13. November 2019, 22:22 Uhr

Symbolfigur für Zivilcourage

Vor fünf Jahren fiel die Studentin Tugce Albayrak nach einem heftigen Schlag gegen den Kopf auf einem Parkplatz in Offenbach ins Koma, aus dem sie nicht mehr aufwachte. Der Täter wurde verurteilt und abgeschoben. Der Fall löste Diskussionen aus und bewegte Millionen.
13. November 2019, 22:22 Uhr

Das Schnellrestaurant an der Stadtgrenze von Frankfurt zu Offenbach ist zurzeit umzingelt von Baustellen. Auf dem Parkplatz hinter dem Gebäude schlug vor fünf Jahren ein Mann die Studentin Tugce Albayrak so heftig, dass sie an den Folgen starb. Ihr Tod knapp zwei Wochen später löste bundesweit große Anteilnahme aus.

Es war der 23. Geburtstag der Gießener Studentin, an dem ihre Eltern im Jahr 2014 die lebenserhaltenden Geräte im Offenbacher Klinikum abstellen ließen. Schon Tage zuvor hatten Mediziner den Hirntod infolge der schweren Kopfverletzung festgestellt. Rund 1500 Menschen versammelten sich vor dem Klinikgebäude, viele hatten Kerzen angezündet, Medien im In- und Ausland berichteten. Verurteilt für die Tat vom 15. November wurde ein in Offenbach geborener, damals 18-jähriger Serbe.

Die Gewalttat im Morgengrauen löste heftige Debatten über Jugendkriminalität und Zivilcourage aus. Denn die Studentin soll in dieser Nacht im Toilettenbereich des Restaurants zwei 13-jährigen Mädchen beigestanden haben, die unter anderem vom späteren Täter belästigt worden seien, wie es hieß. Darauf kam es zum Streit, der in dem verhängnisvollen Schlag gipfelte. Tugce Albayrak wurde zu einer Symbolfigur für Zivilcourage und ihr Foto prangte auf Titelseiten und T-Shirts, bundesweit wurden Mahnwachen organisiert.

Später kamen Zweifel auf, und im Prozess vor dem Darmstädter Landgericht wurde deutlich: Die junge Frau gehörte zu einer Gruppe, die mit der Gruppe des späteren Täters heftig aneinandergeraten war. Mit Beleidigungen und Provokationen wurde nicht gespart, auch die 22-Jährige machte dabei mit. Ob die 13-Jährigen ihre Hilfe tatsächlich gebraucht hatten, blieb offen.

»Dieser Verlust ist durch kein Urteil dieser Welt wieder auszugleichen«, sagte der Vorsitzende Richter am Darmstädter Landgericht, als er im Juni 2015 den Täter Sanel M. zu drei Jahren Jugendhaft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilte. Der Täter habe den Tod nicht beabsichtigt. Doch wer so heftig zuschlage, »der nimmt die Körperverletzung in Kauf«, sagte der Richter.

Verein zur Gewaltprävention

Im April 2017 wird Sanel M. nach Serbien abgeschoben. Es wurde ein achtjähriges Wiedereinreiseverbot nach Deutschland verhängt. An die Studentin erinnert ein Gedenkstein an der Universität Gießen, wo Tugce studierte. Auf dem Parkplatz an der Offenbacher Fast-Food-Filiale und an ihrem Geburtskrankenhaus in Bad Soden-Salmünster wurde eine Gedenktafel angebracht. Eine größere Gedenkveranstaltung ist zum fünften Jahrestag nicht geplant.

Die Erinnerung halten Familie und Freunde mit einem gemeinnützigen Verein wach, der »für eine bessere Welt einstehen« soll, wie es auf der Homepage heißt: »Dieser Verein soll dazu beitragen, dass Gewalt in der Gesellschaft ganz unten steht und Nächstenliebe ganz oben.« Neben Schulprojekten zum Thema Gewaltprävention organisierte der Verein einen Charity-Lauf, die Erlöse waren für Anti-Gewalt-Projekte bestimmt.

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