08. Juli 2014, 10:41 Uhr

Typisierungen: Lebensretter gesucht

Lahnau/Langgöns (agl). Karl-Heinz Jahn ist die Chance genommen, über eine Typisierung gerettet zu werden. Mit 61 Jahren ist der an Leukämie erkrankte Lahnauer vor zwei Wochen verstorben.
08. Juli 2014, 10:41 Uhr
Lukas (Foto: pv)

Den Kampf gegen den tückischen Krebs hat er verloren. Auch für Karl-Heinz Jahn hätten sich Menschen am heutigen Dienstag von 16 bis 20 Uhr registrieren lassen können. Ein kleiner Pieks, fünf Milliliter Blut geben, und vielleicht kommt man als Lebensretter infrage, kann Stammzellen für einen Leukämiepatienten spenden. Der Termin findet dennoch heute zur genannten Uhrzeit im Atzbacher Bürgerhaus statt. Neben der Registrierung kann man dort auch Blut spenden.

Wie sehr es sich lohnt, dorthin zu gehen und mitzumachen, wird auch an dem zwölfjährigen Lukas deutlich. Der Niederkleener ist eigentlich ein fröhlicher Junge, hat Handball gespielt, sich in der Jugendfeuerwehr engagiert, ist das jüngste Mitglied des Vespa-Clubs Gießen. Er war unternehmungslustig – bis zur Schock-Diagnose: Am Gründonnerstag stellten Ärzte bei ihm eine besonders aggressive Form der Leukämie fest. Seitdem ist nichts mehr wie es war.

Geldspenden ebenfalls erbeten

Der Sechstklässler bekommt Chemotherapie, muss pendeln zwischen Klinik und Elternhaus. Noch kann es sein, dass er es ohne Stammzellspende schafft. Doch von jetzt auf gleich ist es auch möglich, dass sein Leben nur dadurch gerettet werden kann. Deshalb haben sich die Ärzte entschieden, über eine Typisierung nach einem möglichen Spender zu suchen. Am Samstag, 12. Juli, findet von 10 bis 16 Uhr im Niederkleener Bürgerhaus eine Typisierung statt. Bürgermeister Horst Röhrig und die Präsidentin des Landfrauenverbands Hessen, Hildegard Schuster, haben die Schirmherrschaft inne.

In Niederkleen wie auch in Atzbach kann man dem kleinen Lukas helfen. Die Chance, dass man die passenden Gewebemerkmale hat, ist zwar gering, doch die Werte werden – anonymisiert – gespeichert. Denn so eröffnet sich die Möglichkeit, Menschen irgendwo auf der Welt zu helfen, die genau diese Stammzellen brauchen. Sich registrieren zu lassen, lohnt sich also. Sollte man tatsächlich die gleichen Merkmale haben wie ein Leukämiepatient in Niederkleen, in Deutschland oder wo auch immer die lebensrettende Maßnahme gebraucht wird, kann man noch entscheiden, ob man tatsächlich zur Spende bereit ist.

Was den ersten Schritt, die Typisierung, angeht, so »kann grundsätzlich jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren« mitmachen, wie die DKMS informiert.

Die Organisation bittet außerdem um finanzielle Unterstützung, da pro Typisierung Kosten in Höhe von 50 Euro anfallen. »Als gemeinnützige Gesellschaft ist die DKMS bei der Spenderneugewinnung allein auf Geldspenden angewiesen«, heißt es in einer Pressemitteilung. DKMS-Spendenkonto: Volksbank Mittelhessen, IBAN: DE 94 51 39 00 00 00 48 83 71 07, BIC: V BM HD E5 FX XX.

Für die Typisierungsaktion in Lahnau gilt folgendes Spendenkonto der Deutschen Stammzellspenderdatei Rhein-Main:
IBAN: DE2 65 00 70 02 407 23 66 80 10, BIC: DEUTDEDBFRA, Verwendungszweck: »karlheinz«.

Sollte das Überleben des zwölfjährigen Lukas von einer Stammzellspende abhängen, könnte sich sein genetischer Zwilling womöglich auch unter den Menschen finden, die sich heute in Lahnau typisieren lassen. Wohlwissend, dass zwar ihrem Mann nicht mehr geholfen werden kann, andere aber noch eine Chance haben, wendet sich Heike Jahn an die Öffentlichkeit: »Zahlreiche Vereine und Unternehmen aus der Region unterstützen in Erinnerung an Karl-Heinz Jahn die Registrierungsaktion und sind am 8. Juli 2014 mit dabei«, schreibt sie und appelliert an die Menschen, den kleinen Pieks über sich ergehen zu lassen. DRK-Blutspendedienst, Deutsche Stammzellspenderdatei, DRK-Kreisverband Wetzlar und DRK-Bereitschaft Lahnau rufen zu der Typisierung auf. Bürgermeister Eckhard Schultz schließt sich dem Appell an.

Seitens der DKMS heißt es: »Alle 16 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs, darunter viele Kinder und Jugendliche.« Für viele Patienten sei die Übertragung gesunder Stammzellen die einzige Überlebenschance. »Täglich spenden durchschnittlich 15 DKMS-Spender Stammzellen. Dennoch kann für zahlreiche Patienten kein geeigneter Spender gefunden werden. Deshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen in die Datei aufnehmen lassen.« (Foto: pm)

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