14. November 2018, 21:00 Uhr

Entführungsfall Würth

Suche nach Motiv

War Nedzad A. an der Entführung von Milliardärssohn Markus Würth im Juni 2015 beteiligt? War er für die Kommunikation mit der Unternehmerfamilie verantwortlich? Waren Geldsorgen das Motiv?
14. November 2018, 21:00 Uhr
Der Angeklagte beim Prozessauftakt. (Foto: gäd)

Die Beweisaufnahme im Prozess vor dem Gießener Landgericht neigt sich dem Ende entgegen. Gestern gaben Ermittler unter anderem, Einblicke in die finanzielle Situation des 48-jährigen Serben.
Ein führendes Mitglied der damaligen Sonderkommission erklärte, man wisse einiges über den oder die Täter – aus Telefonüberwachungen, der Auswertung des Täter-Handys oder aus dem E-Mail-Verkehr mit der Familie. »Wir haben nichts gefunden, was gegen eine Tatbeteiligung des Angeklagten spricht«, sagte der Fuldaer Kriminaloberkommissar.

Eselsohr im Jahreskalender

Die Auswertung der Mobilfunkdaten habe ergeben, dass sich der Angeklagte in der Vergangenheit in denselben Funkzellen aufgehalten habe, wie der Anrufer, der die Verhandlungen mit der Familie Würth führte – allerdings nicht zur selben Zeit.  Weitere Indizien sind nach Aussage des Ermittlers insgesamt 24 Telefonkarten, die bei ihm entdeckt wurden und auch ein Eselsohr, das man auf einer Seite im Jahreskalender 2015 gefunden habe – markiert wurde die Woche der Entführung. Hier wandten allerdings die Verteidiger ein, dass dies ebenso gut ein Hinweis auf einen bevorstehenden TÜV-Termin sein könne. Zudem müsse man sich wohl nicht selbst an eine von langer Hand geplante Straftat erinnern.
 
»Kein nennenswertes Vermögen«
 
Den Verdacht erhärtet hätten laut des Ermittlers zahlreiche Belege über gekaufte Handy-Guthaben, sprachliche Übereinstimmungen in Telefonaten des Angeklagten und den Erpresser-E-Mails sowie eine sichergestellte Gliederkette, die der ähnlich sei, mit der Markus Würth gefesselt wurde. Solche Ketten werden auf Baustellen benutzt, um Materialien vor Diebstahl zu sichern. Zudem sei seine finanzielle Situation schwierig gewesen. Es hätten sich Schulden von mehreren Tausend Euro angesammelt.
Die zuständige Ermittlerin bestätigte, dass die finanzielle Situation der Familie zumindest angespannt war. Nedzad A. arbeitete als selbstständiger Trockenbauer. Einkünfte aus dieser Tätigkeit seien schnell auch wieder vom Konto abgehoben worden. »Es war kein nennenswertes Vermögen vorhanden.« Nicht beim Familienvater, noch bei der Ehefrau, so das Fazit der Zeugin.

Weiteres Stimmgutachten?

Der Malermeister, für den der Angeklagte häufig arbeitete, konnte nicht zweifelsfrei bezeugen, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt der Entführung auf einer seiner Baustellen gearbeitet habe. Er gehe aber stark davon aus, da es keine Beschwerden gegeben habe. Die meiste Zeit habe er täglich auf der Baustelle vorbeigeschaut.
Eine zentrale Rolle spielt das Stimmgutachten der Experten der Universität Marburg. Sie hatten festgestellt, dass Aufnahmen der Erpresseranrufe und Vergleiche aus der Telefonüberwachung des Angeklagten »mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit« vom selben Sprecher stammen. Die Verteidigung zweifelt das an und möchte erreichen, dass ein zweites, eigenes Gutachten, noch einmal ausführlich behandelt wird. Darüber muss jetzt das Gericht befinden.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Baustellen
  • Besitz und Vermögen
  • Entführung
  • Entführungsfälle
  • Finanzlage
  • Landgericht Gießen
  • Motive
  • Philipps-Universität Marburg
  • Gerd Chmeliczek
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.