23. Februar 2017, 09:00 Uhr

Fernsehen

Was das neue DVB-T2-Fernsehen für die Region bedeutet

Stellen Sie sich vor, Sie schalten den Fernseher ein – und der Bildschirm bleibt schwarz. Das kann ab dem 29. März passieren, wenn Sie Ihr Signal terrestrisch über Antenne empfangen.
23. Februar 2017, 09:00 Uhr
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Von Gerd Chmeliczek
In der Nacht zum 29. März wird das Signal von DVB-T auf den neuen Standard DVB-T2HD umgestellt. (Foto: dpa)

DVB-T2HD bietet die Ausstrahlung in Full-HD und mehr Programme (rund 40 in den Ballungsräumen). Gründe für die Einführung: Hochauflösende Fernseher haben die Nachfrage nach HD-Inhalten wachsen lassen. Zudem wurde ein Teil der bisher für DVB-T genutzten Frequenzen von der Bundesnetzagentur zugunsten des Mobilfunks versteigert. DVB-T2HD ist eine Initiative von ARD, den Medienanstalten, der Mediengruppe RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 Media AG, VPRT und ZDF. Seit dem 31. Mai 2016 werden die Sender Das Erste, RTL, ProSieben, SAT.1, VOX und ZDF bereits im neuen DVB-T2HD-Standard unter anderem auch im Rhein-Main-Gebiet, ausgestrahlt – parallel zu DVB-T. Künftig werden viele Privatsender nur noch verschlüsselt zu empfangen sein. Hierfür benötigt der Zuschauer ein kostenpflichtiges Abo sowie die passenden Geräte – einen Receiver mit eingebautem Decoder oder ein Decoder-Modul. Für Fernsehzuschauer, die ihre Programme über Kabel, Satellit oder über das Internet beziehen, ändert sich nichts. Fragen und Antworten:

Was ändert sich am 29. März für die Fernsehzuschauer auch in den Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg?

»Alle DVB-T-Nutzer, die ihre Programme aus Frankfurt beziehungsweise der Region Rhein-Main empfangen, benötigen ab diesem Tag ein DVB-T2HD-fähiges Empfangsgerät«, erklärt Veit Olischläger, Leiter des Projektbüros DVB-T2HD Deutschland in München, auf Anfrage. DVB-T endet zu diesem Zeitpunkt an den Standorten Frankfurt, Großer Feldberg, und Hohe Wurzel. Ab diesem Tag sind dann rund 40 öffentlich-rechtliche und private Programme in HD-Auflösung empfangbar. Der Standort Rimberg ist ein Sonderfall. »Als Faustregel gilt: Jeder, der private Programme über Antenne empfängt, ist von dieser Umstellung betroffen«, sagt Olischläger.

Entstehen mit der Einführung des neuen Standards weitere Kosten für den Verbraucher?

Ja, wenn man auch die Privaten sehen möchte. »Die öffentlich-rechtlichen Programme sind frei und ohne laufende Zusatzkosten zu empfangen. Die Kosten für die terrestrische Verbreitung werden aus dem Rundfunkbeitrag gedeckt. Der größte Teil der HD-Programme privater Veranstalter sind ausschließlich im Programmpaket von freenetTV gegen eine Jahresgebühr von 69 Euro empfangbar«, erklärt Olischläger. Jeder Freenet-Kunde erhält eine dreimonatige Gratisphase. Freenet ist der einzige Anbieter.

Wo können sich Verbraucher informieren, ob sie nun handeln müssen?

Wer Fernsehen per DVB-T sieht, wird mit Texteinblendungen im unteren Teil des Fernsehbildes auf die Umstellung hingewiesen. Außerdem kann man bei ARD oder RTL auf der Teletext-Seite 199 herausfinden, ob man TV per Antenne empfängt. Wer von der Umstellung betroffen ist, kann sich beim Fächhändler vor Ort erkundigen, oder unter anderem online auf der Internet-Seite des Projektbüros unter www.DVB-T2HD.de weitere Informationen holen. Hier gibt es darüber hinaus einen Empfangs-Check auf Postleitzahlenbasis. Dort erfahren die Verbraucher auch, ob sie eine Zimmer-, eine Außen- oder eine Dachantenne benötigen, um den neuen Standard empfangen zu können. In Gießen beispielsweise ist laut Portal ab dem 29. März eine Außenantenne für die öffentlich-rechtlichen und eine Dachantenne für die privaten Sender notwendig. Für Friedberg erklärt das Portal: Zimmerantenne für die Öffentlich-Rechtlichen, Außenantenne für die Privaten. In beiden Fällen kommt das Signal aus dem Rhein-Main-Gebiet. In Alsfeld sieht die Sache noch einmal anders aus: Zimmerantenne für öffentlich-rechtliche Sender, für die Privaten steht ab Ende März noch kein Angebot zur Verfügung.

»Der Ausbau ist für Herbst 2017 geplant«, heißt es da. Für Alsfeld und Umgebung kommt das Signal vom Standort Rimberg. Der wird ebenfalls zum 29. März auf DVB-T2HD umgestellt und liefert somit Fernsehbilder fortan in HD-Qualität – aber nur die der Öffentlich-Rechtlichen. Das ist keine Änderung zum Status quo: Die Privaten waren über den Rimberg sowieso nicht per Antenne zu empfangen. Ab Herbst 2017 wird laut Olischläger das volle Programmangebot auch im Bereich Kassel von den Standorten Habichtswald und Hoher Meißner im neuen Standard verbreitet. Dieses sei dann mit Außen- beziehungsweise Dachantennen auch im Vogelsbergkreis zu empfangen.

Müssen sich die Verbraucher, die betroffen sind, neue Geräte anschaffen?

Ja. Um weiter über die Antenne fernsehen zu können, seien geeignete Empfangsgeräte erforderlich, sagt Olischläger vom Projektbüro. Das könne entweder eine Set-Top-Box (also ein Receiver) sein, mit der »alte« Fernsehgeräte DVB-T2HD-fähig gemacht werden, oder aber ein Flachbildfernseher mit integriertem DVB-T2HD-Empfangsteil. Beide Gerätetypen nutzen als Orientierungshilfe das grüne DVB-T2HD-Logo.

Für den Empfang der verschlüsselten Programme ist von Beginn an – je Empfangsgerät – ein zusätzliches Entschlüsselungsmodul (CI+-Modul, rund 80 Euro) erforderlich, das direkt in geeignete Fernseher oder Set-Top-Boxen einzusetzen ist. Alternativ gebe es auch Set-Top-Boxen mit integrierter Entschlüsselung, die laut Olischläger die günstigere Lösung darstellen. Die Deutsche TV-Plattform hat eine Liste von Geräten veröffentlicht, die für den Empfang des neuen Angebots in Deutschland geeignet sind (www.tv-plattform.de/de/dvb-t2-hd-geraeteliste ). DVB-T2HD-fähige Set-Top-Boxen mit dem grünen Logo gibt es ab etwa 60 Euro, Fernseher ab wenigen Hundert Euro. Auch der Sendenetz- und Plattformbetreiber freenetTV bietet einen entsprechenden Gerätecheck an. Zahlreiche Anbieter haben zudem die neuen Empfangsgeräte unter die Lupe genommen und getestet.

Muss es in jedem Fall ein neuer Fernseher sein?

Nein. Grundsätzlich könne der Fernseher nach der Umstellung weiterverwendet werden, heißt es beim Informationsportal. Er muss lediglich einen passenden Signaleingang für den DVB-T2-Empfänger aufweisen. Allerdings muss der Fernseher HD-fähig sein, wenn man die Programme auch in Full-HD-Auflösung schauen möchte. Nicht alle älteren Modelle können die hohe Auflösung anzeigen.

Worauf muss ich beim Kauf eines Receivers noch achten?

Kaufen Besitzer eines HbbTV-fähigen Fernsehers einen Receiver für DVB-T2HD, sollten sie laut Projektbüro darauf achten, dass auch der Empfänger die Technik beherrscht. Sei dies nicht der Fall, könne man beim Empfang des neuen Standards die Online-Zusatzdienste zum Fernsehprogramm auch dann nicht nutzen, wenn der Fernseher sie eigentlich unterstütze.

