Hessen

Was kostet die Klassenkasse?

Ausflüge, Feiern oder Klassenfahrten: Da muss gespart werden – in vielen Fällen auf einem gemeinsamen Klassenkonto. Doch Augen auf bei den Gebühren: Das kann im Zweifelsfall teuer werden.
23. November 2017, 09:00 Uhr
Rüdiger Geis
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Seit Juli können Schulen und Klassen leichter Girokonten einrichten. Doch sollte man sich vorher gut informieren. Nicht alle Banken bieten diesen Service an und nicht bei allen Geldinstituten ist er kostenlos. (Foto: dpa)

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wirkt sich oft direkt im Geldbeutel des kleinen Mannes aus. Da die Zinsen im Keller sind, suchen Banken nach anderen Einnahmemöglichkeiten. Da kursierten schon mal Ideen für sogenannte Negativzinsen, sprich Zinsen, die der Sparer für sein Guthaben bezahlt – statt solche von der Bank zu bekommen. Konkrete Folge aber ist eine von manchen Banken schon geänderte Gebührenpolitik. Buchungen und Kontoführung werden letztlich teurer.

 

3500 Euro Gebühren pro Jahr

 

Das musste kürzlich die Frankfurter Carl-Schurz-Schule erleben, wie Hessenschau.de berichtete. Laut Schulleiter fielen bei der Frankfurter Sparkasse monatlich 7,90 Euro Gebühren an. Und für jede Buchung wurden extra 39 Cent fällig. Bei etwa 30 Klassenfahrten im Jahr würden so rund 3500 Euro an Gebühren anfallen, rechnete er vor. Geld, das die Schule anderweitig besser einsetzen könne.

 

Neue Richtlinie in Hessen

 

Hintergrund für solche Schulkonten ist eine seit Juli geltende neue Richtlinie des Landes Hessen. Damit soll eine »unbürokratische und flexible Mittelbewirtschaftung« der Schulen erleichtert werden. Neu dabei ist, dass diese nun auch Klassenkonten einrichten können. Wie sieht das nun in der Praxis bei Geldinstituten in der Region aus? Am einfachsten beantwortet sich die Frage bei der Deutschen Bank: Sie führt solche Schulkonten überhaupt nicht.

 

Online-Führung kostenfrei

 

Bei den Sparkassen gibt es diese Möglichkeit dagegen, analog zur neuen Richtlinie. Sie müssen auf einen bevollmächtigten Schulbediensteten – in der Regel ist dies der Schulleiter oder ein Lehrer – laufen, erklärt Bernd Kunzelmann, Sprecher der Sparkasse Oberhessen in Friedberg.

Ebenso können Kunden (Schüler oder Elternteil), wenn sie eine persönliche Bankverbindung zur Sparkasse haben, als Privatpersonen zusätzlich ein Klassenkonto als Privatgirokonto einrichten, während Lehrer dies explizit nur als Geschäftsgirokonto können, teilt die Sprecherin der Sparkasse Gießen, Silke Ackermann mit.

 

Angebote ohne Zusatzkosten

 

Beide Sparkassen bieten den Schulkontenservice (Privat- oder Geschäftsgiro) kostenfrei an – das Friedberger Geldinstitut zumindest dann, wenn das Konto online geführt wird. Ansonsten kostet es 2,50 Euro im Monat. Auch die Volksbank Mittelhessen hat diesen Service ohne Berechnung einer Grundgebühr oder Buchungsgebühren im Angebot.

Die Formalitäten: Das Konto wird auf das Land Hessen eröffnet, wobei der Name der Schule als Zusatz angegeben wird. Eine Eröffnung ist als Konto für Landesmittel, für Drittmittel oder als Konto für einzelne Klassen möglich. Schulleitung und Bevollmächtigte müssen sich – wie gesetzlich vorgeschrieben – legitimieren. Hierfür nennt Volksbank-Sprecher Dennis Vollmer: eine Kopie der Ernennungsurkunde und ein Legitimationspapier des Schulleiters sowie Unterschrift und Dienststempel

Bei der Commerzbank in Frankfurt ist der Service für Schulen bzw. Klassen ebenfalls im Programm. Je nachdem, welches Kontomodell als Klassenkonto ausgewählt wird, fallen auch Gebühren an. »Hier würde sich zum Beispiel unser KlassikKonto mit einem monatlichen Pauschalentgelt von 4,90 Euro eignen. In diesem Konto sind alle Zahlungsverkehrsdienstleistungen enthalten. Es fallen keine weiteren Kosten an«, erklärt Pressesprecherin Marion Uerlings.

Unterschiedliche Konten

Neue Richtlinie

(rüg). Für eine unbürokratische und flexible Mittelbewirtschaftung haben Schulleiterinnen und Schulleiter bereits seit dem Jahr 2009 die Möglichkeit, im Namen des Landes Hessen ein Girokonto bei einem Kreditinstitut zu eröffnen und auf Guthabenbasis zu führen, teilt das hessische Kultusministerium auf seiner Internetseite mit. Diese Richtlinie wurde novelliert und ist seit Juli in neuer Fassung in Kraft. Ziel der Überarbeitung ist, eine für Schulen praxistaugliche und rechtssichere Anwendung mit einem geringen Verwaltungsaufwand zu gewährleisten. Künftig werden nachstehende Bankkonten unterschieden, die Schulen im Namen des Landes eröffnen und führen können:
- jeweils ein Schulgirokonto für die Verwaltung von Landesmitteln.
- Schulgirokonten für die Verwaltung von Drittmitteln.
- Neu wurde die Einrichtung von Schulgirokonten für die Verwaltung von Mitteln einer Klasse oder Kurses als Sonderform der Drittmittelkonten zugelassen. Auf Schulgirokonten im Namen des Landes dürfen keine Mittel verwaltet werden, die in die Zuständigkeit der Schulträger (zum Beispiel Landkreise) fallen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/Hessen-Was-kostet-die-Klassenkasse;art189,350404

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