18. Dezember 2017, 21:00 Uhr

eHighway

Teststrecke für Lkw mit Strom auf der A5

Ab 2019 sollen testweise Lkw mit Strom aus Oberleitungen gespeist werden. Nächstes Jahr werden in Deutschland drei Teststrecken gebaut. Für die erste fiel jetzt der Startschuss in Hessen.
18. Dezember 2017, 21:00 Uhr
Ein Prototyp der neuen Oberleitungslastwagen. In Hessen beginnt der Bau der ersten Teststrecke für Lastwagen mit Strom aus Oberleitungen. (Foto: dpa)

Die Deutsche Presse-Agentur hat zusammengetragen, wie Fachleute die Technik erklären und beurteilen.

 

? Worum geht es?

»Ziel ist es, den Lieferverkehr umweltfreundlicher zu gestalten«, sagt Gertrud Sahler aus dem Bundesumweltministerium. »Es reicht nicht aus, den Individualverkehr zu elektrifizieren.« Neben der Strategie, möglichst viel Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, müsse auch der Güterverkehr auf der Straße so klimaneutral wie möglich werden.

? Warum diese Technik?

»Lastwagen mit Oberleitungsstrom sind doppelt so effizient«, sagt Manfred Fuhg, Leiter der »Mobility Division« bei der Siemens AG. Sie stoßen weniger Schadstoffe aus, verbrauchen weniger Sprit und sind leiser. Im Feldversuch habe sich die Technik bewährt. »Jetzt sind wir gespannt, wie sich das System unter realen Bedingungen beweist.«

? Wie funktioniert der eHighway?

Wie auf Bahnstrecken müssen entlang der Straße Strommasten aufgestellt werden. Erkennen die Sensoren im Dach des Lasters eine Oberleitung, werden die Abnehmer ausgefahren. Der Elektromotor wird mit Strom gespeist und zugleich die Batterie aufgeladen. Damit kann der Lkw nach dem Abdocken elektrisch weiterfahren. Ist der Akku erschöpft, kann der Hybridmotor mit Diesel weiterfahren.

? Macht das Sinn?

»Auf den ersten Blick erscheint das wenig plausibel«, gibt Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zu und berichtet von kritischen Kommentaren auf Facebook: Die Idee »unten Güter, oben Strom« sei hundert Jahre alt und nenne sich Eisenbahn. Auf den zweiten Blick sei die Idee richtig und wichtig: »Wir müssen alle Technologien auf ihre Praxistauglichkeit testen.«

 

? Was sagen die Spediteure?

»Ob der Oberleitungs-Lkw die Zukunft ist, ist völlig offen«, sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands. Zu viele Fragen seien offen, zum Beispiel, wie dicht das Oberleitungsnetz wäre und ob die Anschaffung der Lkw sich wirtschaftlich rechnen würde. Der Verband habe keine Präferenz für eine bestimmte Technik, würde aber »einen völlig emissionsfreien Lkw lieber heute als morgen einsetzen.«

? Wer ist in Hessen beteiligt?

Projektträger von ELISA (elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen) ist Hessen Mobil. Wissenschaftliche Expertise steuert die Technische Universität Darmstadt bei. Gebaut wird die Teststrecke von der Siemens AG. Bezahlt wird die Pilotstrecke vom Bundesumweltministerium. Die zweimal fünf Kilometer in Hessen kosten 14,6 Millionen Euro. Fünf Speditionen sollen die Strecken testen.

? Gibt es weitere Teststrecken?

In Deutschland gibt es laut Bundesumweltministerium insgesamt drei Pilotstrecken: Auf der A 1 bei Lübeck wird getestet, ob die Anbindung an einen Hafen funktioniert. Auf der B 462 im baden-württembergischen Murgtal wird das System ein einem engen Tal mit Ortsdurchfahrten erprobt. Die Strecken kosten 14 und 16,8 Millionen Euro.

? Beeinträchtigen die Bauarbeiten den Verkehr?

2018 werden die Oberleitungen entlang der Teststrecke aufgebaut. Laut Hessen mobil wird nur außerhalb der Straße gebaut: »Dabei bleiben alle Fahrstreifen erhalten.« Die Strecke nahe Flughafen und Frankfurter Kreuz nutzen täglich 135 000 Fahrzeuge.

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