12. Februar 2010, 18:12 Uhr

Test bestanden, zumindest in der Theorie

Ein paar Tage nachdenken, zeichnen, designen - und fertig ist das Auto der Zukunft? Ganz so funktioniert’s natürlich nicht bei dem Projekt mit TU und Hochschule Darmstadt und den beiden Fraunhofer Instituten, die in die Aktion involviert waren.
12. Februar 2010, 18:12 Uhr
Rüdiger Heim (r.), Leiter des Kompetenzcenters »Rad/Nabe/Welle« im Fraunhofer LBF, nimmt Stellung zum virtuellen Auto der Zukunft. (Fraunhofer LBF)

Ein paar Tage nachdenken, zeichnen, designen - und fertig ist das Auto der Zukunft? Ganz so funktioniert’s natürlich nicht bei dem Projekt mit TU und Hochschule Darmstadt und den beiden Fraunhofer Instituten, die in die Aktion involviert waren. Aber das Prinzip ist letztlich dasselbe wie bei einer echten Autoentwicklung - und deshalb stand am Ende des Prozesses ein Härte- und Realitäts-Check für den Erstentwurf. Auf dem theoretischen Prüfstand: Die Tropfenform, der Elektroantrieb, das große Panoramafenster und die Größenverstellbarkeit.

Im Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt ist Diplom-Ingenieur Rüdiger Heim Fachmann, wenn es um neue Produkte der Autoindustrie geht. Der Leiter des Kompetenzcenters »Rad/Nabe/Welle« hat das Blitz-Auto-Modell der Darmstädter Projektgruppe unter die Lupe genommen - und die Ergebnisse für ein Interview mit unserer Zeitung zusammengefasst. Bei dem Prüfvorgang hat man sich im LBF auf folgende Parameter konzentriert: »Zum einen die Betriebsfestigkeit, also die Lebensdauer relevanter Komponenten des Fahrzeugs bei einem harten Kundeneinsatz über mehrere Jahre und bis zu 300 000 Kilometer Fahrstrecke. Weiterhin haben wir die akustischen Eigenschaften betrachtet.« Das macht Sinn: Denn Profi Heim erwartet, dass der heute noch vorherrschende Geräuscheindruck durch den Verbrennungsmotor künftig durch andere Effekte und Geräuschquellen wie etwa die Fahrbahnrauigkeit und das Reifenabrollgeräusch abgelöst wird. Hat das Fahrzeug den Test bestanden, zumindest theoretisch? Der Diplom-Ingenieur ist großzügig: »Leichtbauwerkstoffe, Antriebskonzept, Panoramadach, Aerodynamikpaket - wir haben gesehen, dass alle konzeptionellen Ideen Substanz haben und bei entsprechend sachgerechter Ausführung durch die Fahrzeugentwickler durchaus betriebssicher zu dimensionieren wären.« Überzeugend fand Heim die technisch fundierten, grundsätzlich realisierbaren und trotzdem durchaus visionären Ideen der Entwickler an der TU und der Hochschule: »Die Herausforderungen der Zukunft - also geringes Gewicht und hohe Effizienz im Antrieb - wurden klar berücksichtigt, und trotzdem behält das Fahrzeug seinen Charakter als ein individuell ansprechendes Konsumprodukt - Stichwort Panoramadach und Sitzgestaltung.«

Wäre das Modell tatsächlich ein allererster Entwurf für ein neues Produkt, dann müsste es jetzt folgendermaßen weitergehen: Die Fahrzeugentwickler würden beginnen, konkrete Eckpunkte für die Realisierung herauszuarbeiten. Heim erläutert: »Dazu würden grundsätzliche Daten wie Länge, Radstand, wahrscheinliches Gewicht, Antriebsleistung und ähnliches definiert und sukzessive mit immer weiter verfeinerten Ideen ausgeführt und ergänzt.« Überwiegend, so der Diplom-Ingenieur, müsste man diese Arbeiten in den Rechnern und später mit der Modellierungsumgebung des IGD durchführen. Zuletzt wären erste Prototypen aufzubauen und in den Laboren des LBF auf Herz und Nieren zu testen. Und schließlich wagt Heim eine Prognose: »Dann könnten die ersten Kunden Ende 2012 die ersten Autos kaufen.« Halt, halt - theoretisch wohlgemerkt.

Alles, was über die Theorie hinausgeht, hat schließlich noch eine Jury kommentiert: Ulrich Buckmann vom ADAC Hessen-Thüringen, Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland, Frank Leopold von Opel und Martin Fräger aus dem gleichnamigen nordhessischen Metallunternehmen. Bei aller Unterschiedlichkeit in der Analyse: Die Tröpfchenform gefällt, auch der gute Durchblick, die Größenvariabilität wird zumindest als interessant klassifiziert - nur ob man’s wirklich braucht, das eine Auto für alle Fälle: Nun, das ist vielleicht eine ganz andere Frage.

Annette Spiller

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