15. August 2019, 22:41 Uhr

Unteres Mittelfeld

15. August 2019, 22:41 Uhr
Hessen hat einer aktuellen Bildungsstudie zufolge Defizite beim Fremdsprachenunterricht und bei der Lehrer-Schüler-Relation. (Foto: dpa)

Wiesbaden (dpa/lhe). Hessen hat einer aktuellen Bildungsstudie zufolge Defizite beim Fremdsprachenunterricht und bei der Lehrer-Schüler-Relation. Eine der Stärken sei dagegen, dass im Vergleich zu anderen Bundesländern wenig ausländische Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. Das geht aus dem Bildungsmonitor 2019 der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Im Länderranking landet Hessen wie bereits im Vorjahr auf Platz zehn. Spitzenreiter ist Sachsen vor Bayern und Thüringen. Auf den letzten Plätzen stehen Bremen, Brandenburg und Berlin. Die Bundesländer werden in der Studie anhand von 93 Indikatoren miteinander verglichen - zum Beispiel, wie viel Geld pro Schüler ausgegeben wird oder wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist. Als 2013 diese Indikatoren erstmals eingesetzt wurden, kam Hessen ebenfalls auf Platz zehn. Wo liegen nach dem Urteil der aktuellen INSM-Studie in Hessen die Stärken und Schwächen?

Ganztagsbetreuung der Kleinen: Als überdurchschnittlich bewerten die Experten, wie häufig Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren in Hessen betreut werden. Mehr als 51 Prozent dieser Altersgruppe werde ganztags betreut, bundesweit seien es knapp 46 Prozent.

Ausbildung Kita-Personal: In Hessen hatten 2018 rund 11,7 Prozent der Erzieherinnen in Kindertagesstätten einen akademischen Abschluss. Dies ist laut Studie der höchste Wert im Bundesländerranking. Deutschlandweit waren es gut sieben Prozent.

Ausländer: In Hessen gehen mit 10,3 Prozent deutlich weniger ausländische Schüler ohne Abschluss von der Schule als bundesweit (18,1 Prozent). Hessen erreicht in diesem Punkt den niedrigsten Wert aller Bundesländer.

Fremdsprachen: Im Ländervergleich wenige Grundschüler seien 2017 in einer Fremdsprache unterrichtet worden. Während es bundesweit 65,7 Prozent waren, lag die Quote in Hessen bei 48,8 Prozent. Auch der Anteil der Berufsschüler, die eine Fremdsprache lernen, war unterdurchschnittlich. Hier sehen die Autoren der Studie Nachholbedarf.

Betreuungsrelation: An den weiterführenden Schulen der Sekundarstufe I (ohne Gymnasien) weist Hessen mit 14,6 die schlechteste Lehrer-Schüler-Relation aller Bundesländer auf, wie aus der Studie hervorgeht. Auch in der Sekundarstufe I der Gymnasien liegt Hessen mit 16,5 deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 14,9.

Vom Verband Familienunternehmer kam umgehend Kritik: »Hessen schafft es schon das dritte Jahr in Folge, sich bildungspolitisch nicht vom Fleck zu bewegen«, kritisierte der hessische Landesvorsitzende Dirk Martin. Um die Lehrkräfte zu entlasten, sollten Schulen auch offen dafür sein, externe Experten während Projekttagen mit in den Stundenplan einzubinden, erklärte er.

Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, Dirk Pollert, bekräftigte die Forderung nach einem eigenen Fach Wirtschaft, »damit Schule auch lebenspraktische Hilfe zur Alltagsbewältigung gibt«.

Grundlegende Kritik am Bildungsmonitor kam von der Lehrergewerkschaft GEW Hessen. Referent Roman George bezeichnete das Länderranking als »vollkommen unseriös«, da alle einzelnen Indikatoren aus den verschiedenen Handlungsfeldern zu nur einem Wert zusammengefasst würden. »Daher misst die GEW Hessen der Platzierung der einzelnen Bundesländer in diesem Ranking keine Relevanz bei.« Die Forderung nach einem neuen Pflichtfach Wirtschaft weise in die vollkommen falsche Richtung, erklärte George. Wer neue Fächer fordere, müsse auch sagen, an welchen Stellen dafür Unterricht wegfallen soll, denn die Stundentafel könne nicht beliebig ausgedehnt werden.

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