07. Dezember 2011, 08:43 Uhr

Visagistin nach Istanbul gelockt und ausgenommen

Bad Nauheim (lk). Ihr wurde ein gut bezahltes Job-Angebot in Istanbul unterbreitet und sie nahm an. Nicht einmal 24 Stunden später saß die Bad Nauheimer Visagistin Christina Kalweit-Stärz ohne einen Cent in der Tasche in einem Fast-Food-Restaurant in der Nähe des Bosporus.
07. Dezember 2011, 08:43 Uhr
Ihr Reisepass ist das Einzige, was die Betrüger der Visagistin Christina Kalweit-Stärz gelassen haben. (Foto: lk)

Ihr Koffer samt Kleidung, Laptop und Kamera war weg. Gleiches galt für ihre Handtasche, in der sich Handy, Führerschein, Kreditkarte, Schmuck und der Ehering befanden. Christina Kalweit-Stärz wurde Opfer eines Betrugs.

Auf den ersten Blick wirkte alles seriös

Nicht ganz zwei Wochen ist es her, dass die Bad Nauheimerin in die Türkei aufbrach. Anfangs schien alles harmlos. Über die Internet-Plattform »Wer-kennt-wen?« wurde sie gefragt, ob sie kurzfristig für ein Foto-Shooting in Istanbul frei sei. Kalweit-Stärz, die seit 26 Jahren als selbstständige Visagistin und Fotografin arbeitet und bereits mit Stars wie Kevin Kurany und Franka Potente zu tun hatte, sollte noch am gleichen Tag anreisen. Die 51-Jährige hakte nach, wollte wissen, wie man auf sie gekommen sei und stellte weitere Fragen – telefonisch und über das Internet. »Alles hat seriös gewirkt«, sagt sie.

Also sagte die Visagistin zu, packte in aller Eile ihre Sachen für den angeblich mehrtägigen Aufenthalt in der Türkei. Beinahe das gesamte Makeup-Equipment, ihr neues iPad und die Kamera wanderten gemeinsam mit den Klamotten in den Koffer. Derweil stand sie per Handy laufend in Kontakt mit dem potenziellen Auftraggeber. Von Frankfurt aus ging es in die Türkei, wo sie am Flughafen abgeholt werden sollte. Doch als sie ankam, wartete niemand auf sie. Kalweit-Stärz erreichte den Auftraggeber via Kurznachricht. Der Mann teilte ihr mit, dass sie mit dem Taxi zu einer bestimmten Adresse fahren solle. Dort warte ein Mitglied des Teams auf sie.

Die Visagistin tat, wie ihr geheißen. Das Taxi hielt an einer Ecke, ein junger, perfekt Deutsch sprechender Türke kam auf sie zu. Er hatte einen Freund – angeblich auch Teammitglied – dabei. Gemeinsam sollte es auf eine Party gehen, wo die Details für das Shooting am nächsten Tag besprochen werden sollten. »Deinen Koffer und deine Tasche nimmst du lieber nicht mit«, habe der junge Mann gesagt. Das andere Teammitglied werde die Sachen mit dem Taxi ins Hotel bringen, damit ihr auf der Party nichts abhanden komme. Sie brauche lediglich ihren Pass, um auf die Party gelassen zu werden.

»Ich war übermüdet – es war schon nach ein Uhr nachts«, erinnert sich Kalweit-Stärz. Ihr sei der Vorschlag plausibel vorgekommen. Die 51-Jährige legte ihren Koffer und ihre Handtasche ins Taxi und fuhr mit dem jungen Mann in einem anderen Taxi in Richtung der angeblichen Party. »Wir waren ewig unterwegs, plötzlich fragte er, ob es okay sei, wenn er schnell etwas esse.« Sie bejahte, das Taxi hielt an einem McDonalds-Restaurant.

»Für mich fing die Hölle an«

»Er bestellte ein Menü, bezahlte mit einem Hundert-Euro-Schein.« Gemeinsam setzten sie sich an einen Tisch, dann bekam der Mann einen Anruf: Ein Freund warte draußen, er komme gleich wieder, habe er gesagt, sei aufgestanden und habe das Restaurant verlassen. »Dann fing für mich die Hölle an«, sagt Kalweit-Stärz. Denn der Türke kam nicht wieder. Nach einiger Zeit ging die Visagistin zu einem Sicherheitsmann, der am Eingang des Fast-Food-Restaurants stand und bat diesen um Hilfe. Die Polizei wurde informiert, die 51-Jährige zum Konsulat der Bundesrepublik gebracht. Ihr Mann, mit dem sie in Trennung lebt, buchte noch am selben Tag einen Flug zurück nach Deutschland.

»Ich hatte nicht einmal Geld dabei«, erinnert sie sich. Der angebliche Auftraggeber hatte ihr empfohlen, nichts umzutauschen, da ihr vor Ort alles bezahlt werde.

Inzwischen hat Kalweit-Stärz aufgelistet, was ihr durch den Betrug abhanden gekommen ist. Die Liste ist mehrere Seiten lang. Die Visagistin ist auf der Suche nach einem Anwalt, denn noch sei unklar, ob die Versicherung den Schaden übernehme. »Wenn nicht, stehe ich vor dem Aus meiner Existenz«, sagt sie. Bei der Polizei in Deutschland hat sie Anzeige erstattet. Den Beamten war die Betrugsmasche nicht unbekannt. Die Bad Nauheimerin weiß inzwischen von einem Modell, der das gleiche wiederfahren ist.

Der angebliche Auftraggeber habe sich über das Internet noch einmal bei ihr gemeldet, für 2000 Euro bekäme sie ihre Sache zurück, sei ihr mitgeteilt worden. Christina Kalweit-Stärz wusste gleich: »Ohne mich.«

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