Welche Programme können über DVB-T2HD empfangen werden?

Laut Projektbüro kommen neben den bundesweiten öffentlich-rechtlichen Programmen (Das Erste, ZDF, 3sat, arte, phoenix, usw.) regional unterschiedlich weitere dritte Programme hinzu (siehe unten). Auf der freenet-TV-Plattform werden die Programme der Mediengruppe RTL Deutschland (RTL; VOX, RTLII, n-tv, usw.), der ProSiebenSat.1 Media SE (ProSieben, SAT.1, kabel eins, sixx, usw.) und weitere mit dabei sein. Nähere Angaben gibt es unter www.dvb-t2hd.de/programme.

Wofür steht das grüne DVB-T2HD-Logo auf den Geräten?

Das Logo steht laut Projektbüro im Wesentlichen für die Kombination des neuen digitalen terrestrischen TV-Übertragungsstandards (DVB-T2) und des ebenfalls neuen Standards zur Videokompression (HEVC oder auch H.265). Geräte, die lediglich H.264 decodieren können, sind nicht für DVB-T2- HD geeignet. DVB-T2HD-Empfänger sind in der Lage, auch DVB-T-Programme zu empfangen (jedoch nicht umgekehrt).

Was ist mit der Antenne, die ich derzeit nutze?

Bisher für DVB-T genutzte Antennen können laut Informationsportal in der Regel weiterverwendet werden. Auch beim Kauf von Antennen diene das grüne DVB-T2HD-Logo zur Orientierung.

Was passiert mit den dritten Programmen?

Bei den dritten Programmen ist Hessen quasi zweigeteilt. In Südhessen werden Angeboten von HR, BR, SWR, RBB und NDR zu sehen sein. Für den Norden: HR, MDR, SWR, WDR und NDR. Und was trifft für Mittelhessen zu? HR-Pressesprecher Christian Bender erklärt dazu auf Anfrage, dass die Teilnehmer in der Wetterau und im Landkreis Gießen am ehesten das Südsignal vom Großen Feldberg empfangen werden. Im Vogelsbergkreis werde es das Nordsignal vom Sender Rimberg sein. Da die Landkreise aber alle zwischen Großem Feldberg und Rimberg liegen, könne es in Einzelfällen je nach Wohn-, Empfangsort oder Ausrichtung der Dachantenne sein, dass man beide Signale empfängt, oder den jeweils anderen.

Wie steht es um andere Empfangswege?

Wie bereits ausgeführt, sind Nutzer von Kabel oder Satellit nicht von der Umstellung des Antennenfernsehens betroffen. Sie bilden darüber hinaus – wie IPTV – Alternativen zum neuen Standard. Allerdings wird sich in diesem Jahr auch für manche Kabelkunden mit älteren Fernsehgeräten etwas ändern: Sie könnten in Hessen ab Mitte Juni in die Röhre gucken, sofern sie nicht auf eine modernere Technik umstellen. Der Netzbetreiber Unitymedia schaltet in Hessen nach eigenen Angaben am 13. Juni das analoge TV-Signal ab, das bislang noch parallel zum digitalen Weg verbreitet wird. In Hessen sollen es nach Angaben eines Unitymedia-Sprechers nur sehr wenige Kunden sein, die von der Abschaltung betroffen sind.

Gibt es auch USB-Sticks für den neuen Standard?

Für den Empfang der öffentlich-rechtlichen (unverschlüsselten) Programme gibt es nach Angaben des DVB-T2-HD-Projektbüros diverse USB-Sticks auf dem Markt. Für den Empfang auch der privaten Programme, bietet freenet TV einen USB-Stick an. Im ersten Schritt ist dieser Stick nur mit Windows einsetzbar. Mitte 2017 soll eine iOS-Version hinzukommen.

Wie viele Haushalte sind von der Umstellung betroffen?

Laut dem Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten von 2016 empfangen rund 3,4 Millionen Haushalte in Deutschland Fernsehen über DVB-T.



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