13. Juli 2018, 22:08 Uhr

Vermächtnis geht ans Land

13. Juli 2018, 22:08 Uhr
Sind im Umfeld eines Verstorbenen keine Erben vorhanden, geht der Nachlass an das Bundesland über, in dem der Verstorbene gelebt hat. (Foto: dpa)

Wiesbaden/Frankfurt (dpa/lhe). Fiskalerbschaften spülen jedes Jahr Millionen in die hessische Landeskasse. Denn wenn Erben nicht wollen oder fehlen, fallen Immobilien und anderer Besitz dem Land Hessen zu. »Der Großteil der Erbfälle ist begründet durch Überschuldung und damit einhergehenden Erbausschlag«, sagt Manfred Schwebel, Sprecher der Oberfinanzdirektion Frankfurt. Sie ist für die Fiskalerbschaften zuständig. Knapp zehn Millionen Euro brachte die Veräußerung von Nachlässen dem Land in den vergangenen drei Jahren – zumindest auf dem Papier.

Tatsächlich bleibe aber deutlich weniger beim Land hängen, weil Verwaltungskosten noch nicht abgezogen seien. »In der Regel handelt es sich bei den Immobilien um nicht werthaltige Objekte, die aufgrund von Überschuldung und meist schlechtem Zustand nur mit erheblichem Aufwand veräußert werden können«, so Schwebel. Das meiste Geld bringen Nachlässe wie Schmuck, Geld- und Kapitalanlagen sowie Fahrzeuge ein.

Im Gegensatz zu anderen Erben kann das Land nicht ablehnen, wenn ein Erbe auch mit Schulden verbunden ist. »Ist zur Zeit des Erbfalls kein Verwandter, Ehegatte oder Lebenspartner des Erblassers vorhanden, erbt das Land, in dem der Erblasser zur Zeit des Erbfalls seinen letzten Wohnsitz oder, wenn ein solcher nicht feststellbar ist, seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte«, heißt es im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Aufgrund der demografischen Situation, der zum Teil vorherrschenden Verschuldungssituation der Privathaushalte sowie der immer größer werdenden Anzahl von allein lebenden Menschen nehme die Anzahl der Fiskalerbschaften zu, sagt Alexander Hoffmann, Sprecher des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH). Der LBIH verwaltet und vermarktet die geerbeten Grundstücke. 3469 Flurstücke befanden sich Ende des vergangenen Jahres im Bestand des Landes, 790 davon bebaut. Ein Jahr zuvor waren es 3033 Flurstücke.

Die Bandbreite des Erbes reicht bei Immobilien von Einfamilienhäusern, Eigentumswohnungen, großen Industriebrachen bis zu verlassenen Kurkliniken. Dass Mieten und Kaufpreise für Immobilien in den Städten steigen, habe auf die Fiskalerbschaften wenig Einfluss, heißt es bei der Oberfinanzdirektion: »Unter anderem ist die Bereitschaft von Erben, ein baufälliges, gegebenenfalls sogar denkmalgeschütztes ländliches Anwesen zu übernehmen, geringer, als wenn es um eine stadtnahe Immobilie geht, die oftmals auch in schlechtem Erhaltungszustand noch verkaufsfähig ist.«

Für Städte und Gemeinden sind Fiskalerbschaften oft ein Ärgernis: »Wir haben zunehmend Probleme mit Schrottimmobilien«, sagt Karl-Christian Schelzke, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds in Hessen. Zudem habe das Land in der Vergangenheit abgelehnt, für die Erbschaften Grundsteuer zu zahlen. Nach intensiven Gesprächen sei das seit Kurzem anders.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alexander Hoffmann
  • Demographie
  • Denkmalschutz
  • Ehegatten
  • Eigentumswohnungen
  • Einfamilienhäuser
  • Erben
  • Erbschaften
  • Gesetzbücher
  • Grundsteuern
  • Karl Christian
  • Mieten
  • Oberfinanzdirektion
  • Frankfurt
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos